Niemand hatte damit gerechnet, dass beim Bahrain-GP in Malaysia ein Ferrari aus der ersten Startreihe ins Formel-1-Rennen geht – nicht einmal Ferrari selbst. "Ich bin überwältigt. Eigentlich hatten wir wegen der Pace Platz fünf oder sechs erwartet – dort, wo wir immer sind. Aber Platz zwei ist unglaublich", ist Lewis Hamilton nach dem Qualifying außer sich vor Freude. Außer einer wenig aussagekräftigen Trainingsbestzeit konnte die Scuderia in Sepang bisher wenig vorweisen.. Wie hat es Hamilton also neben Max Verstappen geschafft?
"Es ist interessant, dass wir uns hier wiederfinden", kommentierte der siebenfache Weltmeister und Malaysia-Sieger von 2014 das Ergebnis. "Das Auto hat sich großartig angefühlt. Wir haben viele Veränderungen gemacht." Das angepasste Setup brachte Hamilton eine Verbesserung von eineinhalb Sekunden gegenüber seiner persönlichen Bestzeit aus dem dritten Freien Training, das er auf Platz sechs beendete.
Schon im ersten Qualifying-Segment zeigte sich die Verbesserung: Hamilton war Verstappens erster Jäger mit nur 0,118 Sekunden Abstand. Im Q3 war er nach dem ersten Run auf Platz drei. Bei seinem zweiten Versuch holte er mit einem besseren Ausgang aus den Kurven eins und zwei sowie einer schnelleren Durchfahrt von Kurve sieben noch einmal drei Zehntel heraus und verwies Isack Hadjar auf Platz drei.
Hamilton lobt Ferrari-Durchführung: "Alles auf den Punkt gebracht"
Der Ferrari-Motor war dann aber zu schwach, um ernsthaft um die Pole Position mitzufahren. "Wir verlieren aber nur auf den Geraden auf sie [Red Bull, Anm. d. Red.]", hebt Hamilton hervor. Dort fehlen der Scuderia drei bis vier Zehntel, schätzt er selbst. "Wir arbeiten daran und versuchen inzwischen, uns auf die Kurven zu konzentrieren. Ich habe das Gefühl, dass wir damit heute erfolgreich waren."
Neben der guten Kurvenlage des SF-26 und den Setup-Verbesserungen gab es eine weitere Zutat zum guten Qualifying-Ergebnis: die Durchführung. Hamilton lobte diese bereits auf seiner Cooldown-Runde und machte in der Pressekonferenz gleich weiter: "Wir haben großartig zusammengearbeitet und alles auf den Punkt gebracht. Wenn wir das weiter so machen, dann werden wir in Zukunft bessere Resultate haben."
Am Bahrain-Wochenende durfte sich Hamilton aussuchen, in welcher Reihenfolge die Ferraris aus der Box fuhren. Auf dem Sepang International Circuit mit einigen Vollgas-Passagen und Geraden entschied er sich, als Zweiter auf die Strecke zu gehen und dadurch einen kleinen Windschatten von seinem Teamkollegen abzugreifen.
Leclerc patzt sich auf P4: Aggressives Setup führt zu Überhitzung
Der hatte keinen so guten Samstagnachmittag in Sepang. Charles Leclerc sah in allen Trainingssessions eigentlich wie der stärkere Ferrari-Pilot aus, im Qualifying fiel dann aber alles auseinander. "Ich war glücklich mit Q1, aber in Q2 habe ich dann Probleme mit überhitzenden Reifen bekommen", erklärt der Monegasse. Anders als bei seinem Teamkollegen war die Abstimmung sein Stolperstein. Leclerc ist bekannt dafür, im Qualifying teils höchst aggressive Setups zu fahren, um ans Limit des Autos zu gehen.
Das wurde ihm in Sepang zum Verhängnis: "Als ich mehr gepusht habe, um ins Q3 zu kommen, sind meine Hinterräder komplett überhitzt und ich habe dadurch ein bisschen Performance für das Q3 verloren." Im Vergleich mit seinem Teamkollegen verlor Leclerc vor allem im zweiten Sektor massiv an Zeit: Ihm fehlten zwischen Kurven vier und neun drei Zehntel auf Hamilton. Auffällig ist ein Fehler in Kurve sieben auf beiden von Leclercs Q3-Runden.
Ferrari splittet Reifenstrategie: Diese Auswahl haben die Strategen
Mit Platz vier – eine Position hat er durch Isack Hadjars Rückversetzung gewonnen – ist Leclerc jedoch zufrieden: "Das ist gut genug, um vorne mitzukämpfen." Vor allem auf einer Strecke, auf der der Reifenabbau enorm ist und es auf das Management ankommt. Eine Spezialität von Leclerc. Man denke nur an Monza 2024 zurück.
Doch gerade beim Thema Reifen hat der Ferrari-Pilot einen augenscheinlichen Nachteil: Er – genauso wie Pole-Setter Max Verstappen – hat lediglich ein Set harter Reifen zur Verfügung. Das restliche Feld hat sich für die erwartete Hitze- und Reifenschlacht zwei Sets aufgespart.
Theoretisch könnte er aber eine Zwei-Stopp-Strategie mit zweimal Soft und einmal Hard fahren oder sogar mit einem Soft mehr dreimal stehen bleiben. Denn ob die weiß markierte Mischung, auf die das restliche Feld baut, besser ist, kann Pirelli nicht sagen, da nur Leclerc im FP3 ein paar Runden auf dem Hard drehte und daher kaum belastbare Daten vorliegen. Laut dem Reifenlieferanten soll der Medium-Reifen nicht brauchbar sein.
" Das wird für ein aufregendes Rennen sorgen", ist sich Leclerc sicher. "Mit den verschiedenen Strategien und dem hohen Verschleiß gibt es viel Potenzial für etwas Besonderes." Hamilton baut für ein erfolgreiches Rennen auf seine zwei Hard-Sets: "Ich weiß nicht, welche Reifen die richtigen für das Setup sein werden, aber ich hoffe, dass meine die richtige Wahl sind."
Leclerc mit Mercedes-Kampfansage, Hamilton glaubt nicht an Überholen
Für die Konstrukteursweltmeisterschaft ist Ferrari in einer guten Position: George Russell startet hinter beiden auf einem abgeschlagenen siebten Platz. Kimi Antonelli hat sich mit Platz drei zwischen die beiden Roten geschoben, aber der Mercedes macht auf dem Sepang International Circuit keine allzu vielversprechende Figur. Teamchef Toto Wolff meinte sogar, dass das Update ihnen auf den Geraden mehrere Zehntel kostet. Gefundenes Fressen für Leclerc: "Wenn es eine Möglichkeit gibt, von ihrer Schwäche an diesem Wochenende zu profitieren, dann werden wir diese Chance ergreifen."
Fun Fact: Das letzte Mal, als Hamilton aus der ersten Startreihe wegfuhr, war in Barcelona, wo er gewann. Dass er das Kunststück wiederholen kann, glaubt er nicht. Er will auch von der Konkurrenz nichts wissen: "Wir müssen uns auf uns selbst konzentrieren. Ich weiß nicht, was die anderen tun." Er hofft lediglich, dass die Balance-Probleme aus den Training-Longruns nicht wiederkommen und der SF-26 seine normalerweise starke Rennpace zeigt.
Entgegen der gängigen Meinung im Fahrerlager, dass die Startposition in Sepang nicht viel wert ist, prognostiziert Hamilton keinen spannenden Bahrain-GP in Malaysia: "Wir sind alle im gleichen Boot. Überholen ist hier nicht so leicht, obwohl es hier lange Geraden gibt. Da haben wir alle den Straight-Line-Mode offen. Hinterherfahren ist auch schwer, weil deine Reifen dann sofort überhitzen. Es wird interessant." Mehr zu den Mercedes-Problemen gibt es im folgenden Artikel:



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