Formel 1 / Historisches

GP Stories - Die Rennen des Jahres 1953

Und weiter geht's: Die WM-Läufe 24 bis 32 standen in der Saison 1953 auf dem Programm. Nach 4.382 Kilometern hieß der Weltmeister erneut Ascari.
von Eric Wenzel

24. WM-Lauf - Buenos Aires, 18.01.1953

Und noch ein weiteres Jahr in der F2. Der erste GP außerhalb von Europa (abgesehen von Indy). Die von Staatspräsident Perón sehr leichtfertig gehandhabte Organisation war chaotisch und führte in die Katastrophe. Ascaris Sieg war nie gefährdet, er überrundete das gesamte Feld und fuhr, wenn man den Zeiten glauben darf, im Rennen 5 Sekunden schneller pro Runde als im Training! Anfangs wurde er von Fangio und Farina verfolgt, aber ersterer machte schlapp, und der Nino crashte als sich ein Zuschauer den 'Spaß' machte, vor ihm die Strecke zu überqueren, mit dem Resultat, daß der Ferrari in die Menge raste: ungefähr 15 Tote. Über weitere Unfälle divergieren die Angaben; die schlimmsten in Kurzform: Im allgemeinen Chaos wurde ein Kind von Browns Cooper erfaßt und getötet. Auf dem Weg zu Farinas Unfallstelle soll angeblich ein Rettungswagen 2 Zuschauer überfahren haben. Ein berittener Polizist, der die Menge von der Straße drängen wollte, wurde vom entfesselten Mob vom Pferd gerissen und zu Tode getrampelt. Tatsache ist: Für 7 Runden war Manzon hervorragender 2., doch der Gordini verlor ein Rad und fast hätte es noch ein weiteres Unglück gegeben! Der Franzose fiel den Rest der Saison aus.

25. WM-Lauf - Indianapolis, 30.05.1953

Bei extremer Hitze mußten sich die Fahrer ständig abwechseln. Carl Scarborough starb sogar später an den Folgen eines Hitzeschlags! Vukovich startete aus der Pole und führte 195 von 200 Runden. Einmalig! Kurtis und Offy dominierten total.

26. WM-Lauf - Zandvoort, 07.06.1953

9. Ascari-Sieg in Folge, diesmal nicht so brillant wie immer. Gonzales ging ab wie der Blitz, leider kostete ihm ein dummes Mißgeschick den möglichen Erfolg: das Gaspedal brach! Jetzt führte Fangio bis sein Maserati Motorschaden hatte, dann war Ascari wieder vorn. Fangio, in Claes' Wagen umgestiegen, hatte in der vorletzten Runde bei Stavelot einen gewaltigen Abflug. Auch Hawthorn war sehr schnell, bis die Benzinpumpe streikte und er Tempo drosseln mußte.

28. WM-Lauf - Reims-Gueux, 05.07.1953

Tolles Rennen - der erste GP mit Fotofinish! Gonzales haute mit halbvollem Tank gewaltig ab. Beim Nachfüllen in der 29. Runde fiel er weit zurück, kämpfte sich wieder vorn, doch um die Spitze zu nehmen reichte es nicht mehr ganz. Um die kämpften Fangio und Hawthorn, der in der Form seines Lebens fuhr und den Maestro, der am Schluß fast von Gonzales eingeholt worden wäre, tatsächlich um Haaresbreite schlug, nach einem 30 Runden dauernden Kampf mit ständigen Führungswechseln. Die ersten 5 lagen kaum 8 Sekunden auseinander. So eine knappe Entscheidung hatte es bislang noch nicht gegeben. Moss weigerte sich den Cooper-Bristol zu fahren, nachdem die Kupplung förmlich unter seinen Füßen explodiert war.

29. WM-Lauf - Silverstone, 18.07.1953

Bei wechselhaftem Wetter war Ascari diesmal wieder zu schnell. So leicht wie Ferrari Alfa Romeo '51 überrumpelt hatte, schaffte es Maserati mit Ferrari nicht. Hawthorns Vorstellung war alles andere als brillant, er drehte sich gleich zu Beginn, als er das Tempo der Spitze mitgehen wollte. Tony Rolt und Jimmy Stewart (Jackies Bruder) hielten die britische Fahne bis zum Ausfall hoch.

30. WM-Lauf - Nürburgring-Nordschleife, 02.08.1953

Und wieder ein Klasserennen. Es gehörte einem Mann, der es leider nicht gewinnen sollte, aber Ascaris Vorstellung war so ziemlich das Beste, was man bis dato gesehen hatte: Pro Runde nahm er seinen Teamkollegen 10 Sekunden ab, bis er an der Antoniusbuche bei Tempo 250 ein Rad verlor. Mit meisterlicher Fahrkunst gelang es ihm, den wild schlingernden Wagen auf der Bahn zu halten und mit 3 Rädern zur Box zurückzusteuern. Dort stieg er in Villoresis Auto um, kämpfte sich an die Führenden heran, bloß sein Fahrzeug machte dieses Tempo nicht mit und fiel endgültig aus. Farina gewann dann klar. Moss im '11-Tage-Cooper' schnell: man sah, daß aus ihm mal was werden würde. Größtes Starterfeld (34) aller Zeiten (durch mehr als ein Dutzend privater Meldungen).

31. WM-Lauf - Bremgarten, 23.08.1953

Die Privatfahrer Jacques Swaters und Louis Rosier crashten ziemlich heftig in Runde 1. Ascari lag bis zur 40. vorne, als er mit Motorproblemen an die Box kam, die glücklicherweise schnell behoben werden konnten. Da der Führende Fangio kurz darauf ausfiel, lagen nur noch seine Teamkollegen Farina und Hawthorn vor ihm. Nach der Stallorder sollten die Plätze so gehalten werden. Ascari fuhr wie ein Besessener und überholte die beiden Ahnungslosen. Gerechtigkeitsfanatiker Farina war hinterher stinksauer und vom alten Ferrari kaum zu beruhigen.

32. WM-Lauf - Monza, 13.09.1953

Schöner Kampf zwischen Ascari und Farina, sowie Fangio und Marimón, dessen Ölkühler leckte. Nach einem Boxenstop reihte er sich mit Runden-Rückstand genau wieder in dieselbe Gruppe ein. Im letzten Umlauf beging Ascari in der Curva Grande (heute bekannt unter dem Namen Parabolica) einen seiner seltenen Fehler und drehte sich. Marimón konnte nicht mehr ausweichen und krachte in sein Fahrzeug. Fangio und Farina kamen gerade noch an den Wracks vorbei, und der Argentinier war letztlich der glückliche Gewinner. Moss fuhr im Nitro-befeuerten Cooper fast so schnell wie die Italiener; sehr aufregend anzusehen, aber absolut reifenmordend und mit verheerendem Spritkonsum. Die Briten brachte erstmals Scheibenbremsen in einem GP-Rennen.


Formel 1 Tickets
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video