Ralf, warst Du von der Entlassung Mike Gascoynes überrascht?
Ralf Schumacher: Ja und nein. Eines ist klar: Wir haben uns andere Ziele gesetzt und die haben wir nicht erreicht. Da ist es normal, dass Entscheidungen anstehen, wobei diese Entscheidung von beiden Seiten getragen wurde.
Welche Folgen hat der Abgang von Mike?
Ralf Schumacher: Grundsätzlich keine negativen Folgen. Unser Team ist gut aufgebaut und besitzt eine gute Struktur. Ich sehe keine Probleme, die uns einbremsen sollten.
Ihr habt bislang Eure Ziele verfehlt. Habt Ihr das Jahr also schon abgeschrieben?
Ralf Schumacher: Überhaupt nicht. Wir haben im letzten Jahr das ein oder andere Podium eingefahren und deshalb rechneten wir schon damit, dass uns dies auch in diesem Jahr von Anfang an gelingen kann. Logischerweise war die Situation speziell in den ersten Rennen überhaupt nicht erfreulich. Beim Podestplatz in Melbourne war zudem etwas Glück dabei.
Du gehst also davon aus, dass Ihr diesen Erfolg hier eher nicht wiederholen könnt?
Ralf Schumacher: Im Moment ist nicht davon auszugehen. Wir waren bei den Tests wieder etwas besser und bei den Reifen kamen wir etwas voran. Trotzdem muss man angesichts der Rundenzeiten davon ausgehen, dass wir zwar um Punkte, aber nicht um Podestplätze kämpfen können. Zumindest unter normalen Umständen. Wir sind - wie viele andere auch - schwächer als Renault und McLaren. Deshalb ist ein Podestplatz einfach nicht realistisch.
Aber es gibt ja noch mehr Teams wie Honda, Ferrari...
Ralf Schumacher: Bei Honda ist sicherlich ein Auto ein Konkurrent. Allerdings könnte man dieses noch eher schlagen. Dasselbe gilt für Ferrari. Sie waren im ersten Rennen überraschend gut, haben aber in den letzten beiden Rennen nicht gerade brilliert.
Wo ordnest Du Toyota dann momentan ein?
Ralf Schumacher: Wir stehen irgendwo zwischen vier und fünf in der Teamwertung. Es ist einfach schwer zu sagen.
Und im Vergleich zu BMW?
Ralf Schumacher: Sie waren teilweise sehr schnell. Dann wiederum nicht. Alle fahren momentan sehr durchwachsen. Sie haben alle noch ihre Schwierigkeiten und deswegen ist es so schwer abzuschätzen, wer wo steht.
In den letzten Jahren hatte Toyota immer Probleme mit den hohen Randsteinen. Wie sieht das in dieser Saison aus?
Ralf Schumacher: In diesem Jahr sollten wir keine Probleme mit den Kerbs haben. Im Vergleich zum letzten Jahr, sollten wir hier besser dastehen.
Wie groß war der Entwicklungssprung zwischen den Überseerennen und Imola?
Ralf Schumacher: Das ist sicherlich noch einmal ein großer Sprung, da es vorher zu aufwendig ist richtig zu testen.
Kannst Du absehen, wie lange Ihr noch brauchen werdet, um Euer Problem zu beheben?
Ralf Schumacher: Technisch haben wir am Auto keine Schwierigkeiten. Aerodynamisch gibt es am Auto sicherlich noch einiges an Boden gutzumachen. Aber das ist immer schwierig abzuschätzen, wie lange das wirklich dauern wird.
Wie sieht es bei den Reifen aus? In Melbourne haben sie ja ganz gut funktioniert...
Ralf Schumacher: Wir sind auf einem guten Weg. Trotzdem müssen wir noch verstehen, warum wir nicht so einen hohen Reifenverschleiß wie die anderen Teams haben. Dieses Thema müssen wir auch im Hinblick auf das nächste Jahr dringend lösen. Insgesamt müssen wir einfach ein Konzept erarbeiten, auf das wir Jahr für Jahr aufbauen können. So wie es beispielsweise Renault macht. Sie haben ein Konzept, dass sie komplett verstehen und auf das sie aufbauen können.
Zählt für Dich der 3. Platz von Melbourne wie ein Sieg?
Ralf Schumacher: Wenn man ein Siegauto hat und nur Zweiter wird, bin ich darüber unglücklich. Aber wenn man wie in Melbourne nicht davon ausgehen kann und doch Dritter wird, kann man sich sehr darüber freuen. Grundsätzlich ist es so: Wenn man das Beste aus seinem Paket herausholt, ist es wie ein Sieg.



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