Die Formel 1 ist langweilig - und Formel 1 Piloten sind noch langweiliger. Sie haben keine eigene Meinung, sprechen nur in PR-Worthülsen und stehen komplett unter der Fuchtel ihrer Kommunikationschefs und Marketingberater. Wer interessante, eigenständige und unzensierte Aussagen möchte, der muss sie sich woanders suchen. Von Humor ganz zu schweigen. Der Paddock ist steril und klinisch sauber, einen Keller zum Lachen gibt es nicht.

So weit die allgemeine Meinung. Das Vorurteil. Das Klischee. Aber jede These hat ihre Antithese. Ein Gegenargument. Contra. Das ultimative Gegenbeispiel. Unseres fanden wir statt im Keller, auf dem Dach der F1-Welt.

Fünfeinhalb Minuten

Und nochmal bitte... Diesmal aber bitte nicht lächeln., Foto: adrivo Sportpresse
Und nochmal bitte... Diesmal aber bitte nicht lächeln., Foto: adrivo Sportpresse

Der Wind streift in kräftigen Böen über das Boxengassendach des Circuit de Catalunya. Uns gegenüber entfaltet sich die majestätische Haupttribüne und direkt davor lehnen BMW-Sauber Pilot Nick Heidfeld und sein Bruder und motorsport-magazin.com-Experte Sven Heidfeld mit dem Rücken am Geländer des Boxengassendachs.

Während die Kamera auf die Lichtverhältnisse eingestellt wird, ist nur das leise Brummen eines Motorrollers auf der Rennstrecke zu vernehmen. Im Stile eines TV-Producers durchschneidet Sven mit einem unübersehbaren Lächeln auf den Lippen das lustige Beisammensein: "Ein bisschen Ernsthaftigkeit meine Herren." Die Rolle des Premiere-Kommentators hat eindeutig Spuren hinterlassen. Kamera läuft. Action.

Ouuuuuuuuuuuhoooooo. Wie auf's Stichwort lassen in diesem Moment Nicks Mechaniker eine Etage unter uns den BMW-Achtzylinder an. Minutenlang heult der V8 immer wieder auf und taucht die abendliche Streckenatmosphäre in ein surreales Soundbild.

Bei unseren Interviews kommt man aus dem Lachen nicht heraus..., Foto: Sutton
Bei unseren Interviews kommt man aus dem Lachen nicht heraus..., Foto: Sutton

"Warum machen die das so lange?", kommt eine genervte Frage aus dem Hintergrund. "Die finden das Geräusch so geil", lacht Nick. Es sollte nicht das letzte Mal an diesem Abend sein, dass das fröhliche Gelächter auf dem Dach, den kernigen Motorensound in der Box überdecken sollte.

Kaum war der P86 verstummt, starten wir einen neuen Anlauf das Doppel-Interview in den Kasten zu bringen. Auch das sollte nicht der letzte sein...

"Sven, Du kommentierst...", weiter komme ich mit der Frage nicht. Dann entgegnet Sven schon: "Pass auf, sonst bekomme ich einen Lachkrampf." Also noch einmal von vorn. "Sven, ..." Ein breites Grinsen auf dem Gesicht des Gegenüber deutet bereits an, was da kommen sollte: Auch dieser Versuch endet vorzeitig mit Gelächter. Und so sollte es auch in den nächsten Minuten bleiben, in denen mindestens einer von uns Dreien in einen Lachkrampf verfiel.

Vielleicht klappt es ja mit einer anderen Fragestellung: "Die A1GP Serie hat einen guten Start hingelegt. Du kommentierst für Premiere alle Rennen..." "Ja." Gelächter. Irgendwie hat es nicht sollen sein.

Aber so schnell geben wir uns nicht geschlagen. Der nächste Geniestreich: Lassen wir einfach Nick anfangen: "Nick, was hältst Du von der A1GP-Serie?" "Ja."

Okay, das war auch nichts. Mein Rat an Sven: "Wir beginnen einfach ohne Frage, du weißt ja was ich wissen will." Und siehe da, es hätte beinahe funktioniert: "Ich halte von der A1-Serie sehr viel, weil der Zuschauer wieder Mittelpunkt steht." So weit, so lustig: Sven fängt urplötzlich an zu lachen. "Wieder?", hallt es aus dem Hintergrund. "Na so, wie es in der Formel 1 immer ist." Nur noch Gelächter.

Geschlagene fünfeinhalb Minuten verbringen wir allein mit der ersten Frage und verpulvern dabei schlappe 20 verschiedene Formulierungen dieser Eröffnungsfrage. So sehr diese lustige Runde an den Nerven und vor allem den Lachmuskeln zehrte, am Ende war es der Gesundheit sogar förderlich: Schließlich soll Lachen ja gesund sein. Und gelacht wurde an jenem von Motorensound begleiteten Abend auf dem Dach der F1-Welt sehr viel...