Eine weitere Pseudo-Stadtstrecke irgendwo zwischen Hallen auf einem Messegelände? Es herrschte in der Formel 1 vor den ersten Tagen in Madrid eine gewisse Skepsis bezüglich des neuen Rennens in Madrid. Fahrerisch erhält der Madring jedoch am Freitag nach den ersten beiden Trainings von einer Vielzahl an Fahrern ein sehr gutes Zeugnis.
"Diese Strecke zu fahren macht unglaublich Spaß!", führt Esteban Ocon eine Serie an Lobesbekundungen an. "Ich habe es geliebt", ergänzt Pierre Gasly und geht ins Detail: "Es ist aufregend. Eine Strecke mit viel Adrenalin. In den ganzen Kurven siehst du die Wände sehr schnell kommen, und du brauchst präzise Linien."
"Das ist definitiv dieses Adrenalin-Element, das du normalerweise nicht findest, meistens auf Stadtkursen", so Gasly. Diesbezüglich trifft der Madring für ihn einen ungewöhnlichen und seltenen Sweetspot: "Du hast viele schnelle Kurven, das ist ungewöhnlich für einen Stadtkurs. Eine Art Mischung von Jeddah und Monaco."
Höllischer MAD-Ring: Direkt auf die Mauer zufahren
"Eine höllische Strecke", stimmt auch Nico Hülkenberg zu und grinst. "MAD-Ring. Wahnsinning schnell, wie Monaco, aber ultraschnell. Ein paar richtig ernste Highspeed-Kombinationen, viele Richtungswechsel ohne Platz für Fehler, keine Auslaufzonen an den Kurvenausgängen. Ein harter Tag, der Puls ist oben, das Adrenalin ist da."
Es steht außer Frage, dass Madrid eine sehr ungewöhnliche Formel-1-Strecke auf die Beine gestellt hat. Die Schikanen sind teils eng, wie Monaco, erfordern teils aber richtig aggressives Überfahren der Kerbs. Die ewig lange Steilkurve "La Monumental" ist eine Herausforderung, verlangt am Eingang auch Vom-Gas-Gehen, und wird durch Bodenwellen noch schwieriger gemacht.
Auf sie folgen Highspeed-Kombinationen, dann wieder langsame Kurven, teilweise mit ungewöhnlichen Einlenkpunkten - etwa die Kombination der Kurven 16 und 17, ein schneller Linksknick, der zugleich als Bremszone für eine enge Rechtskurve fungiert. "Bei vielen Stellen fährst du nicht direkt ran an die Mauer, sondern du fährst auf die Mauer zu und musst ihr dann ausweichen", beschreibt es Oscar Piastri. "Das macht die Sache eine Herausforderung."
Endet das unfallarme F1-Cruisen im Madrid-Qualifying?
"Ich würde sagen, es ist schwieriger als manche Strecken", meint Piastri auf die Frage, ob der Madring besonders schwer zu lernen sei. "Wenn du in einen soliden Rhythmus kommst, macht es Spaß." Dabei half am Freitag überraschend guter Grip. Die Veranstalter durften hier einiges an Lob einheimsen. Der neue Asphalt war vorab künstlich gealtert worden, und bot tatsächlich trotz der neuen Strecke massiv Haftung.
"Deshalb macht es so viel Spaß", hebt Esteban Ocon hervor. "Wenn es wenig Grip wie in Baku hätte, dann wäre es härter." Der Freitag hat aber für alle auch bestätigt, dass das Überholen hier schwierig werden wird. Die schnellen Kurvenkombinationen sind nicht förderlich, gute Überholstellen fehlen. Ein Stadtkurs eben.
Während die Formel 1 am Freitag mit nur einem Unfall sich sehr zurückhaltend gab, könnte das daher am Samstag im Qualifying schnell anders aussehen. "Ich erwarte eines der schwierigsten Qualifyings des Jahres, da die Strecke nach so viel Einsatz verlangt", ahnt Charles Leclerc. George Russell fügt an: "Ohne Zweifel eine Hochrisiko-Strecke. Heute haben sich wohl alle Fahrer noch etwas Puffer gelassen."
Wenn dann im Qualifying alle wissen, dass ihr Startplatz auch ihr Rennen mangels Überhol-Chancen maßgeblich beeinflussen wird, dann wird die Sicherheitsmarge verschwinden. Und dann kommen die Fehler. Und die Unfälle. Wann wird das Qualifying heute gefahren? Alle Infos gibt es hier im Zeitplan:



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