Nico Hülkenbergs Bolide wurde im Formel 1 Grand Prix von Barcelona-Catalunya am vergangenen Wochenende durch einen kuriosen Vorfall vorzeitig lahmgelegt. Ein daumengroßer Kieselstein traf die rote Notaus-Lasche links am Überrollbügel - den sogenannten Safety-Pull für die Streckenposten - und schaltete seinen Audi R26 mitten im Rennen komplett ab. Für Hülkenberg ein extrem bitterer Rennausgang, da er in aussichtsreicher Position um seine ersten Audi-Punkte kämpfte.
Laut F1-Experte Christian Danner hatte der Deutsche jedoch Glück im Unglück. "Das war gefährlich. Für Nico Hülkenberg ist es dumm gelaufen, dass der Motor dann ausging, aber da war auch Glück dabei, dass nicht mehr passiert ist", ist sich Danner in der neuesten AvD-Bonusfolge sicher. Immerhin wurde bei dem Hagel aus Kieselsteinen auch Hülkenbergs Spiegel zerschlagen und in der Nase des Audis klaffte danach ein großes Loch.
F1-Experte Danner sicher: Vorfall hätte auch schlimmer enden können
Hätten die von Liam Lawson aufgewirbelten Kieselsteine nicht nur das Auto, sondern auch Hülkenberg selbst getroffen, hätte die Situation laut Danner viel schlimmer ausgehen können. "Wenn etwas hochgeschleudert wird, und man bekommt es an dem Helm, ist das in der Tat gefährlich", erinnert sich der F1-Experte an Unfälle wie jenen von Felipe Massa in Ungarn 2009 zurück.
Damals hatte sich durch einen Technikdefekt am Boliden von Rubens Barrichello eine schwere Stahlfeder gelöst. Diese traf Felipe Massa so hart am Kopf, dass er das Bewusstsein verlor. "Zu Massas Zeit waren die Helme speziell im Bereich der Stirn noch relativ schwach", erklärt Danner den Grund, warum der Helm von der Feder durchschlagen werden konnte. "Man hat dann darauf reagiert und die Regeln geändert. Jetzt ist der Helm dort extra mit Zylon-Streifen gecovert."
Direkte Vergleiche zwischen Massas damaligem Unfall und dem aktuellen von Nico Hülkenberg in Barcelona seien laut dem Experten aber nicht mehr zeitgemäß. "Mittlerweile ist die extra Sicherheitsvorkehrung in den Regeln verankert und bei den Helmherstellern umgesetzt, dass das, was bei Massa passiert ist, nicht mehr vorkommt", so der ehemalige F1-Pilot. "Auch wenn die Helme, die ja Carbon-Konstruktionen sind, so leicht wie möglich sein sollen. Aber die Crash-Tests der FIA müssen sie trotzdem bestehen."
Zusätzliche neue Tests für Formel-1-Helme laut Danner sinnvoll!
Um Unfällen wie dem von Massa oder auch Dr. Helmut Marko - der 1972 in Clermont-Ferrand durch einen hochgeschleuderten Stein, der sein Visier durchschlug, ein Auge verlor - entgegenzuwirken, werden die Helme ständig weiterentwickelt und sogenannten ballistischen Schusstests unterzogen. Dabei wird eine Metallplatte mit rund 250 km/h frontal auf den Helm geschossen.
Trotz Schusstests darf die Einschlagsenergie eines fliegenden Kieselsteins laut Danner keineswegs unterschätzt werden. "Wenn so ein Stein einen Schalter zerdeppern kann, dann ist der Impact auch auf ein so gut wie nicht durchschlagbares Visier nicht zu unterschätzen", ist sich der F1-Experte sicher.
Für ihn ist deshalb klar, dass die Helmtests in Zukunft erweitert werden sollten. "Ich bin mir jetzt schon sicher, dass diese Schusstests bald mit solchen Steinen gemacht werden", meint er. "Die FIA lässt da sicher nicht locker und das führt dazu, dass neue Tests gemacht werden und neue Sicherheitsentwicklungen einbezogen werden."



diese Formel 1 Nachricht