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Formel 1 / Interview

Red Bull-Mann Helmut Marko: Vettel ist momentan außen vor

Red Bull mischt in Monaco wieder weiter vorne mit. Dr. Helmut Marko verrät, woran es liegt und wie die Chancen gegen Ferrari und Mercedes stehen.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Ein starker Auftakt für Red Bull in Monaco. Liegt die Steigerung an der Streckencharakteristik hier oder hat das Team die Updates mittlerweile besser zum Arbeiten bekommen?
Helmut Marko: Wir haben hier deutlich mehr Updates gebracht. Zusammen mit der Streckenführung ist das der Grund dafür. Der Motor ist hier nicht so entscheidend, sodass wir relativ nah dran sind.

Sind die neuen Updates hier spezifisch für Monaco?
Helmut Marko: In einer gewissen Form werden wir sie das gesamte Jahr über verwenden.

Der Motor ist hier nicht so entscheidend, sodass wir relativ nah dran sind.
Dr. Helmut Marko

In Barcelona klangen Sie am Freitag auch schon relative optimistisch. Danach gab es einen kleinen Rückschlag. Könnte es hier ähnlich laufen?
Helmut Marko: Nein, denn hier ist der Qualifying-Modus nicht von solcher Bedeutung. Zudem haben wir in Barcelona im ersten Stint die ganze Zeit verloren - fast eine halbe Minute. Beim Rest waren wir deutlich besser dran. Allerdings sind wir nicht mehr voll gefahren, da wir uns im Niemandsland befunden haben. Da hat es keinen Sinn mehr gemacht. Verstappen war mit diesem Reifensatz und seiner Abstimmung eine Spur schneller. Es wäre also interessant gewesen. Aber durch den Unfall ist das alles ein bisschen aus dem Ruder gelaufen...

Toro Rosso sah heute sehr stark aus. Haben Sie das vorher erwartet?
Helmut Marko: Toro Rosso hat ein super Mittelfeld-Auto. Diese Strecke liegt ihrem Auto. Deshalb bin ich guter Dinge, dass sie beide Autos in die Top-10 bringen. Man muss aber natürlich relativieren, da die Teams mit unterschiedlichen Benzinmengen fahren. Aber die Chancen für Toro Rosso sind echt gegeben.

Wird Mercedes sich am Samstag vorne zurückmelden?
Helmut Marko: Aus ihrer Sicht haben sie glücklicherweise jetzt viel Zeit, um nachzudenken, zu grübeln und zu simulieren. Aber es wird sicher nicht leicht, zum Speed von Vettel aufzuschließen. Wahrscheinlich liegt es am langen Radstand. Das zweite Auto mit einem langen Radstand ist der Renault und sie scheinen auch Schwierigkeiten zu haben.

Eine Runde in Monaco mit Max Verstappen: (02:39 Min.)

Glauben Sie, dass Sie mit Ferrari hier um den Sieg kämpfen können?
Helmut Marko: Unsere Erwartungen gehen von Reihe eins bis Reihe drei. Vettel ist momentan außen vor. Dahinter wird es darauf ankommen: Wer legt die beste Chaos-Runde hin? Ricciardo ist einer, der sich sukzessive steigert. Wir glauben schon, dass wir noch etwas im Auto haben. Schließlich haben wir einige neue Teile dabei. Das Hauptproblem, das uns an einer Zeitenverbesserung hindert, ist ein lokal genau geortetes Problem. Deshalb sollte die Wahrscheinlichkeit hoch sein, dass wir es beheben können.

Ricciardo scheint ein richtiger Monaco-Spezialist zu sein. Wieso ist er hier immer so entfesselt?
Helmut Marko: Ricciardo ist ein irrsinnig exakter Fahrer. Er liebt Straßenkurse. Ich erinnere nur an Singapur im vergangenen Jahr. Wenn da nicht Rosberg in Bombenform gewesen wäre, hätten wir eigentlich damit gerechnet, dass wir das Rennen gewinnen. Ricciardo gehört sicher zu den schnellsten Piloten.

Sie waren während der Trainings auch ein wenig draußen an der Strecke. Wie sind Ihre Eindrücke von den spektakuläreren neuen Autos?
Helmut Marko: Ich habe weniger auf die Optik als auf das Handling der Autos geschaut... Der Ferrari kam dabei sehr eindrucksvoll rüber. Der Mercedes war nicht so souverän wie der Ferrari.


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