"Der Lorbeerkranz, ein neuer Tanz schwingt Rhythmus in die Hüften der Stadt...lass diese Reise niemals enden, das Tun kommt aus dem Sein allein...junge Römer - die Nacht ist jung wie ihr, vergesst das Morgen" - diese Zeilen schrieb der begnadete Wiener Rapper Hans Hölzel, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Falco, dessen Karriere und Leben am 6. Februar 1998 durch eine Karambolage mit einem Autobus jäh beendet wurde. Als Falco im Jahr 1984 sein Stück "Junge Römer" veröffentlichte, startete der in Rom geborene Giancarlo Fisichella seine Rennfahrerlaufbahn in der italienischen Minikart-Serie. Wie in dem zitierten Song war auch "Fisico" ein junger, aufstrebender Römer, dem in der Formel 1, die er im Jahr 1996 eroberte, eine große Zukunft vorausgesagt wurde. Doch der junge Römer wurde älter - und so richtig geklappt hat es bis heute nicht mit seinem Durchbruch. Drei Siege konnte er in zehn Jahren einfahren, zwei davon in den Jahren 2005 und 2006, im Topteam Renault...
"Ich habe nie in einem sehr konkurrenzfähigen Auto gesessen, und es war ein harter Kampf, dieses Ziel zu erreichen. Oft war Pech im Spiel", sucht Giancarlo Fisichella in einem Interview mit der Welt am Sonntag nach einer Erklärung dafür, dass er die hohen Erwartungen bislang nicht erfüllen konnte. "Natürlich habe ich oft über mein Schicksal nachgedacht - aber ich bin physisch sehr stark, und meine bisherige Karriere hat mich nur noch stärker gemacht", sagt er.
Zur falschen Zeit im falschen Team
Nach seinem Einstiegsjahr bei Minardi, 1996, und einer mittelprächtigen Saison bei Jordan verbrachte Fisichella vier Jahre bei Benetton - dort stieg er zu einer Zeit ein, als die prächtigen Jahre längst vorbei waren. So war es auch, als er 2002 zu Jordan zurückkehrte. Und auch, als er 2004 zu Sauber wechselte, musste er betrübt feststellen, dass auch die Schweizer schon bessere Jahre erlebt haben. 2005 jedoch traf er die goldrichtige Entscheidung, kehrte zu Benetton, das mittlerweile von Renault aufgekauft wurde, zurück. Flavio Briatore hatte aus dem Team wieder eine Weltmeistertruppe geformt. Doch nach dem perfekten Saisonstart 2005, dem Sieg in Melbourne, wollte einfach nichts mehr gelingen, immer wieder ließ ihn die Technik im Stich. Während sich Fernando Alonso zum jüngsten Champion aller Zeiten kürte, blieb Fisichella nur der fünfte WM-Rang.

"Es ist rätselhaft und mir manchmal schon ein wenig unheimlich. Am Team liegt es ganz sicher nicht. Die Leute bei Renault tun alles für mich. Unglücklicherweise kommt es dann trotzdem wieder zu ungeahnten Problemen. Es ist einfach Pech", sucht Fisichella immer wieder nach einer plausiblen Erklärung. Und er fügt hinzu: "Mein Schicksal zeigt: Ohne Glück bist du chancenlos." Doch wie stehen seine Chancen ohne Pech? Ist Fisichella bewusst, dass am Ende doch nur die Resultate zählen und das Jahr 2005 als jenes in die Geschichte eingehen wird, in dem Fisichella im Schatten des Alonso gestanden hat?
Aufrichtiges Selbstvertrauen
"Was meine fahrerischen Möglichkeiten betrifft, gibt es nichts zu bezweifeln. Ich weiß, was ich kann. Zweifel sind da nicht angebracht. Gefragt ist das konstante und beharrliche Ankämpfen gegen die Bedingungen", zeigt "Fisico" aufrichtiges Selbstvertrauen. Den Vergleich mit Alonso, den er als seinen bislang "stärksten Teamkollegen" einschätzt, scheut er nicht: "Wenn Sie meine Trainingsresultate betrachten und meine technischen Probleme in den Rennen berücksichtigen, die jedes Mal ein massives Handicap waren, fahre ich mindestens auf dem gleichen Niveau."
Dass er es kann, hat Fisichella in Malaysia mit seinem Sieg bewiesen - unter dem Einfluss des tragischen Verlusts eines engen Jugendfreundes wuchs er über sich hinaus und konnte an diesem Wochenende auch von einem Alonso nicht bezwungen werden. Zwar war die Freude über den Sieg getrübt, doch zugleich kehrte jene Zuversicht zurück, die er für die Umsetzung seines Saison- und Lebensziels benötigt: "Ich will Rennen gewinnen, wenn möglich in jedem Rennen punkten und am Ende Weltmeister werden." Der WM-Titel sei "das wichtigste Ziel in meinem Leben und der absolut größte Traum, für den ich bisher so extrem hart gearbeitet habe", sagt Fisichella.

Dass Alonso bereits zwei Rennen für sich entscheiden und gleich wieder die WM-Führung übernehmen konnte, würde dem Spanier keinen Pluspunkt im Team einbringen, ist Fisichella überzeugt: "Überhaupt nicht. Der Zweikampf ist komplett offen. Jeder von uns hat ein absolut konkurrenzfähiges Auto. Renault hat die Kapazitäten, beide Autos auf demselben Niveau vorzubereiten und einzusetzen. Das bedeutet absolute Chancengleichheit für uns." Weder Alonso's Titel, noch dessen Weggang zu McLaren-Mercedes hätten einen Einfluss auf das Team, schwört Fisichella.
Schicksalsjahr
"Das Tun kommt aus dem Sein allein", sang Falco. Der Glaube an die eigenen Fähigkeiten blieb Giancarlo Fisichella bislang erhalten. Doch auch er weiß: Ein weiteres Jahr im Schatten des Alonso würde seinen Marktwert empfindlich schmälern. Es wartet nicht nur ein Heikki Kovalainen auf seine verdiente Chance. Der Titelgewinn, den Fisichella sich selbst abverlangt, stellt für ihn "eine Frage der Qualität meiner Leistung" dar.
"Wenn zum Beispiel der Titel erst im letzten Rennen zu meinen Ungunsten entschieden würde, wäre das nicht so schlimm, weil ich mit meiner Gesamtleistung sicherlich zufrieden sein könnte", sagt Fisichella. Und: "Wenn er jedoch durch eine Saison wie im letzten Jahr, in der ich soviel Pech mit meinem Auto hatte, verloren ginge, wäre das sehr bitter." Die bitterste aller Möglichkeiten, dass Fisichella vom Pech verschont bleiben und dennoch gegen Alonso verlieren könnte, existiert für den nicht mehr ganz so jungen Römer nicht. Ganz nach dem Motto: "Vergesst das Morgen..."

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