Formel 1

Sebastian Vettel verteidigt Ferrari: Mercedes nicht weggeflogen

Sebastian Vettel widerspricht vor dem Formel-1-Rennen in Malaysia der These, Mercedes habe Ferrari überflügelt. Man werde die Experten schon widerlegen.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Es läuft nicht bei Sebastian Vettel und Ferrari. Seit der Sommerpause ist bei den Roten aus Maranello der Wurm drin. In Belgien vermochte die Scuderia zwar noch auf Augenhöhe mit Mercedes zu kämpfen, dennoch hieß der Sieger Lewis Hamilton. Ausgerechnet beim Ferrari-Heimrennen in Monza dann totale Mercedes-Dominanz und großes Ferrari-Versagen. Wieder siegte Lewis Hamilton. Doch der Gipfel allen Übels sollte erst noch folgen.

In Singapur schieden gleich beide hoch favorisierten Ferrari durch einen Start-Unfall schon in den ersten Kurven aus. Der erste Doppelausfall in Runde eins der gesamten 70-jährigen Ferrari-Teamgeschichte. Und zum dritten Mal in Folge hieß der Sieger Lewis Hamilton.

Mercedes gegen Ferrari jetzt im Vorteil?

Die Folgen: Vettel hat seine WM-Führung eingebüßt, liegt nun satte 28 Punkte zurück hinter seinem schärfsten Rivalen Hamilton. Und Ferrari? Fehlen in der Konstrukteurswertung nahezu uneinholbare 102 Zähler auf Mercedes. Noch dazu ist mit Singapur nun ein großer Vettel-Satzball ungenutzt verstrichen. Nein, sogar katastrophal verloren, nach hinten losgegangen.

Damit nicht genug: Angesichts des Restprogramms der Formel-1-Saison 2017 und des jüngsten Perfomance-Trends sieht ein großer Teil der F1-Experten Mercedes nun im klaren (Strecken-)Vorteil gegenüber Ferrari. Die Silberpfeile seien den stolzen Pferden davon geflogen, heißt es. In Malaysia darauf angesprochen reagiert Sebastian Vettel gewitzt: "Dann müssen wir sie widerlegen die Experten!"

Vettel: Ferrari nicht im Hintertreffen, Mercedes war immer stark

Er halte nichts von derlei Schwarzmalerei, sie spiegele die Realität einfach nicht korrekt. "Es ist normal, dass sich die Leute die einzelnen Rennen ansehen. Und wenn man dann die letzten beiden nimmt ... ja klar, dann war es nicht gut. Damit sind wir nicht glücklich", sagt Vettel noch verständnisvoll. "Aber in Singapur sind wir nur nicht weit gekommen. Wir sind wir das Rennen eigentlich gar nicht gefahren", relativiert Vettel.

Kimi Räikkönen platzt angesichts der Kritik an seinem Arbeitgeber für seine Verhältnisse fast schon die Hutschnur. "In Singapur war Sebastian im Qualifying Erster und ich war Vierter. Also war es nicht schlecht wenn du es mit Mercedes vergleichst - wir waren besser. Warum müsst ihr die Dinge immer so negativ sehen?", poltert der Iceman.

Warum müsst ihr die Dinge immer so negativ sehen?
Kimi Räikkönen

Er könne beim besten Willen keine Trendwende in Richtung Mercedes erkennen. "Es geht hoch und runter. Einige Kurse sind besser für dich, andere für die anderen Jungs. Aber das ist ganz normal und es gibt viele Gründe dafür. Die ganze Saison ist eine Saison und erst am Ende werden die Punkte zusammengezählt. Es macht keinen Sinn sich dieses oder jenes einzelne Rennen anzusehen. Was im Lauf des gesamten Jahres passiert, ist, was zählt", sagt Räikkönen.

Genauso sieht es Vettel. Wieso Trendwende? "Mercedes war immer sehr stark die ganze Saison über", meint der deutsche Ferrari-Pilot. "In Monza waren wir einfach nicht in Bestform - Samstag und Sonntag. Aber ich finde schon, dass wir uns nach dem Samstag noch gut erholt hatten. Monza war nicht gut, aber wir waren auch da immerhin noch Dritter", fordert Vettel mehr Maß. "Es ist an uns, unser Paket einfach optimal zu nutzen. Wir haben in den meisten Rennen gezeigt, dass wir konkurrenzfähig sind und wir wollen uns noch weiter verbessern."

Ferrari in der Formel 1: 70 Jahre Erfolge & Emotionen: (4:47 Min.)

So geht Sebastian Vettel den F1-Endspurt mit Rückstand jetzt an

Mehr Maß auch mit Blick auf das Punktekonto. 28 Punkte Rückstand seien kein Weltuntergang, betonte Vettel schon unmittelbar nach seinem Aus in Singapur. "Es sind noch viele Rennen übrig. Ich kümmere mich nicht so sehr um den Punkteabstand. Es gibt noch viele Punkte zu holen und wir haben ein sehr starkes Auto", wiederholt Vettel in Malaysia.

Seinen Ansatz werde er angesichts der veränderten Ausgangslage auch nicht adaptieren. Er sei noch nicht in der Lage, nichts mehr zu verlieren zu haben und volles Risiko gehen zu können. "Wenn du wählen könntest, wärst du natürlich auch jetzt lieber vorne als hinten. Aber das ändert nichts daran, wie wir die kommenden Rennen angehen", sagt Vettel. "Ich will die nächsten Rennen gewinnen und ich muss an nichts anderes denken. Ich denke, dass wir noch immer siegen und auf uns selbst zählen können", stellt Vettel klar.

Auch werde Singapur ihm jetzt nicht ewig nachhängen. Ganz im Gegenteil: Abgehakt sei der bittere Rückschlag im Titelrennen gegen Lewis Hamilton. "Es macht keinen Sinn, das wieder und wieder zu beleuchten. Man sollte seine Zeit und Energie besser auf das verwenden, was noch kommt. Es ist nicht notwendig, das zu diskutieren. Wenn ich einen großen Fehler gemacht hätte oder am Auto grundlegend etwas falsch gewesen wäre, wäre es eine andere Geschichte. Dann müsste man das diskutieren, damit es nicht nochmal passiert", sagt Vettel.

"Aber so war es ein Rennen, das wir nicht beendet haben. Aber natürlich hat es nicht geholfen, dass Lewis dann auch noch gewonnen hat." Auch am Start werde er seine Herangehensweise nicht ändern. "Wir machen so weiter. Ich kann jetzt nicht versprechen, was in meinem Kopf vorgehen wird, wenn ich am Sonntag den Grid verlasse. Das sehen wir dann am Rennstart", sagt Vettel.

Kimi Räikkönen: Gutes Gefühl mit Ferrari in Malaysia

Spätestens dann - ein normal verlaufendes Qualifying vorausgesetzt - wird sich auch zeigen, ob Ferrari Mercedes auch auf einer reinen Rennstrecke tatsächlich noch fordern kann. Der Optimismus jedenfalls lebt. "Ich habe das Gefühl, dass wir hier ganz gut klar kommen sollten", sagt Kimi Räikkönen. Vielleicht, weil Ferrari endlich die ersehnte finale Ausbaustufe seiner Power Unit bringt?

"Aber da kann ich richtig oder falsch liegen. Wir müssen hier erst einen Eindruck gewinnen. An manchen Wochenenden beginnen die Dinge besser und laufen glatter ab, sodass alles leichter wird. Und an anderen hast du etwas damit zu kämpfen, den richtigen Weg zu finden. Dann musst du mehr debriefen. Es ist unmöglich, das wirklich zu beantworten."


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