Mit den Präsentationen und ersten Ausfahrten der neuen Boliden von McLaren, Ferrari, Honda und Williams, war es in der vergangenen Woche niemals langweilig. Und sollte einmal kein neuer Wagen vorgestellt worden sein, sorgten die Testfahrten oder die Bestätigung des Super Aguri Teams durch die FIA für ausreichend Nachrichtenstoff.

Die letzten sieben Tage förderten aber noch mehr zu Tage. Denn dieser Winter scheint in der Königsklasse ganz im Zeichen der verschiedensten Philosophien und Theorien zu stehen.

Die Philosophie von Zuverlässigkeit & Speed

Seinen Anfang nahmen die philosophischen Diskussionen im letzten Jahr, als Renault seine vorsichtige und konservative Entwicklungsphilosophie gegen die offensive Entwicklungsstrategie bei McLaren verteidigte.

Renault setzt noch auf den Show-Effekt., Foto: Renault
Renault setzt noch auf den Show-Effekt., Foto: Renault

Nach dem Motto 'Lieber zuverlässig als ausfallen' konzentrierten sich die Franzosen bis zum Gewinn des Fahrertitels durch Fernando Alonso voll darauf wichtige Punkte zu sammeln, ein haltbares Auto zu besitzen und dafür auch einmal einen sicheren Podestplatz einem möglichen Sieg vorzuziehen.

Bei McLaren Mercedes zählte in Folge der Aufholjagd nur eines: Siege. Entsprechend hohe Risiken mussten die Silbernen bei der Weiterentwicklung und der Herangehensweise eingehen. Am Ende wurde dies mit diversen Motorschäden und technischen Defekten bestraft. Die WM-Titel gingen beide nach Enstone und Viry-Châtillon.

Die Renault-Philosophie sorgte also dafür, dass das zuverlässigere über das größtenteils schnellere Auto triumphierte.

Die Philosophie von Roll-Outs & Launches

Die nächste Winter-Philosophie trifft nicht auf das Weltmeister-Team zu. Für die meisten anderen Teams gilt jedoch ein starker Trend in Richtung von Roll-Outs und so genannten Low Key Launches. Gemeint sind Teampräsentationen an der Rennstrecke, kurz vor dem Beginn des Testtages.

Früher waren die Car Launches noch große Events, bei denen die Autos über das Eis schlitterten, per Flugzeug eingeflogen oder von Popgruppen besungen wurden. Die Gäste, Sponsoren und Medienvertreter kamen teilweise aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Heutzutage werden nur noch Decken von den Autos gezogen oder diese einfach direkt in die Boxengasse gestellt. Exemplarisch für diese Philosophie sind drei der vier 'Präsentationen' der vergangenen Woche: McLaren und Honda setzten auf ein unscheinbares Roll-Out in Barcelona und Ferrari praktizierte eine unspektakuläre 'Enthüllung' bei den Tests in Mugello.

Michael Schumacher gefiel diese 'Kleckern statt Klotzen'-Mentalität sehr: "Die Präsentation war ganz nach meinem Geschmack: Konzentration auf das Wesentliche." Schließlich gebe es für die Roten nach dem enttäuschenden Jahr 2005 keinen Grund zu feiern. "Ich mag diese Art der Präsentation, bei der man wirklich fährt, statt nur herumzustehen und Fragen zu beantworten."

Launch auf die einfache Art: Honda in Barcelona., Foto: BAT
Launch auf die einfache Art: Honda in Barcelona., Foto: BAT

Das einzige Team, das in der letzten Woche nicht auf ein Roll-Out anstelle einer Teampräsentation setzte war das runderneuerte Williams Team. Aber auch hier wurde auf eine große Show verzichtet: Der FW28 wurde in der Fabrik in Grove der Weltöffentlichkeit vorgestellt.

Etwas anders war dies vor zwei Wochen bei der BMW-Sauber Präsentation in Valencia, wo der FW28 übrigens sein Streckendebüt geben wird. Und auch am kommenden Dienstag wird Renault in Monaco einen etwas edleren Launch vollführen. Dafür sorgt schon allein der Austragungsort.

Die Philosophie von frühen & späten Launches

Da aller guten Dinge drei sind, gab es in diesem Winter noch eine dritte Philosophiefrage zu klären: Sollte ein neues Auto nun so früh wie möglich oder so spät wie möglich getestet werden?

Die Befürworter der einen Methode berufen sich auf die wichtigen Zuverlässigkeitstests, die bei einem zeitigen Launch des neuen Boliden durchgeführt werden können. Die Anhänger der zweiten Variante erinnern an die Aerodynamik-Vorteile, die eine längere Entwicklungszeit im Windkanal mit sich bringt.

Wie üblich fand Toyota seine eigene Antwort: Die Japaner testeten den TF106 bereits im letzten Jahr so früh wie kein anderes Team, um auf diese Weise die Zuverlässigkeit in den Griff zu bekommen. Dann verpassen sie ihm zu Saisonstart ein neues Aerodynamikpaket, um die neuesten Erkenntnisse aus dem Windkanal einbringen zu können. Und schon beim 7. Saisonlauf in Monaco lassen sie mit dem TF106B seinen Nachfolger vom Stapel laufen.

Obwohl Mike Gascoyne diese Entwicklungs-Philosophie dieser Tage verteidigte und sie als nicht viel teuerer bezeichnete, legt sie den Grundstein für eine weitere anerkannte Formel 1 Theorie: Geld spielt keine Rolle.