McLaren-Tester Pedro de la Rosa ist mittlerweile auch schon eine ganze Weile im Formel 1-Geschäft zuhause. Der Spanier sprach im Rahmen der in der vergangenen Woche abgehaltenen Testfahrten in Barcelona den anwesenden Journalisten nur ein Häuflein an unaufgeregten Sätzen ins aufgeregte Diktiergerät - doch diese wenigen Sätze bringen die aktuelle Situation in der Formel 1 auf den Punkt.

Und so sprach De la Rosa: "Die Weltmeisterschaft war bislang ein zu leichtes Spiel für Renault. Sie sind der Konkurrenz einen Schritt voraus." Tatsächlich konnten die Franzosen die drei Überseerennen der noch jungen Saison gewinnen, und das mit einer relativen Leichtigkeit. Renault war bislang nicht nur stets um einen kleinen aber entscheidenden Tick schneller unterwegs - man musste zudem nicht sonderlich ans Limit gehen, was auch die Ankunftsrate von fünf Zielankünften bei einem Ausfall unterstreicht.

Während viele Experten in diesem Jahr eine "breite Spitze" mit vielen Sieganwärtern und mindestens drei Titelkandidaten erwartet hatten, schien es bislang eher so, als ob die Achse Alonso - Renault noch stärker wurde. Immerhin gab es trotz Renault-Dominanz durchaus spannende Rennen mit vielen schönen Überholmanövern zu beobachten. Die Tabelle jedoch wird von den Franzosen beherrscht wie früher von Michael Schumacher und Ferrari: Renault liegt in der Konstrukteurswertung einsam mit 42 Punkten in Führung, dahinter liegen McLaren mit 23 und Ferrari mit 15 Zählern. Auch in der Fahrer-WM hat Alonso mit 28 Zählern bereits doppelt so viele Punkte wie seine Verfolger Giancarlo Fisichella und Kimi Räikkönen auf dem Konto stehen. Selbst wenn Alonso dort gar keine Punkte holen sollte, wird er Imola als WM-Leader verlassen.

Fruchten die Verbesserungen?

Pedro de la Rosa erwartet sich jedoch einiges von den in der letzten Testwoche erzielten Verbesserungen: "Renault sollte sich besser nicht ablenken lassen, denn wir haben für Imola, den Nürburgring und den Spanien-GP einige Verbesserungen im Köcher." Auf die in Montmelo erzielten Fortschritte hofft auch die Scuderia Ferrari. Allerdings mussten die Renault--Jäger am letzten Testtag eine schallende Ohrfeige einstecken, als Renault-Testpilot Heikki Kovalainen die mit Abstand schnellste mit einem Boliden der Generation 2006 gefahrene Rundenzeit in den Asphalt brannte. Bleibt also alles beim Alten? Wird Renault die Siegesserie fortsetzen?

"Das Wichtigste wird sein, dass Renault in den kommenden drei oder vier Rennen nicht stärker werden darf - denn ansonsten wird das Gleiche passieren wie im Vorjahr. Und dann dürfte es sehr hart werden", warnt De la Rosa. Die kommenden Rennen stellen eine Vorentscheidung dar: Schafft es in den nächsten Wochen keiner der Renault-Jäger, das Blatt zu wenden, werden Alonso und Renault wieder Weltmeister.