Man nehme ein handelsübliches Zimmer, stelle einen Tisch, ein Sofa und zwei Sessel hinein, füge noch ein paar Getränke hinzu und sperre einen Formel 1 Piloten, seinen besten Freund und einen mit Fan-Fragen bewaffneten Schreiberling auf unbestimmte Zeit darin ein.

Während es draußen vor dem Fenster eiskalt, stockdunkel und ziemlich ungemütlich ist, entwickelt sich innerhalb des warmen, gut beleuchteten und gemütlichen Raums ein Interview der ganz besonderen Art. motorsport-magazin.com wagte dieses Experiment und wurde dafür mit einem wahrlich einzigartigen Gespräch belohnt.

Allerdings nicht nur wegen der lockeren Atmosphäre und der unzähligen Witze und Anspielungen, die als "off the record"-Kommentare hier erst gar keine Erwähnung finden. Es gab auch noch eine andere ungewöhnliche Komponente bei unserem Versuchsaufbau.

Im Gegensatz zu 99,9 Prozent aller Interviews die Nick Heidfeld in seiner mittlerweile schon ziemlich langen Formel 1-Karriere gegeben hat, stammen die Fragen diesmal nicht aus den verworrenen Gehirnwindungen eines wahnwitzigen Redakteurs. Stattdessen ließ motorsport-magazin.com die Fans des BMW Sauber Piloten zu Wort kommen.

Was würde ein F1-Fan gerne von seinem Idol wissen? Mit dieser Fragestellung begann unser Abenteuer Fan-Interview mit Nick Heidfeld. Gleich zu Beginn unseres gemütlichen Beisammenseins stellen wir jedoch klar: "Nick, nicht dass Du denkst uns würden keine Fragen mehr einfallen oder wir wären nur zu faul dazu uns selbst etwas auszudenken..."

Dies zumindest hatte Nicks Bruder und unser motorsport-magazin.com-Kolumnist Sven Heidfeld scherzhaft im Vorfeld der Interview-Aktion behauptet. An diesem Abend konnte Sven leider nicht an unserer Runde teilnehmen, da er anderweitigen Verpflichtungen in wärmeren Gefilden nachkommen musste. Dennoch sollte er im Laufe des Abends noch eine nicht unbedeutende Rolle spielen.

Wie würde Nick seinen 1. Sieg aufnehmen? Er weiß es noch nicht..., Foto: Sutton
Wie würde Nick seinen 1. Sieg aufnehmen? Er weiß es noch nicht..., Foto: Sutton

Die Hauptrolle spielen jedoch unsere motorsport-magazin.com Leserinnen und Leser, die immerhin den Grund und den Inhalt unseres Treffens lieferten. Während Nick an seinem Getränk nippt, steigen wir direkt mit einer nicht zu verachtenden Frage ein: "Was machst Du, wenn Du deinen ersten Grand Prix gewonnen hast?"

Ein Gedanke der Nick natürlich sehr gefällt. Allerdings fällt es ihm schwer, vorherzusagen wie er auf seinen ersten GP-Triumph reagieren wird. Letztlich beruft er sich auf einen Vergleich mit dem Jahresbeginn 2005: "Als Frank [Williams] mir im letzten Jahr gesagt hat, dass ich für Williams fahren darf, dachte ich vorher, dass ich in die Luft springen, schreien und jubeln würde", blickt er zurück. "Aber dann kam es ganz anders. Deshalb weiß ich noch nicht wie es sein wird, wenn ich meinen ersten GP gewinnen sollte."

Vorsichtig wie er nun einmal ist, schränkt Nick sogar ein: "Wenn es denn so weit kommen sollte, dann wird es mit Sicherheit einer meiner glücklichsten sportlichen Momente."

Ein beinahe alltäglicher Moment ist es für Nick mit über 300 km/h über die Rennstrecken dieser F1-Welt zu sausen. Unser Leser Felipe Hernández wollte wissen, wie es sich genau anfühlt mit solchen Geschwindigkeiten über den Asphalt zu brettern?

Für Nick ist diese Frage nicht gerade neu, da er sie besonders im Bezug auf den Top-Speed schon sehr häufig gestellt bekommen hat. Allerdings ist es nicht die Höchstgeschwindigkeit, die für Quick Nick die Faszination seines Sports ausmacht. "Das ist ehrlich gesagt recht langweilig", konstatiert er. So lange es geradeaus geht, könne in seinen Augen jeder 200, 300 oder sogar 400 km/h schnell fahren.

Ein Profirennfahrer wie Nick versucht sich bei diesen Geschwindigkeiten auf den langen Geraden "eher zu entspannen". Viel spannender ist für ihn das Bremsen. "Beispielsweise in Monza, wo man mit 360 km/h die erste Schikane anbremst und in einer Sekunde 100 Meter zurücklegt. Wer da den Bremspunkt nicht genau erwischt, ist ein gutes Stück an der Kurve vorbeigefahren."

Sollte Nick wie von Jessica Köhler angeregt, einmal für einen Test von vier auf zwei Räder wechseln, könnte es durchaus passieren, dass er noch öfter an einer Kurve 'vorbeifährt'. Dennoch würde der Mönchengladbacher gerne einmal ein MotoGP-Bike pilotieren.

Vorerst bleibt Nick vier Rädern treu., Foto: Sutton
Vorerst bleibt Nick vier Rädern treu., Foto: Sutton

"Ich habe mit Motocross angefangen und sogar einmal mit dem Gedanken gespielt in eine Motorradserie einzusteigen", enthüllt er. Im Gegensatz zu Michael Schumachers Eintagesausflug auf zwei Räder, würde sich Nick aber trockene Bedingungen wünschen. Ein paar Tipps könnte er sich sicherlich von Motorradpilot Steve Jenkner holen, der wie Nicks Fanclub und motorsport-magazin.com ein langjähriger Partner von Schumann Reisen ist.

Ebenfalls lange Zeit war Nick für das Schweizer Sauber Team aktiv, in welches er nach zwei Jahren bei Jordan und Williams zurückgekehrt ist. Das ehemalige Sauber-Teammitglied Patrick Walter wollte nun im Rahmen unserer Aktion von Nick wissen, ob die buchstäblich familiäre Atmosphäre wirklich nur bei Sauber existiert. Johnny Herbert soll Walter bei einem Test einmal gesagt haben: "Es ist wirklich wundervoll ein Teil des Sauber Teams zu sein. Es ist eine ehrliche Freundschaft, die einen zu guten Leistungen antreibt."

"Es ist richtig, dass bei Sauber eine spezielle Atmosphäre vorherrscht", bestätigt Nick die Eindrücke unseres Lesers. "Auf der anderen Seite wird die Stimmung in den anderen Teams nicht immer richtig dargestellt." Demnach herrsche bei McLaren oder Williams keineswegs eine so 'unterkühlte' Atmosphäre, wie es in den Medien gerne behauptet wird.

"Das einzige Mal, dass ich eine recht schlechte Atmosphäre erlebt habe, war in meinem Jahr bei Prost." Damals konnte das Team nach einem wirklichen "Katastrophenjahr" keinen einzigen Zähler herausfahren, was sich erwartungsgemäß negativ auf die Stimmung auswirkte.

Der Stimmung in unserer Gesprächsrunde tat dies aber keinen Abbruch. Stattdessen konfrontierten wir Nick mit einer Herausforderung: "Wie würde ein Auto aussehen, wenn Du es zusammenbauen müsstest?"

Nick atmet kurz durch und erwidert ehrlich: "Das würde ich mit Sicherheit nicht schaffen. Gerade ein F1-Auto ist so komplex und schwierig, dass es zum Glück andere Leute gibt die sich damit auskennen."

Für ihn ist es viel wichtiger zu wissen, welche Möglichkeiten er besitzt um etwas am Auto zu verstellen. "Also alles was die Flügel, die Spur, den Sturz, die Federn, Dämpfer, Stabilisatoren und all diese Dinge angeht. Da hänge ich mich rein und das macht mir Spaß." Davon können seine Mechaniker und Ingenieure ein Liedchen singen: Wer mit Nick zusammenarbeitet, darf sich schon einmal auf lange Datenanalyse-Meetings und Briefings freuen. Der Spaß kommt trotzdem bei all der Setup-Feilerei nicht zu kurz: "Ab und zu wechselt man mal aus Spaß ein Rad, aber das war's dann auch schon. Ein ganzes Auto könnte ich nicht zusammenbauen."

Nick studiert gerne Daten und bastelt danach am Setup., Foto: Sutton
Nick studiert gerne Daten und bastelt danach am Setup., Foto: Sutton

Da Nick sich somit endgültig als Technikkenner geoutet hat, passt unsere nächste Frage von Matthias Thoma perfekt in den Kontext: "Passend dazu haben wir jetzt noch eine ganz komplizierte Sache von einem Technikfreak unter unseren Lesern: Sowohl im TV wie auch vor Ort in Hockenheim 2005 konnte ich das Phänomen beobachten, dass bei beiden Williams die Traktionskontrolle bis nach den Kurvenausgängen extrem hart regelt. Der Unterschied zur Konkurrenz war optisch und akustisch gravierend."

Was also hat der Setup-Könner Nick Heidfeld dazu zu sagen? "Diesen Kommentar bekam man recht häufig zu hören", ist ihm das Thema nicht fremd. "In diesem Zusammenhang wurde auch oft gesagt, dass wir eine deutlich schlechtere Traktion gehabt hätten, da wir aus der Kurve heraus viel länger cutten. Also den Motor abriegeln und ihm nicht die volle Leistung geben. Aber diese Schlussfolgerung ist nicht so einfach, da es verschiedene Möglichkeiten gibt die Leistung zurückzunehmen."

Bei Williams hörte man das viel besser als bei anderen Teams, die mit anderen Möglichkeiten arbeiteten. "Wenn man beispielsweise die Drosselklappe mehr zurücknimmt, hört man die Traktionskontrolle nicht so sehr, wie wenn man Zylinder cuttet", erklärt Nick.

Doch genug der Technik. Kommen wir zu einem anderen Thema: Dem Nachwuchs. Unser Leser Stefan Frommeyer hat einen fünfeinhalb Jahre alten Sohn und fährt mit diesem Kartrennen. Leider hat er dabei die Erfahrung gemacht, dass hauptsächlich das Geld regiere und ein Normalverdiener kaum noch Chancen habe. Nun fragt er Nick: "Wie mache ich weiter? Oder muss ich meinem Sohn erklären, dass sein Talent nicht zählt, sondern nur das Geld?"

"Diese Frage ist sehr herausfordernd gestellt", beginnt Nick. Nachdem er sich seinen Ratschlag kurz überlegt hat, fährt er fort: "Das Problem gibt es leider im Motorsport und dort viel mehr als in vielen anderen Sportarten. Aber der Junge sollte sich glücklich schätzen, dass er überhaupt schon Kart fahren kann und darf." Damit bezieht sich Nick auf all jene jungen Talente, deren Eltern sich dieses Hobby überhaupt nicht leisten können.

"Zudem sollte immer der Spaß im Vordergrund stehen. So war es auch bei mir: Als ich mit 8 Jahren angefangen habe, kannte ich die Formel 1 noch gar nicht." Dennoch ist Nick Heidfeld heute einer der 20 respektive 22 Auserwählten, die an 19 Wochenenden im Jahr Vollgas geben dürfen.

"Es ist schwierig, aber man muss versuchen seinen Weg zu gehen und an sich glauben. Ich war in den letzten Jahren oft genug in der Situation, dass es drohte nicht weiterzugehen und ich habe immer daran geglaubt, dass ich es mit meinem Talent schaffen kann."

Nick glaubte immer fest daran, dass er es nach oben schaffen würde., Foto: Sutton
Nick glaubte immer fest daran, dass er es nach oben schaffen würde., Foto: Sutton

Zuletzt stand Nick vor der vergangenen Saison vor einer solch ungewissen Zukunft. Damals eröffnete ihm Sir Frank Williams wenige Minuten vor der Teampräsentation in Valencia, das er 2005 als Stammfahrer an den Start gehen würde. Aber auch zu Beginn des Jahres 2004 fand er erst in allerletzter Sekunde Unterschlupf im Team von Eddie Jordan.

Ganz anders war es in diesem Jahr: 2006 durfte Nick völlig beruhigt ins neue Jahr starten und ohne Nervosität nach Valencia zurückkehren, um dort als klare Nummer 1 des neuen BMW Sauber Teams vorgestellt zu werden.

In diese Situation wird A. Dingil aus Nicks Schweizer Wahlheimat garantiert niemals kommen. Dennoch wollte er von ihm wissen, ob es mit 29 Jahren noch Sinn mache in die Motorsportwelt einzusteigen?

"Das Wichtigste sollte es sein daran Spaß zu haben und da ist das Alter natürlich völlig unerheblich", betont Nick. "In diesem Alter ist es natürlich so gut wie unmöglich noch in die F1 zu kommen, aber andere Rennen sind auf jeden Fall möglich."

Diese Frage bietet uns die perfekte Gelegenheit auf Nicks Zukunft zu sprechen zu kommen. Beispielsweise mit Daniel Wehmayers Frage nach einem möglichen Engagement als Teamchef oder F1-Berater. Im Gegensatz zu früheren Jahren möchte Nick das heute nicht mehr "kategorisch ausschließen". Trotzdem ist er alles andere als Feuer und Flamme dafür ein Teil der uneinigen Teamchef-Welt und der endlosen Meetings zu werden.

"Es ist ohnehin falsch anzunehmen, dass ein guter Fahrer auch ein guter Teamchef ist", fügt der aus Prost-Zeiten leidgeprüfte Pilot hinzu. "Für diesen Job sind ganz andere Dinge wie die politische Arbeit wichtig und das macht mir nicht so viel Spaß."

Wenn es uns erlaubt ist, möchten wir an dieser Stelle hinzufügen: Nicht nur Nick machen 50-seitige Briefwechsel im Tages-Rhythmus und Regeländerungen im Stundentakt keinen besonders großen Spaß.

Sehr viel Spaß haben Nick und seine Freundin Patricia hingegen mit Töchterchen Juni. Sabine Müller stellte nun jene Frage, die Nick in den kommenden Jahren wohl ständig begleiten wird: "Was würden Sie sagen, wenn Ihre Tochter Ihnen und Ihrer Frau eines Tages sagt, sie möchte auch Rennfahrerin werden? Würden Sie sie darin unterstützen?"

Ob Patricia noch lächelt, wenn Juni in des Vaters Rennschuhe tritt?, Foto: Sutton
Ob Patricia noch lächelt, wenn Juni in des Vaters Rennschuhe tritt?, Foto: Sutton

"Ich auf jeden Fall", lächelt Nick uns entgegen, "meine Freundin vielleicht ein bisschen weniger. Wir haben sicherlich nicht den Wunsch, dass sie Rennfahrerin wird, aber letztendlich kann sie machen was sie möchte."

Kaum ist diese Frage beantwortet, wartet schon die nächste Aufgabe auf Nick. "Jetzt musst Du Dich warm anziehen! Die nächste Frage ist länger, als jede die ich jemals verfasst habe: Nick, während Sie sich voll und ganz auf Ihre Aufgaben als Rennfahrer konzentrieren, ist ihr jüngerer Bruder Sven auch als Co-Kommentator und Motorsport-Experte gefragt. Dabei wird er natürlich auch mit der Formel 1 konfrontiert und muss somit auch Ihre Leistungen kommentieren bzw. bewerten. Wie gehen Sie damit um? Haben Sie das Gefühl, dass er 'parteiisch' ist oder er eher versucht ist, Sie nicht zu beurteilen? Und reden Sie später darüber bzw. erklären, was wirklich passiert ist / was entscheidend für eine bestimmte Situation war, damit er einen größeren Bezug zu Ihren Entscheidungen und Handlungsweisen bekommt?"

Da heißt es erst einmal durchatmen. Glücklicherweise muss die Antwort nicht zwingend so umfangreich ausfallen, wie die Frage selbst. Denn als TV-Kommentator kommt Sven momentan noch nicht in die Zwangslage Nicks Leistungen beurteilen zu müssen. Als motorsport-magazin.com-Kolumnist jedoch schon.

Nichtsdestotrotz sieht Nick hier keine Probleme auf die Gebrüder Heidfeld zukommen. "Ich glaube nicht, dass Sven parteiisch ist, nur weil er mein Bruder ist", lautet das salomonische Urteil.

Die nächste Fanfrage kam, wie so viele andere auch, durch die elektronischen Leitungen aus dem fernen China in unsere Redaktion geflattert. "Hast Du gewusst, dass Du in China so viele Fans hast?", ist deshalb unsere Eingangsfrage. "Nein, ich habe nur gewusst, dass dort viele Menschen leben", lacht Nick.

Als die Frage in vollem Umfang laut verlesen wird, wird das Lachen noch viel stärker: "Jack Hu fragt: In China ist die Größe der Männer sehr wichtig. Ich bin genauso groß wie Sie, also fühle ich mich sehr unwohl, wenn ich neben großen Leute stehen muss. Wir wissen auch, dass die Deutschen sehr groß sind. Können Sie mir sagen, wie Sie mit dieser Situation in Ihrem Leben umgehen?"

Mit einem nicht zu übersehenden Schmunzeln auf den Lippen antwortet der 1,65 m große Nick: "Das scheint offensichtlich in China ein deutlich größeres Problem zu sein als hier in Europa. In meinen Augen ist das nicht entscheidend."

Im Auto musste Nick noch nie niesen., Foto: Sutton
Im Auto musste Nick noch nie niesen., Foto: Sutton

Da Lachen bekanntlich sowohl ansteckend als auch gesund ist, schaffen wir es nicht, die folgende Frage ohne Comedy-Einlage zu überstehen: "Hast Du schon einmal während eines GP-Wochenendes niesen müssen und daher Probleme gehabt?", wollte unser Leser Peter Schierl wissen.

"Im Auto noch nie", antwortet Nick noch ganz ernst. "Und daneben ist es relativ egal." "Ja, das bereitet keine großen Probleme. Aber ich muss ganz offen gestehen: Ich musste an einem Rennwochenende auch schon einmal niesen."

"Da wir so gut drauf sind, kommen wir jetzt zu den ganzen pseudopsychologischen Fragen: Was bedeutet für Dich Luxus?" "In der F1 kann man natürlich einiges an Geld verdienen", verrät Nick keines von Bernies großen Geheimnissen. "Das nehme ich natürlich gerne mit, aber es ist für mich nicht das Wichtigste." Noch wichtiger ist jedoch: Diese Aussage nimmt man dem sympathischen und ruhigen Zeitgenossen tatsächlich ab.

"Ich bin allerdings keiner von den Leuten die sagen, dass Geld unwichtig ist. Ich verdiene gerne Geld, um eine gewisse Sicherheit zu haben und mir einen gewissen 'Luxus' zu leisten." Allerdings bestehe dieser Luxus eher aus einem schönen Haus für seine Familie als aus Autos, Motorrädern oder Flugzeugen.

"Ein anderer Luxus ist für Dich sicherlich etwas mehr Freizeit zu haben?" "Ja, es ist ein großer Luxus Zeit für die Familie und Freunde zu haben, was in der F1 aber teilweise ziemlich schwierig ist. Durch meine Verletzung hatte ich gegen Ende der letzten Saison sehr viel Zeit, aber seit dem Beginn der Saisonvorbereitungen ist Zeit ein richtig großer Luxus."

Passend zum Luxusthema ist Daniel Bergers Frage nach Nicks erstem Auto. "Das war ein Opel Corsa mit 45 PS", sagt Nick, bevor er schelmisch hinzufügt: "Die Betonung liegt auf fünfundvierzig PS." Tiefer und breiter war das Fahrzeug allerdings nicht. "Da habe ich kein Geld reingesteckt, dass hätte sich nicht gelohnt", lacht er.

Derzeit fährt Nick mit einem BMW X5 sowie seit Anfang dieses Jahres mit einem BMW M6 durch die Schweizer Wahlheimat. Aber die Heidfeld'sche Garage hat neben den beiden BMW-Dienstwägen noch ein bisschen mehr zu bieten: "Patricia hat einen Mini Cooper S und dann haben wir noch einen alten Käfer aus dem Jahr 1967. Der ist aber schon seit zwei Jahren in der Restauration, was uns sehr, sehr nervt."

Weniger nervig empfindet Nick etwaige Besuche bei öffentlichen Veranstaltungen. Während er sich noch Gedanken darüber macht, welches Fußball-WM-Spiel er in diesem Jahr besuchen möchte, konnte er sich bei Live-Konzerten bislang weitestgehend frei bewegen.

Nicks neues Arbeitsgerät nervt ihn hoffentlich nicht so sehr., Foto: Sutton
Nicks neues Arbeitsgerät nervt ihn hoffentlich nicht so sehr., Foto: Sutton

"Das geht eigentlich recht problemlos", sagt Nick, der in der Vergangenheit keine schlechten Erfahrungen gemacht hat. Während er bei seinen letzten Konzertbesuchen bei Herbert Grönemeyer und den Rolling Stones in Zürich unerkannt blieb, gab es dennoch schon einmal Momente in denen er erkannt wurde. Oder besser gesagt beinahe erkannt wurde.

Bei Rock am Ring auf dem Nürburgring begegnete Nick einem erstaunten Gegenüber, der begeistert ausrief: "Ey geil, der sieht ja aus wie Nick Heidfeld." Nachdem Nick nur mit einem mindestens ebenso erstaunten "Echt?" geantwortet hatte, ging der Fan einfach weiter seines Weges.

Ob Nick damals durch seine Narbe am Kinn verraten wurde, ist nicht überliefert, aber für Marion Grumbd kramte er in den Erinnerungen an jenen schmerzhaften Tag, an dem er sich diese zugezogen hat.

"Genau genommen sind es gleich zwei Narben auf einmal. Die sieht man besonders gut, wenn ich nicht rasiert bin. Weil da wächst kein Haar mehr." Während die eine Narbe ihren Ursprung im Kontakt mit einer harten Box hat, zog sich Nick die andere bei einem Unfall in der Schwimmbadrutsche zu.

"Das war wahrscheinlich der schlimmste Unfall den ich je hatte, noch schlimmer als der Fahrradunfall", erinnert er sich zurück. "Damals habe ich mir anderthalb Zähne ausgeschlagen, der Oberkiefer war verrutscht und dementsprechend schmerzhaft war die OP, als ein paar Ärzte auf mir drauf hingen um den Oberkiefer wieder einzurenken."

Gut, dass sich Nick heute viel schöneren Momenten widmen kann. Beispielsweise wenn er mit seiner Tochter Juni spielt. "Das ist natürlich etwas, dass man nur schwer beschreiben kann", sagt er über seine Gefühlswelt. "Ich merke aber immer wenn ich bei ihr bin und mit ihr spiele, dass ich ein riesengroßes Lächeln im Gesicht habe." Da ist es kein Wunder, dass Nick auch während unseres Fan-Interviews die ganze Zeit dieses zufriedene Lächeln mit sich herumtrug.