Formel 1 / Historisches

Formel 1: Was wurde eigentlich aus Jaime Alguersuari?

Britischer Formel-3-Champion, Hoffnungsträger von Red Bull, Jüngster F1-Pilot aller Zeiten. Wohin verschwand eigentlich Jaime Alguersuari?
von Florian Niedermair

Motorsport-Magazin.com - Die Coronakrise lässt noch immer keinen Motorsport zu und neben unseren "On This Day"-Aritkeln bringen wir ein neues Format auf die Bühne: Was wurde eigentlich aus... Hier blicken wir jede Woche auf die Laufbahn von Fahrern, die sich nicht in der Formel 1 halten konnten und in den Tiefen der Motorsport-Welt versunken sind. Heute: Jaime Alguersuari.

2009 als bis dahin jüngster Formel-1-Pilot bei Toro Rosso unterwegs, nur zwei Jahr später das Aus und das Verschwinden ins Nirgendwo. So schnell wie Jaime Alguersuari in die Königsklasse aufgestiegen war, so schnell verschwand er auch wieder aus den Höhen der Motorsport-Welt. Eine Karriere als Musterbeispiel, wie das Red-Bull-Nachwuchsprogramm scheitern kann.

Geboren in Barcelona, stieg Jaime Alguersuari 2005 in die den Formelsport ein. Und war auf Anhieb vorne dabei. In der italienischen Formula Junior 1.6 erreichte der Rookie die dritte Position. Auch wenn das Fahrerfeld der Serie nicht sonderlich stark besetzt war, überzeugten die Auftritte des jungen Katalanen Helmut Marko und er wurde in das Red-Bull-Junior Programm aufgenommen.

Rasanter Aufstieg

Es folgte sein Aufstieg in die Formel Renault, wo er sich trotz einer makellosen Leistung in der italienischen Winterserie – 4 Siege in 4 Rennen, noch schwer tat. Die italienische Hauptserie schloss er mit einem Podium auf dem 10. Rang ab, im Eurocup klassifizierte er sich auf Rang 12, blieb damit aber immerhin noch vor seinem direkten Konkurrenten im RB-Nachwuchsteam, Brendon Hartley – Der Neuseeländer taucht in seiner weiteren Karriere noch öfter auf.

Foto: Sutton

Wohl auch deshalb hielt Red Bull auch 2007 an dem Katalanen fest. Alguersuari bedankte sich mit besseren Leistungen. Die italienische Formel-Renault-Meisterschaft beendete er mit drei Siegen auf dem zweiten Platz. Geschlagen nur von seinem Teamkollegen Mika Mäki. Aber vor Fahrern wie Oliver Turvey, Roberto Merhi, Daniel Ricciardo und Brendon Hartley. Im ähnlich stark besetzten Eurocup musste er sich hingegen ohne Sieg mit Rang 5 begnügen. Der Titel ging an – dreimal dürft ihr raten – Genau! Brendon Hartley. 2008 zog es Alguersuari dann weiter in die britische Formel 3. Nach einem Sieg beim Auftaktwochenende und konstanten Leistungen in der Mitte der Saison lief er zum Finale zur Höchstform auf und sicherte sich den Titel.

2009 folgte der Aufstieg in die Formel Renault 3.5, wo er dank konstanter Leistungen zu Mitte der Saison in der Hackordnung von Red Bull aufstieg und Brendon Hartley, der Schwierigkeiten mit dem stärkeren Formel-Renault-Fahrzeug hatte, als F1-Testfahrer ersetzte. Das Timing für den Wechsel hätte nicht besser sein können. Denn nur zwei Wochen später setzte Toro Rosso Sebastien Bourdais vor die Tür und der erst 19-jährige Alguersuari übernahm seinen Platz.

Zu früh in der Formel 1?

Sein F1-Debüt feierte Alguersuari beim Großen Preis von Ungarn und wurde im Haifischbecken der Formel 1 direkt ins kalte Wasser geworfen. Im Qualifying belegte der Katalane den 20. Platz, fast acht Zehntel hinter Teamkollege Sebastien Buemi. Im Rennen konnte er dann immerhin nach einem Dreher von Buemi, die rote Laterne an seinen Teamkollegen loswerden. In einer ähnlichen Manier ging es in der restlichen Saison weiter. Im Qualifying unterlag er Buemi jedes Mal und auch im Rennen hütete der Spanier meist nur die letzte Position, sofern er denn das Ziel erreichte, was bei 5 von 8 Rennen nicht der Fall war. Ohne einen Punkte beendete er die Saison.

Foto: Sutton

In seinem zweiten Formel-1-Jahr war Alguersuari schon deutlich konkurrenzfähiger unterwegs als noch in der Vorsaison. Vor allem im Renntrim zeigte er eine deutliche Steigerung. Im Vergleich zu Buemi war er immer öfter auch Augenhöhe unterwegs. Dennoch erwies sich das Punktesammeln im schwachen Toro Rosso als eine schwierige Angelegenheit. Nur dreimal schaffte er es in die Top-10 und beendete das Jahr mit fünf Zählern, drei Punkte hinter Buemi. Obwohl er dem Schweizer im Qualifying-Duell unterlag, erreichte er bei 11 von 19 Rennen das Ziel vor ihm.

2012 startete die Saison kaum besser für den Spanier. Obwohl er beim dritten Rennen in China erstmals in seiner Karriere Q3 erreichte, stand er nach sieben Rennen ohne einen Zähler da. Zu diesem Zeitpunkt machten sogar schon Gerüchte die Runde, die von einer Ablöse durch den neuen Red-Bull-Liebling Daniel Ricciardo sprachen. Doch ein achter Platz – sofern an den Gerüchten etwas dran war – rettete vorerst seinen F1-Platz. Doch von da an lief es für den Toro-Ross-Piloten. Er holte regelmäßig Punkte, zwei siebte Plätze waren das Highlight der Saison.

Obwohl er am Ende des Jahres mit 26 zu 15 Punkten im teaminternen Duell vorne lag, musste er seinen Platz räumen – übrigens gemeinsam mit Buemi. Jean Eric Vergne und Daniel Ricciardo übernahmen den Posten bei Toro Rosso. Alguersuari wurden seine schwachen Qualifying-Leistungen zum Verhängnis und ein Streitgespräch mit Helmut Marko am Rande des GPs von Korea, das auf einem Video festgehalten wurde, war auch nicht sonderlich hilfreich für seine Karriere.

Foto: Sutton

Als Alguersuari im Dezember bei Toro Rosso vor die Tür gesetzt wurde, waren allerdings die meisten Plätze in der Königsklasse schon vergeben. Der ehemalige Red-Bull-Junior war für einen Platz bei HRT im Gespräch, doch auch daraus wurde nichts.

Die Zeit nach der Formel 1

So verabschiedete er sich nach der Saison, mit gerade einmal 21 Jahren wieder aus dem Fahrerfeld der Königsklasse und trat aus Mangel an Alternativen den Weg zu Pirelli an, wo er als Testfahrer anheuerte. Nebenher war Alguersuari auch als F1-Experte beim britischen Radiosender BBC Radio aktiv. 2013 blieb er Pirelli-Testfahrer und nahm abgesehen von einigen Kart-Events keine Rennen mehr in Angriff. Doch eine Tür zurück in die Königsklasse ging nicht mehr auf.

Stattdessen suchte er ab 2014 in anderen Rennserien sein Glück und ging in der ADAC GT Masters an den Start, wo er für Rowe Racing an der Seite von Nico Bastian Mercedes pilotierte. Inzwischen war er über 2,5 Jahr nicht mehr bei einem Rennen an den Start gegangen. Obwohl das Duo einige Top-10-Resulate einfahren konnte – unter anderem beim Debüt auf dem Lausitzring, hinterließ Alguersuari keinen bleibenden Eindruck in der Serie und verabschiedete sich zu Saisonende wieder aus dem GT-Sport. Denn in der Zwischenzeit hatte er sich in Cockpit bei Virgin Racing in der damals neu gegründeten Formel-E gesichert.

Foto: Sutton

Bei seinem letzten Anlauf im Formelsport ließ er wieder einmal sein Potential aufblitzen und beendete die Rennen 3 und 4 in Punta del Este und Buenos Aires auf den Rängen 4 und 5. Doch nach diesen Resultaten war schnell die Luft draußen. Alguersuari kurvte in der Serie, in welcher zu diesem Zeitpunkt Einheitswagen zum Einsatz kamen, irgendwo im Mittelfeld herum, während sein Teamkollege Sam Bird Siege feierte. Dazu kamen noch Gesundheitsprobleme. Beim E-Prix in Moskau verlor er kurzzeitig das Bewusstsein. Das Rennen sollte gleichzeitig auch das letzte seiner Karriere sein. Denn wegen des Vorfalls in Moskau wurde ihm die FIA-Lizenz entzogen und er beim finalen Rennwochenende durch Fabio Leimer ersetzt.

Rücktritt und DJ-Karriere

Am 1.Oktober 2015, im Alter von 25 Jahren, verkündete er seinen Rücktritt aus dem Motorsport, was seiner Aussage nach aber nichts mit seiner Gesundheit zu tun hatte. Er sprach davon, dass er die Liebe zum Sport verloren hatte und neue Wege bestreiten müsse.

Bereits während seiner Rennfahrerkarriere war Alguersuari als DJ aktiv gewesen. Nach seinem Rücktritt konzentrierte er sich ganz auf seine Musikkarriere. Auch heute noch ist er als DJ Squire aktiv, obwohl ihm der ganze große Durchbruch in der Branche nie gelang. Rennen hat Jaime Alguersuari seit seinem Formel-E-Abschied keines mehr bestritten. In der Formel 1 wird er – wenn überhaupt- wohl als der Fahrer in Erinnerung bleiben, der vor Max Verstappen einmal den Rekord als jüngster F1-Pilot überhaupt hielt. Für viele ist er wohl das unrühmliche Beispiel dafür, wie ein zu früher Aufstieg in die Formel 1 eine hoffnungsvolle Karriere zerstören kann.


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