Eine Minute, acht Sekunden und 540 Tausendstel. Das ist für eine F1-Rundenzeit nicht viel. Entsprechend groß waren die Augen der Konkurrenz, als Anthony Davidson am letzten Testtag der Winterpause 2006 in Valencia eben jene 1:08.540 in den spanischen Asphalt brannte und damit den V10-Rundenrekord von Kimi Räikkönen pulverisierte.
Die große Frage lautet nun: Ist Honda wirklich so schnell oder waren das die berüchtigten Vorstandsrunden beim letzten Test vor dem Saisonbeginn, noch dazu als der Hauptkonkurrenten Renault bereits abgereist war?
"Für mich sind diese Zeiten echt", ist Christian Danner überzeugt. "Honda ist wirklich schnell, wenn auch im Longrun nicht ganz so gut wie Renault."
Und auch Gerhard Berger zeigte sich im Expertengespräch mit den Kollegen der Motorsport aktuell davon überzeugt, dass diese Spitzenzeiten "ein Warnschuss" für die Konkurrenz waren. "Wir wissen aus der Vergangenheit, was passiert, wenn die Japaner mit Geduld, Ausdauer und irrer Power an eine Aufgabe herangehen und Boden unter den Füßen kriegen", sagt er. "Andererseits haben sie im Winter immer mit besonderen Leistungen aufhorchen lassen, die im Sommer nicht mehr da waren."
Damit stößt er ins gleiche Horn wie motorsport-magazin.com-Epxerte Sven Heidfeld. Dieser beäugt die Honda-Testzeiten noch immer mit großer Skepsis. "Honda gehört zum Favoritenkreis", so Sven, "allerdings ist es bei den Japanern immer fraglich, ob sie ihre Testzeiten auch unter Rennbedingungen umsetzen können." Schließlich sei Honda auch vor der katastrophalen Saison 2005 in Barcelona schnell unterwegs gewesen.
Niki Lauda hat dazu nur eines zu sagen: "Es ist immer besser, wenn man bei Tests vorne liegt, als drei Sekunden Rückstand zu haben." Für Marc Surer zählt Honda zu den "heißen Sieganwärtern" in Bahrain. "Geheimfavorit kann ich schlecht sagen, denn nach den guten Testzeiten ist von geheim wenig übrig."
Trotz des Lobes für Honda ist sich Lauda sicher: "Für mich liegt Renault vor Honda, dann kommt McLaren-Mercedes. Nur: Erst die Grand Prix werden beweisen, wer wirklich schnell und standfest ist."
Christian Danner hat seine Einschätzung hingegen schon getroffen: "Renault konnte bei jedem Test Bestzeit fahren, mit jedem Auto, auf jeder Strecke und mit jedem Fahrer, also auch mit Giancarlo Fisichella und Heikki Kovalainen. Wenn das kein Anzeichen für ein vortreffliches Lösen der Hausaufgaben ist, dann gibt es keines."



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