Jeder der die Marke Red Bull kennt weiß, dass Firmenboss Dietrich Mateschitz nichts von halben Sachen hält. Nicht umsonst engagierten die Bullen aus Milton Keynes den als Genie geltenden Adrian Newey. Der Stardesigner sieht in seiner Aufgabe bei Red Bull eine neue Herausforderung, nachdem er seit 1997 bei McLaren unter Vertrag gestanden hatte. Nach der guten ersten Saison des Dosenteams, kehrte in Jerez in der ersten Testwoche des neuen Jahres jedoch die große Ernüchterung ein.
Nicht nur, dass der RB2 an den ersten drei Tagen am Ende der Zeitentabelle zu finden war, Red Bull Racing kämpfte auch mit gravierenden Kinderkrankheiten. Der Ferrari-V8 im Heck des Boliden produziert zu viel unerwartete Wärme. Ansonsten plagten sich die Techniker die meiste Zeit mit kleineren Problemen an der Elektronik oder dem Getriebeölsystem herum. Diese sind für ein neues Auto aber durchaus normal. Dennoch benahm sich "sexy Lady" bei ihrem ersten Testauftritt ziemlich zickig.

Auch Adrian Newey, der bei den Tests anwesend war, zeigte sich negativ überrascht von den Problemen des neuen Fahrzeuges. "Ich hätte nicht gedacht, dass es ein so gravierendes Problem sein könnte", gestand Newey offen über die Probleme mit dem überhitzenden Ferrari-Aggregat ein.
Dies soll aber auf keinen Fall den Anschein erwecken, dass man sich in Milton Keynes über den Winter auf die faule Haut gelegt habe. Der neue RB2 unterscheidet sich wesentlich von seinem erfolgreichen Vorgänger. Von der Nase bis zum Heck präsentiert sich das gesamte Auto in neuen Formen.
Die Nase wurde verbreitert und ähnelt nun jener von McLaren, allerdings trägt der RB2 die Nasenspitze um einiges höher. Der Frontflügel blieb bis dato unangetastet, was sich jedoch bis zum Saisonstart noch ändern dürfte.
Umso weiter man sich Richtung Heck bewegt, desto interessanter wird der neue Bulle. Wie Renault setzt RBR auf sehr kleine Seitenkästen, die einen Einzug zum Chassis aufweisen. Die Kühlprobleme der ersten Testwoche lassen darauf schließen, dass die Briten in diesem Bereich vielleicht zu viel riskiert haben.
Die Seitenkästen weisen einen einzigartig starken Einzug auf, welcher durch die Cola-Flaschenform des Hecks verstärkt wird. Die Techniker haben der Aerodynamik anscheinend alles andere untergeordnet, denn durch den starken Einzug besteht die Gefahr eines Hitzestaus unterhalb der Abdeckung.
Um die Temperatur halbwegs in Grenzen zu halten, wurden extrem lange Kühlkamine auf die Abdeckung montiert. Wie die ersten Tests in Jerez bewiesen haben, war dies anscheinend noch nicht genug. Um die Testwoche trotzdem halbwegs erfolgreich abschließen zu können, musste improvisiert werden. Bei Red Bull entschied man sich dazu große Löcher in die Heckabdeckung zu schneiden, um die heiße Luft auf diese Weise an die Oberfläche zu befördern. Dass solche Löcher die Aerodynamik beträchtlich stören, musste in Kauf genommen werden.
Wie Renault und Toyota setzen die Bullen bei ihrem neuen Fahrzeug auf einen Zusatzflügel an der Airbox. Dieser Flügel besitzt zirka die gleiche Größe wie jener am TF106.

Vor den Hinterrädern sind die gleichen Flaps zu finden wie bereits am alten Modell. Die Techniker erhoffen sich dadurch zusätzlichen Abtrieb und einen ruhigeren Luftstrom am Heck des Wagens. Was von oben betrachtet sofort ins Auge sticht, ist das äußerst schmale Heck des RB2. Die Briten haben in diesem Zusammenhang sogar die französischen Techniker von Renault um eine Spur übertroffen.
Obwohl der RB2 im Moment noch an einigen Kinderkrankheiten leidet, besitzt er noch ausreichend Potenzial, welches es seitens des Teams auszunutzen gilt. Den richtigen Doktor hat man dafür bereits gefunden: Nicht umsonst meinte Niki Lauda, dass kein Arzt die Kinderkrankheiten des neuen Wagens schneller in den Griff bekommen könnte als Adrian Newey.

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