Dieser Artikel erschien bereits am 30.10.2025 und wurde mit einem Statement der FIA als Reaktion auf die Anschuldigungen am 31.10.2025 aktualisiert.

Beim Formel-1-Rennen in Mexiko schrammte Liam Lawson knapp an einer Katastrophe vorbei. Nachdem er aus der Boxengasse kam, kollidierte der Racing-Bull-Pilot in Runde 3 beinahe mit einem Marshal, der gemeinsam mit einem weiteren Streckenwart die Rennstrecke gequert hatte. Zuvor hatten sie Trümmerteile einer Startkollision geborgen.

Der F1-Fahrer zeigte sich anschließend entsetzt über den Vorfall. Wie die Rennleitung am Sonntag festgestellt hatte, war der Einsatz der Marshals zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht freigegeben gewesen. Warum es dennoch zu dem Vorfall kam, ist Teil einer weiteren Untersuchung durch den Weltverband.

Gelbe Flaggen missachtet? Schwere Vorwürfe gegen Liam Lawson

Nun meldete sich der mexikanische Motorsport-Verband in einer Pressemitteilung zu Wort und nimmt in dieser Liam Lawson ins Visier. Es wird argumentiert, dass der Racing-Bulls-Fahrer nicht dem FIA-Regelwerk gemäß gehandelt habe, und dadurch mindestens eine Teilschuld von Lawson impliziert. In der Mitteilung wird darauf hingewiesen, dass zu dem Zeitpunkt in dem betreffenden Abschnitt doppelt gelbe Flaggen gezeigt wurden.

Laut Artikel 2.5.5 b) von Anhang H des internationalen Sportkodex der FIA ist definiert, was in so einem Fall die Aufgabe des Fahrers ist. Er muss seine Geschwindigkeit signifikant reduzieren, darf nicht überholen und muss vorbereitet sein, seine Richtung zu ändern oder anzuhalten. Lawson reduzierte seine Geschwindigkeit bereits vor dem Kurveneingang um 10 Km/h verglichen mit der vorherigen Runde und verlangsamte anschließend weiter. Zwischen Kurve 1 und 2 lag seine Geschwindigkeit so zeitweise mehr als 30 Km/h unter dem Wert der vorherigen Runde.

Der mexikanische Verband argumentiert aber, dass der F1-Fahrer seine Lenkrichtung trotz der gerade die Strecke querenden Streckenposten nicht verändert habe und das, obwohl sich diese bereits seit vor seiner Einfahrt in die Kurve in seinem Sichtfeld befanden. Lawson hatte den Marshal, der als zweiter die Strecke überquerte, um wieder zurück an seine Position zu gelangen, nur um wenige Meter verfehlt. Er ist sich offenbar keiner Schuld bewusst und hatte die Aktion nach dem Rennen als "inakzeptabel" bezeichnet.

Die Missachtung einer gelben Flagge wäre ein schweres Vergehen, das teils drastische sportliche Strafen nach sich ziehen würde. Die Rennleitung rund um Rui Marques sah am Sonntag keinen Anlass, den Zwischenfall für eine offizielle Untersuchung an die Stewards weiterzugeben. Demnach ging man von offizieller Seite von keiner Schuld des Piloten aus.

Update vom 31.10.2025: Das bekräftigte die FIA in einem Statement als Reaktion auf die Anschuldigungen aus Mexiko. "Er hat angemessen verlangsamst und korrekt auf Doppelt Gelb an dieser Stelle reagiert. Er hat früher gebremst als in vorangegangen Runden und ist deutlich langsamer in Kurve 1 gefahren. Ihn trifft an diesem Zwischenfall keine Schuld", so die FIA, deren genaue Analyse noch andauert.

Warum waren die Marshals auf der Strecke? Keine Antwort auf die FIA-Untersuchung

Der Verband geht in seiner Mitteilung nicht auf die Erklärung der FIA umgehend nach dem Rennen ein. In dieser hatte der Weltverband nämlich mitgeteilt, dass man ursprünglich die Marshals in Bereitschaft versetzt hatte, die Trümmer von der Strecke zu bergen. Diese Anweisung wurde aber aufgrund des Boxenstopps von Lawson zurückgezogen.

Demnach lag keine Genehmigung der Rennleitung für den Einsatz der Marshals vor. Diese ist allerdings unbedingt erforderlich. Die Besetzung der Marshal-Posten rund um die Strecke mit qualifiziertem und richtig ausgebildetem Personal ist laut dem entsprechenden Anhang des internationalen Sportkodex Aufgabe des nationalen Verbandes. So sind an jedem Hauptposten ein Postenchef und ein Stellvertreter positioniert, die einer Sonderprüfung des nationalen Verbandes unterzogen wurden und sich jederzeit mit der Rennleitung in Funk-Kontakt befinden.

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