Das war ein Freitag zum Vergessen für Audi. Die ersten zwei Trainings in Mexiko enden gleich mit mehreren Fehlgriffen, die vor allem auch gegen das Sportliche Reglement der Formel 1 verstießen. Audi beendet den Tag 12.500 Euro ärmer, ohne ein einziges Top-10-Ergebnis, und mit viel zu wenigen Runden sowohl für Rookie-Gaststarter Freddie Slater als auch für Stammfahrer Gabriel Bortoleto.
Es war Bortoletos Garagenseite, die den ganzen Tag die größten Probleme machte. In FP1 musste Bortoleto eben zusehen, während der 18-jährige Formel-3-Vizemeister und Audi-Junior Slater zum ersten Mal in seiner Karriere ein F1-Auto pilotieren durfte. Leider bekam Slater nicht die erhofften 60 Minuten, denn schnell begannen Dinge schiefzugehen.
Beim Verlassen der Box wurde einer der externen Kühler vergessen, die in der Garage am stehenden Auto auf den Seitenkästen montiert werden. Slater kam zwar gleich wieder an die Box, der Kühler wurde entfernt, aber kurz darauf musste er in die Garage geschoben werden. Diese externen Kühler sind nämlich nur für stehende Autos gedacht. Draußen auf der Strecke braucht das Auto Fahrtwind, keinen Klotz im Lufteinlass.
Kühler-Fauxpas in Mexiko wird für Audi teuer
"Er musste warten, bis sich alles abgekühlt hat, ehe er wieder rausfahren konnte", erklärt Audi-Rennleiter Allan McNish. Slaters erster F1-Tag endete mit nur 14 Runden - die Hälfte von dem, was man in 60 Minuten in Mexiko schaffen sollte. Wenigstens darf er in einer Woche in Brasilien erneut ins Auto. Die Kühler-Episode hatte indessen ein Nachspiel für das Team.
Diese externen Kühler werden wie gesagt nur aufgesteckt, und fährt man damit auf die Strecke, ist die Gefahr groß, dass sie sofort abfallen. So geschehen etwa dieses Jahr bei Kimi Antonelli im Qualifying von Australien. Das mag bei Slater zwar nicht passiert sein, aber die Gefahr war unweigerlich da, urteilen die FIA-Stewards in einer danach eingeleiteten Ermittlung. Das Losschicken des Autos in einem unsicheren Zustand kostet Audi die ersten 7.500 Euro.
Die ersten, weil es im 2. Training sehr schnell weiteren Ärger geben sollte. Wieder war es die gleiche Seite der Garage, wo nun eigentlich Gabriel Bortoleto wieder das Auto von Slater übernehmen sollte. Doch kurz vor der Session entdeckte das Team nicht näher definierte technische Probleme. Hektische Reparaturen hoben an. Dabei verstieß das Team gleich zweimal gegen den Anti-Sichtschutz-Paragrafen des Sportlichen Reglements.
Audi versteckt Teile bei Gabriel Bortoleto: Nächste Strafe
Schon seit Jahren ist in der Formel 1 nämlich jegliche Art von Sichtschutz an Rennwochenenden verboten. Das Auto, seine einzelnen Komponenten und Garage müssen bis auf sehr spezifische Ausnahmen immer von allen frei einsehbar sein. Deshalb bilden Mechaniker oft diese menschlichen Mauern - weil sie keine echten Mauern aufstellen dürfen. Audi verstieß gleich doppelt dagegen. Zuerst einmal schirmten Mechaniker mit einer Plane den Bereich rund um die Batterie des Hybrid-Systems ab, während unterhalb gearbeitet wurde.
Weiters wurde der Unterboden getauscht, der neue Unterboden aber verhüllt in die Garage getragen. Audi versuchte sich in der prompt nach dem 2. Training angesetzten Stewards-Anhörung zu rechtfertigen: Die beiden Garagen des Teams sind durch eine dritte Garage getrennt, in der sich externes Personal aufhielt. Der Unterboden musste also durch einen für Dritte einsehbaren Bereich getragen werden.
Solchen Ausnahmen räumt der relevante Paragraf B3.3 des Sportlichen Reglements jedoch keinen Platz ein. Das kostet das Team infolgedessen weitere 5.000 Euro - um 12.500 Euro ärmer beendet Audi den Tag. Immerhin bekam man Bortoletos Auto fahrbereit, aber mit nur 12 Runden war für ihn kaum mehr als eine vage Standort-Bestimmung möglich.
"Es war wichtig, ihn ins Auto zu bekommen", hebt Allan McNish hervor. "Auch wenn du hier schnell auf Touren kommst, hat diese Strecke ein bestimmtes Gefühl, und du musst das Auto nicht nur fahren, sondern auch spüren. Also beendete er den Tag zumindest mit einem Gefühl, was er für morgen erwarten kann."
Nico Hülkenberg fährt auch ohne Probleme F1-Rivalen hinterher
Teamkollege Nico Hülkenberg absolvierte zumindest einen technisch problemlosen und straffreien Tag. Mit den Plätzen 13 und 15 in den beiden Trainings waren die Ergebnisse jedoch nicht berauschend: "Sieht so aus, als hätten wir mehr Probleme als üblich aufseiten der Balance, das müssen wir verstehen."
Es handelt sich laut Hülkenberg dabei explizit um die Balance auf Chassis-Seite, nicht um Probleme mit der Fahrbarkeit von Motor und insbesondere Turbo. Die Hoffnung, es für das Qualifying verbessern zu können, ist also da: "Es war schwierig, aber wenn ich mir den Rest des Mittelfeldes anschaue, dann fühlte es sich weit weg an, ist es aber nicht, wenn wir ein paar Dinge korrigieren."
Niedrige Grip-Bedingungen machten nämlich allen zu schaffen, und kaum ein Fahrer konnte am Freitagabend ein wirklich gutes Gefühl vermelden. Hülkenberg aber fehlten im 2. Training sechs Zehntel auf den das Mittelfeld anführenden Racing Bull von Arvid Lindblad. Diese Lücke zu überbrücken, ist eine ordentliche Aufgabe.



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