Diese Woche kehrt die Formel 1 nach Monza zurück – an jenen Ort, an dem Lewis Hamilton vor genau 20 Jahren, im September 2006, seinen Titel in der GP2 fixierte. Alles, was danach folgte, ist Motorsport-Geschichte. Dabei hätte die Karriere des Rekordweltmeisters ganz anders verlaufen können, wäre ein Besuch im Williams-Werk 2004 erfolgreich gewesen bzw. wäre ein gewisser F3-Teamchef namens Fred Vasseur nicht in sein Leben getreten.

Denn bevor sich Hamilton mit sieben WM-Titeln in die Geschichtsbücher eintrug, war er 2004 ein 19-Jähriger, der ungeduldig mit den Hufen scharrte. "Es war eine verrückte Zeit. Ich war ein sehr junger Kerl, der es eilig hatte, in die Formel 1 zu kommen. Ich habe Martin Whitmarsh [damaliger McLaren-CEO; Anm. der Red.] jede Woche angerufen und ihn gefragt, wann ich ins Auto steigen kann. Als die GP2 an den Start ging, habe ich darauf gedrängt, dorthin zu wechseln, weil ich dachte, dass die Chance besteht, sie direkt in der ersten Saison zu gewinnen, da es eine neue Rennklasse war", erinnert sich Hamilton rückblickend.

Meinungsverschiedenheit endete in Vertragsauflösung

McLaren beharrte jedoch auf eine weitere Saison in der Formel 3 Euroserie. Hamilton blieb stur. Die Folge: Der Vertrag wurde aufgelöst. Dabei hatte der damals erst Zehnjährige Ron Dennis bereits selbstbewusst erklärt, eines Tages mit McLaren den Weltmeistertitel zu holen. "Das war eine der schwierigsten Phasen meines Lebens", gestand Hamilton abseits des Niederlande GP. Nachdem er noch am 1. Dezember 2004 neben Jamie Green und Alex Llyod den McLaren MP4-19 in Silverstone fahren durfte, stand er nun ohne jeglichen Support da.

Wie er in seiner Autobiografie "My Story" verriet, musste er für seinen Start beim Bahrain Superprix am 10. Dezember 2004 selbst finanziell aufkommen. In dieser Zeit tauchte das damals noch untrennbare Vater-Sohn-Gespann bei Williams auf. Das verriet Patrick Head 2008 gegenüber britischen Medien: "Sie [Lewis und Anthony Hamilton; Anm. der Red.] riefen an und fragten: Können wir vorbeikommen? Als sie dann zu uns kamen, sagten sie: Ron Dennis hat uns fallen gelassen." Laut Head suchte Teamchef Sir Frank Williams daraufhin das Gespräch mit Motorenpartner BMW, fing sich dort jedoch eine Absage ein – eine Darstellung, die der damalige BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen später bestritt. Hätte, wäre, wenn ...

F3-Pilot Lewis Hamilton sieht als Erster die Zielflagge
F3 Euroserie 2005: Hamilton gewann in der Saison 15 Rennen, Foto: IMAGO / HochZwei
McLaren-Boss Ron Dennis und Lewis Hamilton in der McLaren Box
Das Verhältnis zu Ron Dennis verbesserte sich mit der Zeit, Foto: imago/Sven Simon

Vasseur fungierte als Brückenbauer

Fakt ist: Hamilton gewann den Bahrain Superprix 2004 eindrucksvoll von Startplatz 21 und wechselte für 2005 von Manor Motorsport zum 1996 von Fred Vasseur gegründeten ASM F3-Team - später in ART Grand Prix umbenannt. Vasseur war es auch, der eine Brücke zu McLaren-Boss Ron Dennis baute. "Ich erinnere mich noch an den ersten Test in Jerez. Als ich an die Box zurückkam und Freds Reaktion sah – er war natürlich total positiv gestimmt –, wusste ich, dass er seine Eindrücke an Ron weitergeben würde", erzählte Hamilton, der 2005 die Formel 3 dominierte und seinen McLaren-Vertrag zurückerhielt.

Rückblick: Ron Dennis war als McLaren-Teamchef Erfolgsgarant & Charakterkopf einer Ära. Am 16. April 2009 war Schluss. Sein Abschied sorgte für Chaos in der Chefetage. Mehr dazu in diesem Artikel:

An viele Details aus jener Zeit kann sich der heute 41-Jährige zwar nicht mehr erinnern, an einen Schlüsselmoment aber wohl: "Ich habe meinen Vertrag zurückbekommen. Ich erinnere mich aber vor allem daran, wie ich mit Ron in Monza in der Startaufstellung vor Kimis Auto [Kimi Räikkönen; Anm. der Red.] stand. Das war der Moment, in dem sich mein Leben wirklich verändert hat."