Sie glauben, dass jemand wie Rubens Barrichello an einem kalten Wintertag im Honda-Werk saß und dem Technikerstab all die süßen Geheimnisse der letzten Ferrari-Boliden offenbarte? Dann wird Sie Geoff Willis eines Besseren belehren - in der FIA-Pressekonferenz, in der Gluthitze von Sepang, erklärt der Honda-Technikdirektor: "Ein Fahrer kann oftmals erklären, wie sich das Auto anfühlt. Er kann auch beschreiben, wie es seiner Meinung nach funktioniert. Doch generell erzählen die Teams ihren Fahrern nicht sehr viel über die Autos - vor allem nicht jene Dinge, die für andere Teams von Interesse sein könnten."
Der Grand Prix-Freitag - während bei Tests bis zu 130 Runden am Tag abgespult werden, müssen die Piloten am Freitag froh sein, wenn sie insgesamt mehr als zehn Umläufe absolvieren dürfen. Könnte man dann nicht gleich einen Testtag aus dem GP-Freitag machen? Willis winkt ab - die Streckenkonditionen seien dafür einfach zu mangelhaft - weil die Strecken meist grün sind, es keinerlei Gummiabrieb gibt. "Das wäre keine sinnvoller Testtag", befindet Willis.

Für junge Fahrer wie Nico Rosberg ist es sicher nicht einfach, wenn man am Vormittag 0 (in Worten: Null) und am Nachmittag sechs Runden zur Verfügung hat, um sich an Strecke und Auto zu gewöhnen. Williams-Urgestein Patrick Head sagt dazu: "Nico hätte heute Nachmittag ein paar Runden mehr drehen sollen, aber wir hatten ein kleines Benzinproblem, das nicht hätte passieren dürfen. Er scheint jedoch recht glücklich zu sein mit der Strecke und er kennt diese ja auch. Er denkt nicht, dass er benachteiligt wird." Dass Williams-Cosworth die Stammfahrer derart wenige Runden abspulen ließ, hat schlicht und einfach mit der Angst um das Motorenleben zu tun. Head sagt: "Ich habe meine Zweifel daran, dass irgendjemand ausreichend Rennsimulationen abhalten konnte, um hundertprozentig sagen zu können, wo man in punkto Lebensdauer steht."
Motor-Sorgen haben sich auch beim neuen BMW Sauber-Team eingestellt - schließlich verabschiedete sich der V8-Motor von Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve in Bahrain mit einer riesigen Rauchwolke. Muss jetzt Nick Heidfeld um seinen Motor bangen? BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen relativiert: "Es stimmt natürlich, dass der Motor von Nick Heidfeld die gleichen Spezifikationen aufweist wie jener von Villeneuve. Andererseits ist diese Art von Fehler bei den Tests kein einziges Mal passiert. Bislang können wir also nur annehmen, dass es sich um einen einzigen fehlerhaften Bauteil handelte und daher sehen wir keinen Grund, den Motor von Nick zu wechseln."

Während BMW Sauber Achtungserfolge zeigt, war die Performance von Budgetriese Toyota bislang enttäuschend. Präsident John Howett gibt das auch offen zu: "Es ist klar, dass wir nicht dort stehen, wo wir sein müssen, um konkurrenzfähig zu sein." Woran liegt es? Howett: "Ich denke, es geht um die Art und Weise, wie das Chassis mit den Reifen zusammenspielt." Zudem würde Toyota in diesem Jahr der dritte Fahrer fehlen, gesteht Howett ein. Wie ernst das Problem sein dürfte, erkennt man daran, dass Technikchef Mike Gascoyne zurück ins Kölner Werk flog. Doch Howett erklärt: "Das war keine spontane Aktion, er wollte nur in der Fabrik den Druck aufrecht erhalten - aber er ist ab morgen wieder hier in Sepang."
Im Rahmen der Pressekonferenz wurde auch das Thema Standard-ECU thematisiert - Mario Theissenn nahm eine für einen Automobilhersteller erfreuliche Position ein. Zwar habe man prinzipiell Interesse, eine solche Elektronik individuell herzustellen, doch weil das ursprüngliche Ziel der FIA auch lauten würde, über die Standard-ECU elektronische Fahrhilfen auszuschließen, befürworte man ein solches Vorgehen. "Wir wollen die besten Fahrer auf der Strecke sehen", sagte Theissen - und sprach damit vielen Formel 1-Freunden aus der Seele.

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