In 30 Tagen beginnt die Formel 1 Saison 2006. Doch obwohl die Teams so viele Testkilometer wie noch nie in den südspanischen Asphalt gebrannt haben, scheint die Rangordnung unter den elf Rennställen noch lange nicht klar zu sein.

"Renault ist zurzeit sicher das stärkste Auto, aber wir und Honda sind nicht sehr weit davon entfernt", versuchte Michael Schumacher vor kurzem die aktuelle Testlage zusammenzufassen.

Sein WM-Nachfolger Fernando Alonso gab den Ball postwendend zurück: "Wenn Ferrari das Potenzial der Wintertests auch beim Saisonstart abrufen kann, dann werde ich sicherlich in den Zeitenlisten als erstes nach Michaels Namen suchen."

Aber Alonso hat nicht nur den Ex-Champion auf der Rechnung. "Wenn die WM morgen beginnen würde, dann wären wir die Favoriten", sagte er einem spanischen Radiosender. "Aber es ist noch ein Monat bis zum Saisonstart und unsere Gegner können das noch aufholen."

Alonso denkt insbesondere an die Japaner von Honda. "Sie sind auf jeder Strecke schnell und im Fahrerlager glaubt jeder, dass sie den stärksten Motor besitzen." Den Renault-V8 stuft Alonso hinter dem Honda-Triebwerk und auch dem Ferrari-Achtzylinder ein. "Das ist einer der Bereiche, auf denen wir uns noch verbessern müssen."

Bei Honda teilt man diese Meinung jedoch nicht. Im Gegenteil: Die Japaner sehen das Cosworth-Aggregat als den besten Motor an und sagen ihrerseits, dass sie sich auf der Motorenseite noch verbessern müssen, wenn sie Renault schlagen möchten. "Cosworth hat gute Arbeit geleistet und wir liegen hinter ihnen", gestand Honda-Motorenchef Shuhei Nakamoto ein. "Wir müssen bessere Motoren bauen, als wir sie momentan haben."

Eines dürfte aber auf alle Fälle klar sein: "In diesem Jahr wird es an der Spitze viel enger zugehen als im letzten", ist sich Alonso sicher. "Alles ist offen und die WM wird viel Spaß machen."

Doch während Alonso jeweils beide Honda-, Ferrari- und Renault-Fahrer zu den "Favoriten" der ersten Saisonrennen zählt, fehlen in seiner Auflistung seine Hauptkonkurrenten von 2005. Ganz im McLaren-Stil sind die Übergangs-Orangen jedoch davon überzeugt, dass auch sie in diesem Jahr in den Titelkampf eingreifen können.

"Wir werden uns noch vor Saisonbeginn steigern", weiß Norbert Haug um die Probleme mit dem MP4-21 und dessen Mercedes-V8. "Wir wollen und wollten nie etwas anderes (als Weltmeister zu werden) und dabei kamen in den letzten acht Jahren drei Weltmeistertitel bei Fahrern und Konstrukteuren heraus und acht Vize-Weltmeister in beiden Disziplinen." Das Ziel für 2006 kann also nur der Titelgewinn sein. Der letzte WM-Titel liegt allerdings schon eine Weile zurück: Im letzten Jahrtausend wurde Mika Häkkinen 1999 der bislang letzte silberne F1-Weltmeister.