Am Freitag war es so weit. Damon Hill wurde zum neuen Präsidenten des renommierten "British Racing Drivers Club" (BDRC) gewählt. Er hat bei der Generalversammlung des Klubs seinen Vorgänger Jackie Stewart geschlagen, der Schotte führte zuvor über sechs Jahr dieses Amt aus. Der BDRC ist der Besitzer der Rennstrecke in Silverstone und tritt unter anderem auch als Veranstalter des Formel 1-Grand Prix von England auf.
Der Grand Prix im Mutterland des Automobilrennsports ist seit Jahren eine Art Sorgenkind, immer wieder hörte man den britischen Formel 1-Zampagno Bernie Eccclestone über die Veranstaltung im Heimatland zetern - über verstopfte Anfahrtswege, die schlechte Infrastruktur und die veraltete Anlage. Stewart wollte die Rennstrecke verpachten, um so das nötige Geld für den dringend nötigen Umbau zu erlangen - doch mit diesem Ansinnen machte sich Stewart unbeliebt, das Lager spaltete sich. Der altehrwürdige Klub ist zerstritten.

Hill erklärte in einem Gespräch mit dem Guardian: "Ich wäre sehr froh, wenn ich dem Klub helfen könnte. Es ist für mich eine Ehre, einen 75 Jahre alten Klub zu repräsentieren, dem einige der größten Legenden des britischen Motorsports angehören." Der Ex-Weltmeister möchte das gespaltene Lager wieder vereinen. "Darin sehe ich meine hauptsächliche Aufgabe. Die ganze Angelegenheit ist sehr komplex. Man sollte Silverstone, den England-Grand Prix und den Klub als gesonderte Angelegenheiten betrachten."
Auch Damon Hill ist klar, dass die Anlage auf dem ehemaligen Militärflugplatz eine Generalüberholung benötigt. Der Vertrag mit der Formel 1 läuft Ende 2009 aus, ohne Maßnahmen würde keine Chance auf Verlängerung bestehen. Hill pflegt im Gegensatz zu seinem Vorgänger Jackie Stewart ein entspanntes Verhältnis zu Bernie Ecclestone, der F1-Zampagno soll sogar als Co-Veranstalter im Gespräch sein. Gemeinsam wollen Hill und Eccclestone für den Umbau sorgen.

Wenn Damon Hill davon spricht, dass sich der britische Motorsportklub "seiner Wurzeln besinnen sollte", weiß er auch, wovon er spricht. Als Sohn von Graham Hill kennt er dieses Umfeld von Kindheit an: "Es war üblich, dass wir mit Dad's Flugzeug nach Silverstone kamen, das war damals noch ein Propellerflugzeug. Der Flug nach Silverstone war für uns ein ganz normaler Ausflug." In Silverstone gab Damon Hill auch sein Formel 1-Debüt, im Jahr 1992: "Ich überquerte die Ziellinie nur knapp hinter dem Williams von Nigel Mansell - allerdings lag ich vier Runden hinter ihm." Während sein Vater den Heim-GP in Silverstone niemals gewinnen konnte, gelang Damon 1994 dieses Unterfangen. Diese emotionalen Bindungen sind es, die für Hill wesentlich sind.
Zwar unternahm Hill immer wieder Ausflüge in den Motorsport - zuletzt mit einem Test des GP2-Boliden - dennoch hat der 22fache GP-Sieger in den letzten Jahren ein "normales Leben" gelebt, mit seiner Frau Georgie und seinen vier Kindern. Verantwortung zu übernehmen, ist für Hill keine neue Erfahrung. Sein 17jähriger Sohn leidet unter dem Down-Syndrom - Damon und Georgie wurden nicht müde, sich in der Öffentlichkeit für verschiedene Selbsthilfegruppen einzusetzen und leisteten auch einiges an karitativer Arbeit. Warum er sich den Job als BDRC-Präsident "antut", wird Hill gefragt. Und er antwortet: "Ich möchte auch die Ideen der Mitglieder anhören, es ist auch ein hoher Grad an Neugier, der meinen Part ausmacht. Alle haben mir gesagt, dass ich total verrückt sein muss - aber ich finde diese Herausforderung absolut faszinierend."

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