Auf den ersten Blick mögen sich Alex Shnaider und Dietrich Mateschitz nicht gerade ähneln. Dennoch besitzen beide einige Gemeinsamkeiten. Sie betreiben mit Midland und Red Bull erfolgreiche Unternehmen, haben im vergangenen Jahr einen Formel 1 Rennstall übernommen und stehen nun vor der Aufgabe diesen in eine glorreiche Zukunft zu führen. Die Wege dorthin unterscheiden sich allerdings nachhaltig.
Die Anfänge
Als Red Bull im November des letzten Jahres den von Ford zum Verkauf gestellten Jaguar Rennstall übernahm, standen zwei Dinge im Vordergrund: Der PR- und Image-Effekt für das Marketing der beflügelnden Dosenprodukte sowie die Vollendung des Nachwuchsprogramms; nun konnten Red Bull Schützlinge vom Kartsport bis in die Königsklasse begleitet werden.

Mit dem Kauf des zweiten F1-Teams innerhalb von nur zehn Monaten setzte Dietrich Mateschitz diesen Trend zuletzt fort. Mit dem derzeit "Red Bull Rookies Team" getauften Minardi-Nachfolger erhöhte Red Bull sein Cockpitkontingent. "Wenn es uns ein dringliches Anliegen ist, mehr Red Bull Junioren in die F1 zu bringen, müssen wir die Anzahl der eigenen Cockpits erhöhen", begründete Mateschitz diesen Schritt, den sein Team natürlich auch "betriebswirtschaftlich" genau durchleuchtet hat.
Shnaider stieg hingegen aus einem anderen Grund in die F1 ein. "Weil wir an den Sport glauben; wir sind Formel 1-Fans", verriet er der Motorsport aktuell. "Aber natürlich spielte auch die Aussicht einer möglichen Ausweitung unserer Geschäftsfelder eine Rolle."
Denn wo könnte der Stahlkonzern Midland besser mit potenziellen Kunden in der Automobilindustrie in Kontakt treten als in der Königsklasse des automobilen Motorsports?
Die Gegenwart
Die erste Saison von Red Bull Racing darf bereits drei Rennen vor Saisonende als voller Erfolg bezeichnet werden. Das Team konnte von Beginn an mit unerwartet starken Leistungen überzeugen und dank seiner Imge-Kampagne einen dringend nötigen frischen Wind in den F1-Paddock bringen.

Etwas anders sieht die Situation bei Jordan aus. Dort verlief die letzte Saison unter dem Namen Jordan GP nicht unbedingt perfekt. Die Höhepunkte lassen sich mit den Punktegewinnen in Indianapolis und Belgien an zwei Fingern abzählen. Einen Grund dafür sieht Shnaider in der schlechten finanziellen Verfassung in welcher er das Team von Eddie Jordan übernommen hat.
"Wir mussten Schulden tilgen, die Teil des Kaufpreises waren, die Einsatzkosten schultern und die Entwicklung des Autos für 2006 bezahlen", so Shnaider. "All das tun wir in ausreichendem Maße, wobei die Entwicklung, wichtiger ist als die Einsätze 2005."
Dennoch betont der Midland-Boss, dass er "so viel" Geld in das Team stecken musste, "dass ich längst vom Aufsichtsrat entlassen worden wäre, wenn Midland eine Aktiengesellschaft wäre."
Die Zukunft
Für die Zukunft malt sich der Midland-Boss aber bessere Zeiten aus. So sei das Engagement des Konzerns mindestens bis zum Inkrafttreten des neuen Reglements und Concorde Agreements ab 2008 sicher. "Es gibt immer ein nächstes Jahr. Und da die F1 vor allem eine emotionale Sache ist, würde ich dabei bleiben - es sei denn, mir geht wirklich die Geduld aus."

"Doch bis 2008 kann das gar nicht passieren. Diese drei Jahre haben wir uns intern auf jeden Fall Zeit gegeben, das Team neu zu organisieren und wieder nach vorn zu bringen." Dann möchte man von den neu verteilten Einnahmentöpfen und den enger zusammengerückten Budgets der Teams profitieren.
Auch für Dietrich Mateschitz wird diese Zeit der Neuordnung einige Vorteile mit sich bringen. Etwa jene, dass sein B-Team dann mit den Vorjahresboliden von Red Bull Racing antreten dürfte. Vorerst interessiert den Energy Drink Patron allerdings nur die kurzfristige Perspektive 2006 und 2007.
"Jetzt haben wir zwei Teams. Das heißt: Doppelte Verantwortung, vielleicht auch doppeltes Kopfweh", beschreibt Mateschitz die Situation. Trotzdem geht er davon aus nicht nur bei RBR 2006 ein "besseres Auto" zu besitzen. "Wir müssen nach Faenza fahren und analysieren. Dort sind nicht allzu viele Leute. Der Stamm muss sicher ergänzt und verstärkt werden. Es muss investiert werden. Anders geht das nicht."
Auf das Flaggschiff Red Bull Racing soll das aber keinen Einfluss haben. Es soll kein Personal aus der Fabrik in Milton Keynes abgezogen und nach Faenza geschickt werden. "Wir müssen Minardi verstärken, ohne Leute von Red Bull Racing abzuziehen. Es wäre der größte Fehler, Know-how von RBR abzuziehen und nach Italien zu transferieren."

Denn die "vordringlichste Aufgabe muss es nach wie vor sein Red Bull Racing diesen Schritt vorwärts zu bringen", um mit dem neuen Ferrari-Motor und dem neuen RB2 konstant um Punkteränge und vielleicht den ein oder anderen Podestplatz mitzufahren.
Optisch wird dieser Unterschied zwischen den beiden "unabhängigen" und "in Konkurrenz" stehenden Teams auf alle Fälle zu sehen sein. "Die Autos gehören klar voneinander differenziert. Aber es wird ein paar gemeinsame Elemente geben."
Allerdings nicht bei den Co-Sponsoren: Diese sollen jetzt zum Rookies Team umgeleitet werden, damit der RBR-Renner weiterhin in den Hausfarben Erfolge einfahren kann. "Bei RBR haben wir gesagt, wir machen den Einstieg für andere Sponsoren schwierig und teuer. Bei den Rookies sind Co-Sponsoren hingegen willkommen."
Und auch bei MidlandF1 sind neue Sponsoren im nächsten Jahr jederzeit willkommen. Obwohl dies eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Teams und Teambesitzer ist, sind die Voraussetzungen dafür absolut gegensätzlich: Midland braucht die Sponsoren um nicht zu viel Firmengelder zuschießen zu müssen, Red Bull duldet sie hingegen nur im Zweitteam neben sich. Das ist nur ein kleiner, dafür aber entscheidender Unterschied...



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