Liebe motorsport-magazin.com Leserinnen und Leser,

Während die Formel-1-Teams in den letzten Wochen ihre Fahrzeuge auf die neue Saison vorbereiteten, habe ich viel für mein Formel-3-Team gearbeitet. Und ich muss sagen, dass die Vorbereitung wirklich gut gelaufen ist. Wenn Sie am Dienstag diese Kolumne lesen, befinde ich mich mit meinem Team in Estoril, wo wir erstmals mit dem Mercedes-Motor testen werden.

Dagegen haben wir noch keinen zweiten Fahrer gefunden. Es wäre toll einen zweiten, schnellen Fahrer zu finden, doch sollte das nicht der Fall sein, wäre es nicht weiter tragisch. Die Bedingungen sind die gleichen, wie bei den anderen Teams: Ein Fahrer muss Sponsorengelder mitbringen. Es ist schwierig für ein Formel-3-Team einen Hauptsponsor zu finden und deshalb muss ein Fahrer ein Budget mitbringen.

Was die Champ Car Serie betrifft, so ist es dieses Jahr noch schwieriger geworden ein Cockpit zu finden, als letztes Jahr. Die Budgets sind bei den meisten Teams höher als 2005 und daher hat sich die ganze Situation nicht vereinfacht. Wenn sich eine gute Möglichkeit ergeben sollte, werde ich sicherlich versuchen sie zu nutzen und vielleicht während der Saison einsteigen.

Leider geht alles über das Geld. Schauen wir uns doch mal Timo Glock an: Er wechselt von der Champ Car Serie in die GP2. Dabei ist er ein sehr guter Fahrer, hat eine starke erste Saison in den USA hingelegt und einen großen Sponsor im Hintergrund. Aber er fährt GP2 und nicht Champ Car, was nicht logisch ist. Es ist nicht einfach Sponsoren zu finden und das ist im Grunde genommen schon traurig.

Ein weiteres Beispiel: Stefan Everts ist neun Mal Motocross-Weltmeister geworden. Also zweimal mehr als Michael Schumacher in der Formel 1. Bisher hatte er immer einen Zigarettensponsor, doch der hat sich zurückgezogen und im Moment hat er noch keinen Sponsor gefunden!

Deshalb schaue ich mich auch nach Alternativen um, etwa in den Prototypen-Serien. Goldenpalace.com bleibt weiterhin mein Partner. Die Suche nach belgischen Sponsoren habe ich abgehakt. In meiner gesamten Rennsportkarriere kamen 90 Prozent der Sponsoren aus dem Ausland.

In Belgien geht viel schief

Stichwort Belgien: Ich finde es sehr schade, dass es wieder ein Problem mit dem F1-GP gibt und dieser 2006 nicht stattfindet. Vielleicht findet er nächstes Jahr statt, aber das ist auch nicht sicher. Die Gründe liegen bei der schlechten Organisation und einer schlechten Struktur. Es ist sehr schade, dass es wieder Belgien trifft.

Als ich am Sonntag mit dem Auto unterwegs war und dabei die Sportergebnisse im Radio hörte, wurde über den Cross Cup der Frauen berichtet. Unsere beste Frau war immer ein Profi und wurde vom Verband unterstützt. Doch seit 2006 ist das nicht mehr so. Sie ist etwas älter und ist nur noch Amateur, muss arbeiten gehen und trainiert weniger. Dennoch hat sie den Lauf gewonnen und möchte noch weitere Erfolge verzeichnen! Das ist auch wieder so ein Beispiel, dass in Belgien vieles schief geht, was die Organisation betrifft. Der flämische Sportminister hat darüber hinaus keine Ahnung vom Sport.

Kommen wir zur Formel 1: Es ist dieses Jahr schwieriger eine Vorhersage zu treffen, als letztes Jahr. Ich sehe in den ersten Rennen Renault vorne. McLaren hat sich trotz der Probleme nicht schlecht geschlagen und ich glaube, dass sie noch nicht alles gezeigt haben. Im Allgemeinen blühen sie auf, sobald es auf die Rennwochenenden zugeht und bisher spielten sie gerne die Rolle des Underdogs.

Toro Rosso mit Vorteil

Ferrari ist in meinen Augen stärker als 2005 und von daher werden wir einen tollen Wettkampf sehen. Bei Honda sind die Erwartungen sehr hoch, aber es wird nicht einfach für Honda und Button werden, das erste Rennen zu gewinnen. Ich denke, dass viele Teams ihre Karten noch nicht auf den Tisch gelegt haben.

Das sehe ich auch bei Toro Rosso so. Mit dem 3 Liter V10 haben sie auf jeden Fall einen Vorteil, was das Drehmoment betrifft. Okay, sie fahren mit einem Luftmengenbegrenzer, aber das Drehmoment ist auf sehr vielen Strecken wichtig, um schnell aus den Kurven herausbeschleunigen zu können. Letztes Jahr wurde Minardi der Einsatz der V10 für 2006 gestattet, weil sie wenig Geld hatten und kaum Tests bestritten haben. Jetzt steckt aber Red Bull dahinter: Sie haben viel getestet, darunter in Bahrain, Imola, Barcelona und erhalten Hilfe vom Red Bull Team. Ich kann verstehen, dass die anderen Teams nervös sind.

Dagegen ist bei BMW noch viel Arbeit nötig, um nach vorne zu kommen. Es ist nie einfach von ganz vorne zu starten und deshalb glaube ich, dass sie in den ersten sechs Rennen nicht auf das Podest fahren werden. Natürlich gibt es auch verrückte GP in denen vieles passiert, aber unter normalen Umständen ist das nicht so einfach. Sauber war letztes Jahr auf manchen Strecken nicht so stark und der BMW-Motor ist eine Verbesserung, aber es handelt sich um ein neues Team, eine neue Struktur und das braucht einfach Zeit.

Super Aguri braucht eine gute Versicherung

Bei Super Aguri stelle ich mir auch ein paar Fragen. Ihre Basis ist ein altes Fahrzeug, in das der Honda-Motor eingebaut wurde. Als Fahrer haben sie Sato und Ide verpflichtet. Ich hoffe, dass sie eine gute Versicherung abgeschlossen haben, denn Sato hatte es in den letzten Jahren nicht einfach, sein Auto auf der Strecke zu halten. Es wäre toll, wenn sie nicht immer Letzter werden würden, aber ich glaube, dass wir dort ein neues Minardi-Team haben.

An den neuen Fahrzeugen ist mir insbesondere ein schmales Heck aufgefallen, was auf die kleineren Motoren zurückzuführen ist. Dazu gehen die Sidepods schnell weg. Das könnte zu einem Problem für die Sponsoren werden. Weniger Sponsoren heißt auch weniger Geld. Grundsätzlich versucht die FIA die Kosten zu senken und angestrebt ist ein Budget pro Team von 70 Millionen Dollar. Jetzt sind es rund 300 Millionen. Dagegen hatte Minardi letztes Jahr zwischen 25 und 30 Millionen. Es ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, nur leider noch nicht für morgen.