Für Mick Schumacher ist die heiße Phase seiner Debütsaison bei den IndyCars angebrochen. Nicht nur stehen dem RLL-Piloten anstrengende fünf Rennwochenenden in Folge bevor, auch geht es um seine Zukunft. Die bleibt zunächst unklar, nachdem sein Team jüngst eine der drei Startlizenzen (Charter) verkauft hat - und damit praktisch Schumachers #47 Honda-Dallara.
Bei RLL fällt für die Saison 2027 also definitiv ein Auto weg. Schumachers Teamkollegen Graham Rahal und Louis Foster sollen laut US-Medien über laufende Verträge verfügen. Steht für Mick also ein Wechsel zu einem anderen IndyCar-Rennstall bevor? Optionen gäbe es ausreichend, und in der aktuellen Silly Season jagt ein Gerücht das nächste.
Mick Schumacher über Zukunft: "Ich bin hier, um zu bleiben"
Schumacher selbst wirkte jedenfalls überzeugt, auch 2027 in der US-Formelserie an den Start zu gehen. "Ich mag die IndyCars sehr und bin hier, um zu bleiben", machte der 27-Jährige vor Kurzem im Podcast 'Speed Street' von Rennfahrerkollege Conor Daly klar. Spannend: Der US-Amerikaner gilt als Favorit für das verkaufte RLL-Cockpit, das sich der Rennstall Dreyer & Reinbold Racing gesichert hat.
Dass Schumacher und sein Lager die Augen und Ohren nach Möglichkeiten in der IndyCar-Serie offenhalten, daraus machte der frühere Formel-1-Fahrer kein Geheimnis. Mick: "Es wäre falsch, zu sagen, dass wir keine Gespräche führen. Es ist wichtig, deine Optionen auszuloten und zu schauen, was gut passen würde."
Schumacher richte den Fokus aber nicht ausschließlich auf das potenziell erfolgversprechendste und verfügbare Cockpit, stattdessen müsse das Gesamtpaket passen. "Für uns Rennfahrer zählt nicht nur das Auto, sondern auch die menschliche Verbindung. Für mich sogar noch mehr. Du kannst nur als Team gewinnen. Das zählt noch mehr als das eine Auto zu finden, das in Sachen Performance herausstechen könnte. Wenn du die richtigen Leute an deiner Seite hast, kommt die Performance sowieso."
Warum Oval-Kurse Mick Schumacher besser liegen
Schumacher betrieb zuletzt Werbung in Eigensache und erzielte beim zwölften Saisonrennen in Nashville mit Platz acht das beste Ergebnis seiner jungen IndyCar-Karriere. Und das ausgerechnet auf einem der Ovalkurse, die für Schumacher absolutes Neuland bedeuten.
"Ovale passen generell ein wenig mehr zu meinem Stil", erklärte er. "Wir sind dort mit den Reifen am Limit und ich habe ein gutes Verständnis davon, wie sich die Reifen anfühlen müssen. Ich bin feinfühlig beim Reifenverschleiß, das kenne ich aus Europa. Das kommt mir im Oval zugute. Dort musst du sehr präzise fahren, um zu spüren, ob du an der Grenze angelangt oder auf dem Weg zum Limit bist."
Dabei machte Schumacher eine interessante Beobachtung, die er so nicht aus dem Rennsport kannte: "Wenn ich aus dem Auto aussteige, wird mir schwindelig, das ist eines meiner Hauptthemen. Das kommt davon, wenn man die ganze Zeit nach links fährt." Die teilweise herrschende Hitze in den Staaten sei unterdessen kein Problem: "Die Bedingungen sind hart, aber genau die, wo deine Fitness den Unterschied ausmacht."

Warum klappt es noch nicht auf IndyCar-Rundstrecken?
Außerdem erlebte Schumacher in Nashville mit Ausnahme einer defekten Trinkflasche ein größtenteils pannenfreies Wochenende. Bei anderen Rennen war das nicht immer der Fall, von verpatzten Boxenstopps bis hin zu fragwürdigen Strategie-Entscheidungen war einiges geboten. Auch Schumacher blieb nicht ohne Fahrfehler. Dennoch überrascht es, dass er seine besten Leistungen auf den Ovalen zeigte statt auf Stadtkursen und Rundstrecken, mit denen er theoretisch besser vertraut sein sollte.
Sein bestes Resultat auf einer Strecke abseits des Ovals war ein 17. Platz in den Straßen von Long Beach. Auch in den Qualifyings landete Schumacher regelmäßig auf den hinteren Plätzen. "Ich trage eine Verletzung mit mir herum, was nicht hilft", sagte Schumacher mit Blick auf seinen Knochenbruch in der Hand. "Und auf den Rundstrecken sind die Reifen ein großes Thema. Sie ändern sich von Strecke zu Strecke und es braucht Zeit, um sich anzupassen. Außerdem haben Rund- und Stadtkurse mehr Kurven, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Dafür brauche ich ein paar Runden mehr."
Schumacher ist auf vielen der US-Rennstrecken nie zuvor gefahren und lernt die Eigenheiten meist erst in den Freien Trainings kennen, während sich andere Piloten mit größerer Erfahrung sofort auf die Setup-Feinheiten konzentrieren können. Außerdem stehen Mick nur sehr begrenzte Möglichkeiten zur Verfügung, sich im Simulator auf die Rennwochenenden einzuschießen - kein Vergleich zu früheren Formel-1-Zeiten.
IndyCar Kalender 2026 - Rennen, Startzeit, Strecken
Schumacher will "mit Top-Jungs auf Augenhöhe fahren"
"Es kann schwierig sein, sich anzupassen", sagte er. "Aber angesichts der wenigen Vorbereitungszeit und der geringen Verfügbarkeit eines Simulators machen wir einen ziemlich guten Job. Hier und da kamen ein paar Probleme dazu, die uns die Rennen erschwert haben. Hoffentlich können wir noch ein paar saubere Rennen abliefern und zeigen, dass wir mit den Top-Jungs auf Augenhöhe fahren."
Für Schumacher und den IndyCar-Tross geht es am kommenden Wochenende weiter mit dem 13. Saisonrennen in Portland, Atlanta - eine klassische Rundstrecke wie man sie auch in Europa kennt. Danach geht es im Wochentakt weiter mit Markham (Kanada), dem neuen Rennen in Washington, einem Doubleheader in Milwaukee sowie dem Saisonfinale in Laguna Seca am 06. September.
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