"'Jeder in der Formel 1 ist wirklich schockiert über die Ereignisse dieser Woche', sagte Jim Rosenthal, als in Silverstone die Schweigeminute begann. Und die Fans ließen respektvoll ihre Hörner verstummen und rollten ihre Flaggen ein. Just in dem Moment sah man einen grinsenden Jacques Villeneuve, der sich anscheinend dafür entschieden hatte, dass dies der günstigste Augenblick dafür war, seinen Tratsch mit Juan Pablo Montoya fortzusetzen. Hinter ihnen sah man Bernie Ecclestone, wie er einen Smalltalk mit seinem Nachbar abhielt und daneben wollten alle die Hand von Jenson Button schütteln..." - diese Worte schreibt der britische Journalist Jim White im Telegraph. Er schreibt von der "Minute der Schande". Er bezieht sich auf die TV-Übertragung von ITV und auf die Schweigeminute 15 Minuten vor dem Start des GP von England - in Gedenken an die Opfer der verheerenden Terroranschläge in der Londoner City.

Dass mit der Schweigeminute irgendetwas nicht gestimmt hat, hat man auf der ganzen Welt gesehen. Und irgendwie wollte man es gar nicht glauben, dass die Protagonisten der Königsklasse derart geschmacklos sein können. Und Jim White fragt zynisch verwundert: "Was müsste wohl passieren, damit die Mitglieder der Formel 1 eine Schweigepause einlegen?" Er antwortet gleich selbst: "Wahrscheinlich nur eine thermo-nukleare Explosion in ihrer Geldbörse. Jedenfalls hätte es dabei geholfen, der Welt zu vermitteln, dass dieser Sport doch noch etwas anderes als eine ungenierte Parade des Narzissmus ist - wenn diejenigen, die den Fahrern die Gehälter auszahlen, diesen auch erklärt hätten, wie man für 60 Sekunden schweigt."

Doch jede Medaille hat zwei Seiten. Sicherlich regiert in der Formel 1 das Geld, sicherlich ist der "Formel 1-Zirkus" eine Ansammlung von Egoisten - weil man ohne eine sehr gesunde Portion Egoismus diesen Sport auch gar nicht ausüben kann. Aber David Coulthard hat in seinem wöchentlichen Essay im Daily Record beiläufig das Problem der Schweigeminute erklärt: "Was am Donnerstag in London passiert ist, hat viel Freude aus dem Silverstone-Weekend genommen. Ich war an dem Tag in London, meine Schwester fährt täglich mit der U-Bahn zur Arbeit, glücklicherweise war sie an dem Tag um eine halbe Stunde zu spät dran. Gerade als ich von den Anschlägen erfuhr, kam sie in dem Haus an. Wir hatten eine Schweigeminute auf dem Grid am letzten Sonntag, aber unglücklicherweise wusste niemand, wann genau diese begann und wann sie zu Ende war..."

Es scheint also wieder einmal um ein mangelhaftes Management zu gehen. Den Platzsprecher hören die Leute auf der Startaufstellung nicht so gut, anscheinend also hat man es schlicht verabsäumt, miteinander zu sprechen und Konkretes auszumachen. Die Formel 1-Welt ist also nicht ganz so böse, nur ein bisschen schlecht organisiert. Vor allem, wenn es um solche "Kleinigkeiten" geht. Nichts Neues also...