Sie haben riesige, prall gefüllte Koffer, reiche Eltern, gut betuchte Sponsoren und dicke Muskeln. Letztere allerdings nicht, weil sie mit den G-Kräften eines F1-Boliden fast im Schlaf umgehen können, sondern weil sie die schweren Geldkoffer von einem Teamchefbüro ins nächste schleppen müssen.
Waren die Pay Driver vor einiger Zeit noch groß in Mode und wurde in der Presse vor einem Überhandnehmen des Bezahlfahrer-Phänomens gewarnt, scheinen sie nun Ende 2005 in der Königsklasse des Motorsports zu den vom Aussterben bedrohten Arten zu zählen.

Nach der Übernahme des Minardi Teams durch Red Bull, erfüllt nur noch das Jordan Team die Voraussetzungen eines typischen Rennstalls mit käuflichen Cockpits. Aber auch das könnte sich 2006 ändern, wenn aus dem Ex-Team von Eddie Jordan offiziell das MidlandF1 Team wird. Dann könnte der natürliche Lebensraum der Pay Driver in der Formel 1 von deren Erzfeinden besetzt sein: Den wirklich talentierten Fahrern in finanziell unabhängigen Werksteams.
"Wenn wir durch den Kauf von Minardi die käuflichen Cockpits los werden, dann kommen nur noch Fahrer in die F1, die es verdient haben", bestätigte Red Bull Racing Teamboss Christian Horner diese Theorie gegenüber Reuters. "Wir suchen unsere Fahrer auf Grundlage ihrer Fähigkeiten aus."
Dennoch sieht B·A·R-Boss Nick Fry in dieser Entwicklung ein Problem; allerdings nicht in der Ausrottung der Pay Driver Plätze, sondern in der Beseitigung von Cockpit-Möglichkeiten für Jungtalente außerhalb des Red Bull Programms. Denn diese werden kaum den Sprung in eines der beiden Junior Cockpits schaffen.
"Es sieht so aus, als ob es momentan schwierig wäre in ein Cockpit zu kommen, wenn man kein Red Bull Nachwuchsfahrer ist", kritisiert Fry. "Red Bull wird keinen Fahrer eines anderen Teams nehmen. Warum sollten sie das auch machen, wenn dieser nicht langfristig bei ihnen unter Vertrag steht? Mit dem Minardi Verkauf wurden also möglicherweise die Chancen für junge Fahrer anderer Teams noch einmal verschlechtert."
Unrecht hat Fry damit nicht. Fahrer wie Mark Webber, Fernando Alonso, Jarno Trulli oder Giancarlo Fisichella haben alle ihre Karrieren bei Minardi begonnen. Da sie aber alle bei Flavio Briatore unter Vertrag standen, hätten sie in den modernen Red Bull Zeiten keine Chance auf ein Cockpit gehabt. Das gleiche dürfte nun für den nächsten Briatore-Schützling gelten: Heikki Kovalainen.
Schließlich werden die roten Bullen immer ihre Nachwuchsfahrer wie Neel Jani oder Scott Speed ihrem GP2-Konkurrenten vorziehen, der obendrein auch noch als Renault Nachwuchsfahrer bei den Franzosen und Briatore unter Vertrag steht.

Einen Direkteinstieg der jungen Piloten bei einem der Top-Teams schließt Fry ebenfalls aus. "Man darf da keine Risiken eingehen. Und ein junger Fahrer wäre ein großes Risiko."
Aber nicht nur das: "Wir sind ziemlich besorgt über die Ausbildung junger Fahrer", stößt Fry ins gleiche Horn wie Toyota-Chefdesigner Gustav Brunner, der durch die gekürzten Testmöglichkeiten in allen Rennserien technisch weniger versierte Fahrer befürchtet.
"Die Formel 1 ist sehr komplex, man kann sie nirgends lernen - außer eben in der Formel 1", sagt Brunner. "Der ganze Motorsport hat eine Krise - in allen Nachwuchsformeln sind die Tests limitiert. Da bleibt dann keine Zeit, um mit dem Auto zu spielen: Dämpfer, Flügel, Bodenfreiheit - du bekommst null Erfahrung im Autoabstimmen und du lernst nichts über Reifen. So wenig ausgebildete Fahrer helfen uns nicht!"
Und zwar egal ob sie Geld oder Talent mitbringen. Das viel umjubelte Ende der Pay Driver, könnte demnach also auch das Ende des nicht von den roten Bullen unterstützten Nachwuchses bedeuten.



diese Formel 1 Nachricht