Valtteri Bottas ist bei Cadillac angezählt. Inzwischen macht sogar das Formel-1-Team aus den USA keinen Hehl mehr daraus, dass der Startplatz des Finnen für die kommende Saison trotz gültigen Vertrages nicht sicher ist. Doch es ist genauso unklar, wer denn eine etwaige Nachfolge antreten könnte.
So soll Cadillac-Youngster Colton Herta einer der Anwärter auf das Cockpit sein. Der ehemalige IndyCar-Star, der in diesem Jahr extra für eine potenzielle F1-Chance den Gang ins Unterhaus der Königsklasse wagte, nahm in Mexiko schon zum fünften Mal in dieser F1-Saison an einer FP1-Session teil. Im Glauben, dass er damit endlich seine Superlizenz einstreichen würde.
Colton Herta von Superlizenz-Drama auf dem falschen Fuß erwischt
Doch wie die FIA bestätigte, steht er nach dem Trainingstag in Mexiko-City nach wie vor ohne einen F1-Führerschein da, und das, obwohl im FP1 selbst alles nach Plan lief. "Mein Wissensstand war, wenn ich hier 100 Kilometer fahren würde, dann würde ich die 40 Punkte haben. Ich bin mir nicht sicher, was sich geändert hat", zeigte sich Herta verwirrt.
Der Hintergrund: Um eine Starterlaubnis in Form der Superlizenz für die Formel 1 zu erhalten, muss ein Fahrer 40 Superlizenz-Zähler auf seinem Konto haben. Diese gibt es gemäß einer Tabelle im entsprechenden Anhang des internationalen Sportkodex für Ergebnisse in verschiedensten Meisterschaften und sie verfallen grundsätzlich nach drei Jahren. Es gibt aber auch je einen Zusatz-Zähler pro Teilnahme an einem F1-Training, vorausgesetzt der Fahrer legt mindestens 100 Kilometer zurück, ohne dabei Strafpunkte zu sammeln.
Von diesen FP1-Punkten sammelte Herta mit Mexiko nun vier Stück – in Monza legte er nach einem Defekt zu wenig Distanz zurück. Doch es gab Verwirrung um die Anzahl an Punkten, welche Herta aus seiner IndyCar-Zeit mitnimmt. 2023 sammelte er als Meisterschafts-Zehnter einen Punkt, 2024 wurde der US-Amerikaner Vizemeister hinter Alex Palou, was mit 30 Punkten belohnt wurde. 2025 landete er auf P7 in der Meisterschaft, das entspricht vier SL-Punkten. Ergibt mit den F1-Trainings 39 Zähler.
Das Problem an der Sache: Auf der offiziellen IndyCar-Webseite wurde Herta bis vor wenigen Tagen als Sechster der Meisterschaft 2025 gelistet, die er punktegleich mit Felix Rosenqvist beendet hatte. Das hätte ihm sechs SL-Punkte eingebracht und damit über die magische Grenze befördert. Ein Fehler, denn der Schwede hatte mit einem zweiten Platz das bessere Einzelergebnis für sich verbucht und lag demnach zweifelsohne vorne.
Die IndyCar bestätigte, dass es eine Anomalie auf der Webseite gegeben habe und man deshalb in dieser Woche den Stand korrigierte. Im offiziellen Ergebnis-Dokument des IndyCar-Saisonfinales 2025 war der Meisterschafts-Endstand übrigens korrekt angegeben. Cadillac hatte sich aber offenbar auf die Webseite verlassen und hatte zudem geglaubt, dass der Punkt aus der Saison 2023 nicht mehr in die Wertung eingeht – ansonsten hätte Herta nach ihrer Rechnung schon vor einer Woche in Austin nach dem ersten Training die Superlizenz für sich verbucht.
IndyCar Tabelle: IndyCar Punktestand 2025
Das Problem sollte sich aber schnell lösen lassen, indem Cadillac ihn bei einem der vier verbleibenden Grands Prix nochmal in FP1 einsetzt. Es steht kein Sprint mehr auf dem Programm und abgesehen von Las Vegas finden auch alle Rennwochenenden auf klassischen Rennstrecken statt. Es gibt mit Brasilien, Katar und Abu Dhabi also noch drei realistische Gelegenheiten, um den fehlenden Punkt einzufahren. Danach würde einem F1-Aufstieg von Herta zumindest reglementarisch nichts mehr im Wege stehen.
Nicht nur Colton Herta: Mercedes-Ersatzfahrer in Gesprächen mit Cadillac
Dass Cadillac darum bemüht ist, seinem Fahrer eine Formel-1-Superlizenz zu verschaffen, ist übrigens keineswegs eine Garantie dafür, dass 2027 auch Herta am Steuer des zweiten Boliden neben Sergio Perez sitzen wird. Die Kandidatenliste ist lang: Esteban Ocon und Yuki Tsunoda bemühen sich nach Leibeskräften um einen Verbleib in der Königsklasse, und nachdem kein anderes Cockpits mehr frei ist, stehen auch eine ganze Reihe an Nachwuchs- oder Ersatzfahrern Schlange.
Einer jener Fahrer, der bei Cadillac auf der Liste steht, ist Mercedes-Ersatzfahrer Frederik Vesti. Der Däne bestätigte nach seinem FP1-Einsatz für die Silberpfeile selbst, dass er sich in Gesprächen befindet, allerdings ohne den Namen der GM-Marke in den Mund zu nehmen: "Es gibt Gespräche über ein Cockpit und ich habe meinen vollen Fokus auf dieses Cockpit gelegt. Ich glaube, dass ich in diesem Auto sehr schnell sein würde."
Falls es anhand der aktuellen Vertragslage am Fahrermarkt nicht ohnehin klar sein sollte, dass abgesehen von Cadillac kein anderes Cockpit damit gemeint sein könnte, räumte George Russell dahingehend jeden Zweifel aus, indem er sagte: " Ich weiß, dass er wirklich hart darum kämpft, sich eine Chance auf den Cadillac-Platz zu sichern."
Der Formel-2-Vizemeister von 2023 ist seit 2024 offizieller Reservefahrer bei Mercedes und stand in dieser Funktion auch schon siebenmal in FP1-Sessions am Start, eine Chance auf einen Renneinsatz bot sich allerdings in der Formel 1 noch nie. Nebenher geht Vesti in der nordamerikanischen Langstrecken-Serie IMSA regelmäßig für Cadillac an den Start. Eine direkte Verbindung zur GM-Marke besteht also bereits.



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