Die Rookies in der Königsklasse - im Durchschnitt gab es in den letzten Jahren jeweils rund vier neue Gesichter in der Formel 1 zu bewundern. Der Rookie-Jahrgang 2006 beinhaltet derzeit nur den US-Boy Scott Speed und GP2-Champion Nico Rosberg - und weil bei Super Aguri der Japaner Takuma Sato als gesetzt gilt, wird der kommende Rookie-Jahrgang maximal drei Piloten umfassen. Und auch das ist nicht sicher - sollte Aguri Suzuki den Briten Anthony Davidson von Beginn an in den zweiten Arrows setzen, hätten wir in Bahrain nur zwei wirkliche Debütanten in der Formel 1.

Es war schon immer schwierig, in die oberste Rennserie des Automobilrennsports zu gelangen. Doch nun scheint es für die Jungrennfahrer noch härter zu werden, obwohl die Formel 1 erstmals seit Jahren Zuwachs erhielt und in diesem Jahr höchst wahrscheinlich 22 Stammcockpits zur Verfügung stehen. Ein verschärfendes Element ist die Übernahme von Minardi durch Red Bull. Der kleine italienische Rennstall war das Rookie-Sprungbrett schlechthin. Als Scuderia Toro Rosso kann man auf junge Bezahlfahrer verzichten und man wird natürlich stets die eigenen Sprösslinge in die Autos setzen. Und auch bei MF1 Racing hat man auf jene Piloten gesetzt, die zumindest ein Jahr an Erfahrung aufweisen können. Und auch wenn das Ende des Paydrivertums durchaus positiv zu interpretieren ist, hat sich die Lage für aufstrebende Talente in gewisser Weise stark verschärft.

Man stelle sich vor: Ein Leben lang, eventuell schon ab dem fünften oder gar dem dritten Lebensjahr, hat man nur ein Ziel vor den Augen - die Formel 1. Man kämpft sich hoch. Man gewinnt tatsächlich Rennen. Vielleicht sogar eine Meisterschaft. Und man steigt auf. Doch kurz vor dem Zenit ist dann plötzlich Endstation. Der Rookie-Stau, sozusagen. Das ist fürchterlich für die Betroffenen. Wie ergeht es einem Franck Montagny, wenn er lesen muss, der Formel 1 fehle ein schneller Franzose? Was fühlt ein Patrick Friesacher, wenn er ein F1-Auto erblickt? Was denkt sich Narain Karthikeyan, wenn er hoffen muss, überhaupt noch einen Testslot in der Königsklasse ergattern zu können - selbst wenn ganz Indien hinter ihm steht?

Anthony Davidson möchte endlich Rennen fahren..., Foto: Sutton
Anthony Davidson möchte endlich Rennen fahren..., Foto: Sutton

Oder das britische Supertalent Anthony Davidson, der immer noch ein weiteres Testjahr anhängen musste. Davidson soll auch jetzt wieder daran denken, noch ein Jahr als Honda-Tester zu arbeiten. Super Aguri plant angeblich, zumindest am Saisonbeginn einen jungen Japaner ins zweite Auto zu setzen - Yuji Ide, Kosuke Matsuura oder Sakon Yamamoto sind im Gespräch. Vielleicht könnte Davidson ab Europa das zweite Renncockpit übernehmen, wenn der erste Eigenbau-Bolide SA106 sein Debüt geben soll. Aber sicher ist nichts. Davidson droht das Verenden am Testabstellgleis. Er wäre nicht der Einzige...

Ricardo Zonta galt als das neue brasilianische Kaliber, ob er jemals wieder ein Formel 1-Rennen bestreiten wird, ist fraglich. Alex Wurz wollte unbedingt wieder Rennen fahren, jetzt hofft er bei Williams auf eine Beförderung im Jahr 2007 oder einen Substitutionseinsatz in der kommenden Saison. Da nützte auch sein beeindruckendes Renncomeback als Montoya-Ersatz in Imola nichts. Und auch Pedro de la Rosa sitzt wieder im Testwagen, auch wenn er bei seinem Montoya-Ersatzeinsatz gekämpft hat wie ein Löwe.

Doch all diese Piloten müssen froh sein, dass sie überhaupt einen Fuß in die Formel 1-Tür stellen konnten. Es gibt zahlreiche Newcomer, die in den Nachwuchsformeln geleuchtet haben und brillieren konnten und es dennoch nicht in die Formel 1 geschafft haben. Wer erinnert sich noch an Augusto Farfus, der als einer der kommenden Superstars im Formelrennsport galt? Oder Sebastien Bourdais, auch ein sehr schneller Franzose. Für die Pastorellis, die Winkelhocks und Kubicas dieser Formel 1-Welt wird es jedenfalls nicht gerade leichter, ihr Lebensziel zu erreichen. Nicht einmal Supertalent Heikki Kovalainen kann sicher sein, dass er jemals einen Formel 1-Start aus dem Cockpit heraus erleben wird. Es ist eben verdammt hart, ein Rookie zu sein.