Formel 1 / Hintergrund

Streckenvorschau: Circuit Gilles Villeneuve

In Montreal kämpften die Fahrer auf dem Circuit Gilles Villeneuve um den Sieg. Auf dem Papier ist es ein Kurs für Mercedes.
von Manuel Schulz

Motorsport-Magazin.com - Der Kampf zwischen Ferrari und Mercedes geht in Kanada in die siebte Runde. Dort sollte, zumindest statistisch betrachtet, Lewis Hamilton wieder die Oberhand haben sollen, doch Ferrari hat in dieser Saison schon öfter gezeigt, was sie von schlechten Statistiken halten. Daher wird der Kanada GP 2017 in der 54. Auflage mit Sicherheit ein spannendes Rennen.

  • 54. Auflage des Kanada GP
  • 38. Rennen in Montreal

Streckenname: Circuit Gilles Villeneuve

Der Streckenverlauf des Circuit Gilles Villeneuve - Foto: Motorsport-Magazin.com

Den Kanada GP gibt es seit 1961, doch erst seit 1978 findet das Rennen in Montreal statt und in den ersten Jahren hieß der Kurs auch noch Circuit Ile de Notre Dames zu Ehren der Insel, auf der der Kurs aufgebaut ist. Nachdem jedoch 1982 Gilles Villeneuve verstarb, wurde die Strecke als Tribut an den kanadischen F1-Piloten umbenannt.

Der Kurs selbst ist relativ kurz und hat eine hohe Durchschnittsgeschwindigkeit aufgrund der vielen langen Geraden. Zudem sind die 15 Kurven der Strecke auf nur fünf Kurvenkombinationen verteilt. Allerdings sind die Kurvenkombinationen zum Teil sehr langsam, sodass der Circuit Gilles Villeneuve eine Start-Stopp-Charakteristik hat, auf der sich die Spreu vom Weizen trennt.

Wissenswertes über den Kanada GP: (01:06 Min.)

Daher konnten auch starke Fahrer wie Michael Schumacher und Lewis Hamilton in Montreal immer sehr gute Ergebnisse feiern. Schumacher fuhr nur zweimal nicht aufs Podium, wenn er in Kanada das Ziel erreichte. "Es ist eine schwierige Strecke und auch wenn es nicht viele Kurven gibt, ist die Runde sehr komplex", bestätigte Daniel Ricciardo, der in Kanada auch schon einen Sieg einfahren konnte.

Streckenverlauf: Start-Stopp-Charakteristik

Lewis Hamilton führt durch den Circuit Gilles Villeneuve: (01:38 Min.)

Gleich mehrere Stellen in Kanada laden zu Fehlern ein. Doch der bekannteste Unfallpunkt ist die Wall of Champions am Anfang der Start/Ziel-Geraden. "Mein Lieblingspunkt auf der Strecke ist auch einer der schwierigsten und das ist die letzte Schikane", erklärte Max Verstappen. "Man kommt mit hoher Geschwindigkeit an, hat kalte Bremsen nach der Geraden und muss massiv abbremsen. Am Ausgang der Schikane kommt man der Wand sehr nah und man kann sich leicht etwas beschädigen."

"Für die Bremsen ist es eine der härtesten Strecken und man braucht Vertrauen ins Auto", fügte Nico Hülkenberg hinzu. "Dazu kommt die Herausforderung des nervösen Autos. Weil es in Kanada um Höchstgeschwindigkeit geht, fahren alle mit wenig Abtrieb, was das Fahrverhalten der Boliden schwieriger macht."

Streckendaten
Länge: 4,361 km
Runden: 70
GP-Distanz: 305,27 km
Rundenrekord: 1:13.622 (BAR, 2004)
Kurven: 15 (6 links, 9 rechts)
Weg bis Kurve 1: 362,1 m
Länge Boxengasse: 401,1 m
Zeit in Box bei 80 km/h: 18,05 s

Technik-Herausforderung: Batterie und Bremsen

In Kanada sind insbesondere die Bremsen und die Batterie des Hybrid-Systems beansprucht. Bei vier harten Bremsmanövern pro Runde und darauf folgenden langen Geraden wird oft und viel ge- und entladen, was durchaus zu Temperaturproblemen beim Energie-Rückgewinnungs-System führen könnte. Hohe Temperaturen sind in Kanada aber eher nicht zu erwarten, sodass dadurch keine zusätzliche Belastung für die Boliden entsteht.

Die Bremsen müssen das Auto gleich viermal von deutlich über 260 km/h runterbremsen, was schon öfter zu Problemen gegen Ende des 70-ründigen GPs geführt hat. Bei Red Bull und Haas wird man da speziell darauf achten, denn ihre Piloten hatten in diesem Jahr bereits mit den Carbonscheiben zu kämpfen.

Circuit Gilles Villeneuve: Unvergessene Momente

Moment 1: 1991 sah es beim Kanada nach einem klaren Sieg für Nigel Mansell aus. Der Brite fuhr im Williams der Konkurrenz davon und konnte bereits in der letzten Runde verlangsamen und den Zuschauern zuwinken. Doch das führte zu Elektronik- und Hydraulik-Problemen, die zum Ausfall führte. Er wurde am Ende als Sechster gewertet.

Moment 2: Der Kanada GP 2007 wurde von einem der heftigsten Formel-1-Unfälle der modernen Formel 1 geprägt. Bei über 200 km/h schlug Robert Kubica nach einer Berührung mit Jarno Trulli in die Streckenbegrenzung ein und überschlug sich mehrfach. Der Pole blieb jedoch nahezu unverletzt und konnte nach nur einem Rennen Pause wieder fahren.

Aus diesem Wrack konnte Kubica beinah unverletzt geborgen werden - Foto: Sutton

Moment 3: Das Rennen von 2011 ging als längstes Rennen in die Geschichte ein. Doch auch der Ausgang war unglaublich. Zwischendurch war Jenson Button bereits überrundet, doch durch die Strategie und sein Können im Regen kämpfte sich der McLaren-Pilot wieder nach vorne und konnte sich in der letzten Runde die Führung und den Sieg erkämpfen.

Kanada GP: Die letzten Rennen

Jahr Sieger 2. Platz 3. Platz Pole Schn. Runde
2016 Lewis Hamilton Sebastian Vettel Valtteri Bottas Lewis Hamilton Nico Rosberg
2015 Lewis Hamilton Nico Rosberg Valtteri Bottas Lewis Hamilton Kimi Räikkönen
2014 Daniel Ricciardo Nico Rosberg Sebastian Vettel Nico Rosberg Felipe Massa
2013 Sebastian Vettel Fernando Alonso Lewis Hamilton Sebastian Vettel Mark Webber
2012 Lewis Hamilton Romain Grosjean Sergio Perez Sebastian Vettel Sebastian Vettel


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