Im Regen geht es in der Formel 1 immer noch mehr um das wirkliche Können, und gute Fahrer können schlechte Autos überstrahlen. Das bestätigte sich im Qualifying von Brasilien einmal mehr. Gleich fünf Mittelfeld-Piloten schafften es in Q3, zwei davon in die zweite Startreihe, und einer davon hätte wohl sogar von mehr träumen dürfen.
Angeführt wird diese Gruppe vom seit Wochen auf höchstem Niveau performenden Liam Lawson. Sein fünfter Platz wird dank mehrerer Motorstrafen vor ihm in der Startaufstellung zu einem dritten werden: "Ja, aber ich wollte mich auf P3 auch qualifizieren, nicht auf P5! Immer noch ein guter Platz, aber du willst es als Fahrer maximieren."
Das meint Lawson nämlich in Q3 nicht geschafft zu haben. Davor hatte der Racing Bull in Q2 auf dem Intermediate hervorragend funktioniert, Lawson war nur drei Zehntel hinter George Russell Zweiter geworden. In Q3 schien er erneut brandgefährlich. Auf seiner zweiten Runde war er bis Kurve fünf auf Augenhöhe mit Kimi Antonelli unterwegs.
Hätte er da mithalten können, so würde Lawson womöglich vom zweiten Platz losfahren. Doch er brach die Runde ab, weil er zu dicht auf Fernando Alonso auflief: "Leider habe ich keine ausreichend große Lücke geschaffen. Das war mein Fehler." Ab der dritten Q3-Runde war der Regen zu stark, niemand konnte sich mehr verbessern.
Business as usual für Regenkönner Nico Hülkenberg - Oliver Bearman rehabilitiert
Trotzdem kann sich Lawsons beste Q3-Runde sehen lassen. Zwei Zehntel nur fehlten ihm auf Weltmeister Antonelli. Lawson bezwang auch Audi-Pilot Nico Hülkenberg, der in beiden vorangegangenen Segmenten unter den Top-5 gewesen war. "Ich hatte ab der ersten Runde ein gutes Gefühl im Auto", berichtet Hülkenberg. Mehr von ihm gibt es hier:
Die Racing Bulls und Audi sind wenigstens sonst regelmäßige Q3-Anwärter. Das kann man von den drei verbleibenden Fahrern nicht sagen. Oliver Bearman startet erst zum dritten Mal 2026 aus den Top-10, und Startplatz 6 ist das bei weitem beste Resultat: "Es war das beste Qualifying des Jahres! Natürlich nicht dank der Auto-Performance, aber mit meinem Job bin ich happy."
"Ich habe definitive aus meinem ersten Rennen hier gelernt", stellt Bearman da fest. 2024 hatte er als Ersatzmann für Kevin Magnussen bei Haas damals ein unerwartetes Brasilien-Debüt in einer ähnlich brutalen Regenschlacht gegeben und war mit Drehern, Unfällen und Kollisionen untergegangen. Jetzt, 43 Grands Prix später, weiß er dafür, was er im Regen in einem F1-Auto zu tun hat.
Enttäuschter Fernando Alonso erlöst Aston Martin mit erstem Q3 2026
Noch größere Wunder vollbrachten hinter ihm aber der von Platz 8 startende Fernando Alonso und er von Platz 9 startende Alex Albon. Dass ein Aston Martin und ein Williams es im Trockenen in ein Q3 schaffen könnten, schien an den letzten Wochenenden utopisch. Für beide Teams ist es der erste Top-10-Start der Saison.
Für Aston Martin ist es überhaupt der erste Q3-Einzug. "Das war kein Spaß, das waren schwierige Bedingungen, da war der Fokus heute sehr hoch", meint Alonso. "Unbekannte Bedingungen für alle, nachdem wir die diesjährigen Autos kaum im Nassen gefahren sind. Da haben alle etwas experimentiert."
Dabei ist Alonso im Sky-UK-Interview gar nicht so glücklich mit seiner Q3-Umsetzung: "Ich war der erste an der Ampel, und dachte, so könnten wir P4 oder P5 holen, wenn der Regen wieder kommt, aber er war nicht so stark wie gedacht und es gingen sich zwei gezeitete Runden aus. Und der zweite Punkt: Ich habe Q3 überhaupt nicht optimiert. Auf der ersten Runde waren die Reifen eiskalt, kein Grip, und dann habe ich in der ersten Runde mein ganzes Deployment genutzt. Dann war ich im Niemandsland. Erste Runde, Reifen nicht bereit, zweite Runde, Deployment nicht bereit. Ich muss davon lernen."
"Das eröffnet uns neue Chancen", schielt Alonso trotzdem optimistisch auf das Rennen. Anders als Racing Bulls, Audi und vielleicht Haas muss es bei Aston Martin aber am Sonntag weiterregnen: "Dann haben wir vielleicht eine Chance auf Punkte. Sonst geht es für uns zurück auf unseren angestammten Platz. FP3 war im Trockenen etwas enttäuschend, wir müssen die Füße am Boden behalten."
Alex Albon spielt ungewollt in Pole-Showdown mit hinein
Dasselbe gilt für Alex Albon. Immerhin ist es für Williams nicht das erste Q3, zuletzt hatte es Carlos Sainz in Baku ins dritte Segment geschafft, ehe er seinen Startplatz wegen einer Strafe wieder verloren hatte. Für Punkte ist mehr Regen aber auch hier essenziell. "In einer normalen, trockenen Session hättet ihr das nicht gesehen, was ihr heute gesehen habt", weiß Albon. "Die Strecke war so langsam, dass der mechanische Grip ein größerer Faktor wird."
"Wir hatten ein gutes Auto, ein weiches Auto, das hat vielleicht den Unterschied gemacht, um ans Limit zu pushen", meint Albon. Q3 endete leider etwas enttäuschend: "Als Team tun wir uns richtig schwer, die Reifen ins Fenster zu bringen. Wenn du an der Boxenampel anstehst, zerstört das die Reifentemperatur, und sie zurückzubekommen ist sehr schwierig."
"Auf der ersten Push-Runde war es okay, aber die Reifen waren nicht bereit, und auf der zweiten wurde der Regen schlimmer, ich habe keine Ahnung, wie sich die Leute da verbessert haben, aber ich habe den Grip wieder verloren", ärgert sich Albon. Seine langsame zweite Runde spielte aber da noch in die Spitzen-Entscheidung hinein, da sie George Russell und Mercedes hinter ihm bewog, ihren zweiten Versuch abzubrechen. Russell macht daran den verlorenen ersten Platz fest. Mehr dazu hier:



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