Formel 1 / Rennbericht

Belgien GP: Räikkönen wahrt seine letzte Chance

Die Titelchance von Kimi Räikkönen ist gering. In Spa unternahm er dennoch alles Notwendige um diese Chance aufrecht zu erhalten.
von Stephan Heublein

Motorsport-Magazin.com - Wenn Kimi Räikkönen seine minimale WM-Chancen noch nutzen wollte, dann musste für McLaren in Belgien alles glatt und perfekt laufen. Und wie so oft in diesem Jahr lief es nur bis kurz vor Schluss perfekt für die Silbernen: Dann schied Juan Pablo Montoya auf Platz 2 liegend aus und bescherte Fernando Alonso somit wichtige Punkte im Titelkampf.

Das Wetter Viel wurde vor dem Rennen über den Regen gesprochen. Zu Rennbeginn gab es allerdings nur eine nasse Strecke. Keine Regenfälle. Bis auf Minardi setzten deshalb alle Teams auf die leichten Regenreifen. Die Minardi-Strategie mit den 'heavy wets' zu starten ging hingegen nach hinten los.

Der Start Trotz der Angst vor der Gischt und der La Source Haarnadel verlief der Start in den Belgien GP reibungslos. Keine Kollisionen und keine beschädigten Boliden. Der große Gewinner des Starts war Takuma Sato, der von Startplatz zehn auf sechs nach vorne fuhr. Für Ralf Schumacher ging es hingegen von Platz fünf auf Rang acht nach hinten.

Die Überholmanöver In einer ruhigen Anfangsphase sorgte einzig und allein der wegen eines Motorwechels strafversetzte Giancarlo Fisichella für Action. Mit Überholmanövern gegen Mark Webber, David Coulthard und Felipe Massa kämpfte er sich langsam durch das Feld. Danach lief er auf Jenson Button auf, der sich seinerseits zuvor seinem Teamkollegen Takuma Sato sowie Ralf Schumacher geschlagen geben musste. Und auch Fisichella konnte er nicht lange halten. Mehr Gegenwehr gab es für Jenson Button später im Kampf gegen Jacques Villeneuve. Nach einigen Abwehrversuchen konnte der Brite den Kanadier allerdings überholen.

Die Zwischenfälle Die Aufholjagd des Giancarlo Fisichella endete nach zehn Runden höchst unsanft, als der Römer mit seinem Renault in der Eau Rouge auf den Randstein kam und heftig in die Reifenstapel einschlug. Den zweiten Unfall des Rennens gab es gleich im Anschluss an die Safety-Car Phase: Takuma Sato fuhr direkt beim Re-Start Michael Schumacher eingangs der La Source ins Heck und beendete damit das Rennen beider Piloten. Ohne Zusammenstoß ging derweil ein Duell zwischen Jacques Villeneuve und Narain Karthikeyan über die Bühne. Für den Inder bedeutete es dennoch eine spektakuläre Flugeinlage über die nassen belgischen Wiesen. Wiederum unsanft schied Jarno Trulli aus dem Rennen: Er parkte seinen Toyota halb unter den Reifenstapeln.

Die Boxenstopps Kaum war Fisichella in Eau Rouge eingeschlagen und das Safety-Car auf die Strecke gegangen, begann in der Boxengasse der Hochbetrieb des Wochenendes. Besonders clever agierte dabei Kimi Räikkönen, der zusammen mit seinem Teamkollegen in die Box einbog, die hinter ihm fahrenden Piloten jedoch in der Boxeneinfahrt einbremste, um nicht zu viel Zeit beim Warten hinter dem Kolumbianer zu verlieren. Eine Runde später ging das Spielchen erneut los: Schließlich durften die Teams nicht parallel tanken und Reifen wechseln.

Die Reifen Nicht die Performance der Reifen, sondern die Wahl der richtigen Reifen spielte heute eine entscheidende Bedeutung. Falsch war es von Minardi zu Rennbeginn auf die 'heavy wets' zu setzen. Ebenso falsch war es von einigen Fahrern, darunter Michael und Ralf Schumacher, zu früh auf Trockenreifen zu wechseln. Die von den Tifosi erhoffte Dominanz der Bridgestone-Regenreifen blieb ebenfalls aus.

Die Ausfälle Nach den unfallbedingten Ausfällen von Fisichella, M. Schumacher und Sato wurde David Coulthard das erste Opfer eines technischen Defekts. Er musste seinen RB1 in der La Source rauchend abstellen. Die nächsten Ausfälle waren wieder unfallbedingt: Jarno Trulli rutschte in seinem TF105 in die Reifenstapel und Antonio Pizzonia sowie Juan Pablo Montoya kollidierten miteinander.

Das Mittelfeld Zwar ausgefallen, aber aufgrund ihres Vorsprungs noch gewertet landeten Pizzonia und Montoya auf den Rängen 12 und 15 des Endergebnisses. Dazwischen rangierten sich die beiden Minardi von Christijan Albers und Robert Doornbos ein. Davor belegten Narain Karthikeyan, Felipe Massa und Christian Klien die Plätze außerhalb der Punkteränge.

Die Punkteplatzierungen Den letzten WM-Punkt ergatterte sich unterdessen der Dritte von Indianapolis: Tiago Monteiro. Immerhin noch zwei Punkte für Rang sieben sicherte sich Ralf Schumacher, der nach einer Fehlentscheidung von Trocken- auf Regenreifen zurück wechseln musste. Die Ränge fünf und sechs gingen derweil an Rubens Barrichello und Jacques Villeneuve. Den letzten Plätze hinter dem Podium errang Mark Webber, der in den letzten sechs Runden mit Trockenreifen noch einmal nach vorne fahren konnte.

Das Podium Etwas überraschend stand am Ende Jenson Button neben Fernando Alonso und Kimi Räikkönen auf dem Siegerpodest. Während Button ein ereignisreiches Rennen erlebte, fuhr der Spanier einen relativ unspektakulären Grand Prix. Aber genau so fährt der WM-Spitzenreiter schon seit vielen Wochen: Konstant, fehlerfrei und ohne unnötige Risiken.

Der Sieger Für Kimi Räikkönen lief heute alles nach Plan. Jedenfalls alles was in seiner Macht lag. Er hielt sich aus allen Zwischenfällen heraus, traf die richtigen Reifenentscheidungen, zeigte eine clevere Boxeneinfahrt, passierte seinen Teamkollegen an der Box und feierte einen ungefährdeten Sieg. Zum Wunschergebnis fehlte ihm allerdings ein zweites silbernes Auto auf dem Podest.

Die Stimmen

Kimi Räikkönen: Ich bin in der Safety-Car Phase an die Box gegangen und musste danach etwas vorsichtig fahren, um die Reifen nicht zu gefährden. Danach konnte ich aber wieder Gas geben. Wir hätten heute einen Doppelsieg holen können. Das wäre perfekt gewesen. Aber leider hatten wir wieder Pech. Mit meinem Auto war ich sehr zufrieden, aber es hätte einfach beide Autos auf dem Podium landen müssen. So können wir den WM-Titel nicht mehr holen, aber wir werden weiter versuchen so viele Punkte zu holen. Insbesondere für die Konsturkteurs-WM.

Fernando Alonso: Die Bedingungen waren heute für alle sehr schwierig. Wir haben ein gutes Auto und wollten nicht zu viel riskieren. Das Wetter hat uns nicht gerade geholfen, da ein normales Rennen für uns besser gewesen wäre. Wir gaben dennoch unser Bestes und haben keine Fehler gemacht. Ich wollte mich einfach zurückhalten und Punkte holen. Deswegen gingen wir auch bei den Reifen kein Risiko ein und wechselten nicht von Intermediates auf Trockenreifen.

Jenson Button: Zu Beginn des Rennens hätte ich es nicht erwartet auf dem Podium zu stehen. Denn ich hatte riesige Probleme mit dem Fahrverhalten. In den letzten Runden konnte ich aber viel aufholen und nach vorne kommen.

Die WM-Wertungen Noch ist nichts entschieden. Aber trotz seines Sieges wird die Aufgabe für Kimi Räikkönen nicht gerade einfach: Er konnte nur zwei Punkte auf Alonso aufholen und liegt damit 25 Zähler hinter dem Finnen. Bei drei noch ausstehenden Rennen bedeutet dies, dass Räikkönen alle Grand Prix gewinnen und Alonso nur noch maximal vier Zähler holen darf.

In der Konstrukteurswertung lag McLaren bis vier Runden vor Schluss in Führung. Durch den Ausfall von Montoya konnten die Silbernen aber auch hier nur zwei Punkte auf Renault gutmachen und liegen damit weiter auf dem zweiten Platz der Team-WM.


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