Der Monaco GP gilt als das Saisonhighlight in der Königsklasse des Motorsports. Doch es gibt ein F1-Leben nach dem Rennen in der Heimat der Schönen, Reichen und Einflussreichen. Und dieses beginnt für die 20 Piloten bereits eine Woche danach in der Eifel.

Und die Unterschiede zwischen dem Leitplankendschungel und der Grünen Hölle könnten kaum größer sein: Während sich die Fahrer in Monaco noch mit engen Straßen, Zebrastreifen und Kanaldeckeln herumschlagen mussten, erwarten sie auf dem Nürburgring eine 'richtige' Rennstrecke und ein dickes Wetterfragezeichen.

Renault: Ein gelb-blauer Konter?

Glaubten viele zu Saisonbeginn noch, dass die rote Dominanz nun durch eine gelb-blaue Überlegenheit abgelöst worden wäre, so müssen sich die Franzosen schon nach zwei sieglosen Rennen rechtfertigen. So schnelllebig ist das Grand Prix Geschäft. Aber genauso schnell möchten Fernando Alonso und Giancarlo Fisichella wieder vorne mitmischen. Dafür müssen sie allerdings das Hinterreifenproblem von Monaco in den Griff bekommen und auf dem Nürburgring wieder zu alter Stärke auflaufen. Denn die Gegner präsentierten sich zuletzt verdammt schnell.

McLaren: Ein silberner Hattrick?

Und diese Gegner tragen schwarze oder orange Kleidung und fahren silberne Autos. Unglaublich schnelle silberne Autos. Entsprechend gilt McLaren Mercedes auch beim Europa GP als Favorit. Interessant wird jedoch zu beobachten sein, ob in Deutschland endlich beide Fahrer das Potenzial des MP4-20 ausnutzen können oder ob Juan Pablo Montoya erneut ein eher schwaches Wochenende erwischen wird. Der Druck auf den Kolumbianer wird durch die makellosen Vorstellungen seines nuschelnden, finnischen Teamkollegen sicherlich nicht geringer.

Toyota: Ein weiß-rotes Heimspiel

Während auch BMW und Mercedes den Nürburgring gerne als ihr erstes Heimrennen bezeichnen, trifft dies noch sehr viel mehr auf die Japaner von Toyota zu. Schließlich liegt deren Fabrik in Köln-Marsdorf am nächsten am Ring, weshalb auch in dieser Saison wieder viele Arbeiter den Weiß-Roten auf den Tribünen die Daumen drücken werden. Der bislang von seinem Teampartner Jarno Trulli entzauberte Ralf Schumacher möchte seinen Fans jedenfalls einen Podestplatz zum Heimrennen schenken. Nachdem Toyota sogar in Monaco, wo sie aufgrund der Streckencharakteristik eigentlich nicht zu den Favoriten zu zählen waren, gute Chancen auf einen solchen Podestplatz hatten, könnte dies sogar im Bereich des Möglichen liegen. Aller Voraussicht nach aber wohl eher für Jarno als für Lokalmatador Ralf.

Williams: Eine weiß-blaue Wiederholung?

Der doppelte Podestplatz in Monaco war wie ein Befreiungsschlag für BMW Williams. So konnte man auf einen Schlag die Diskussionen um die Konkurrenzfähigkeit des Autos verstummen lassen und gleichzeitig Motorenpartner BMW und die schier unendlichen Wechselgerüchte zufrieden und still stellen. Dennoch dürften Nick Heidfeld und Mark Webber unter normalen Bedingungen auf dem Nürburgring nicht dazu in der Lage sein, den Doppelerfolg von Monaco zu wiederholen. Dafür erscheint die Konkurrenz zu zahlreich und vor allem zu schnell.

Ferrari: Ein roter Hoffnungsschimmer

Der Rennspeed war gut. Sogar sehr gut. Diese Aussagen konnte man in Monaco aus dem Mund eines jeden Ferrari-Mitarbeiters hören, so man dies denn wollte. Und tatsächlich: Wie schon in Barcelona und vor allem in Imola, konnten die Roten im Rennen einige erstaunlich schnelle Runden in den Asphalt brennen. Im Qualifying ging hingegen wieder einmal gar nichts. Doch genau dies soll sich mit der Einführung des neuen Qualifying-Formats ab dem Nürburgring ändern: Denn dann wird man versuchen die Schwäche auf einer fliegenden Runde durch das mit Rennsprit gefahrene Einzelqualifying zu kaschieren. Und wenn Michael Schumacher und Rubens Barrichello einmal von weiter vorne ins Rennen gehen könnten und jenes Rennen zudem noch ohne unvorhergesehene Zwischenfälle verläuft, dann könnte die Scuderia tatsächlich wieder ganz vorne mitmischen. Und wenn auch das nicht helfen sollte, dann könnte in der Eifel auch ein Regentanz nicht schaden...

Red Bull: Ein dunkelblauer Machtkampf

Eines steht schon vor dem Rennwochenende fest: Die Macht ist nicht mehr mit Red Bull Racing. Denn nachdem das gesamte Monaco-Wochenende von zotteligen Wookies, dunkel gekleideten Lords und Laserschwert schwingende Boxencrews geprägt war, zogen George Lucas & Co wieder auf ihren Todesstern. Dietrich Mateschitz und seine Truppe zog hingegen eine Überraschung aus dem Ärmel und lässt auch am Ring noch einmal Tonio Liuzzi im zweiten Einsatzauto antreten. Damit gewann der Italiener den Machtkampf gegen Christian Klien - zumindest für ein Rennen, denn ab Kanada wird wieder der Österreicher Gas geben dürfen. Die Chancen der beiden Dunkelblauen auf dem Nürburgring jene Punkte zu holen, welche man während der Abwesenheit von Button und Sato in Monaco einfahren wollte, stehen dennoch nicht sehr gut.

Sauber: Eine blaue Aussprache

Nach den eigenen Aussagen zu Folge verschenkten Punkten von Monaco, war Teamchef Peter Sauber von seinen beiden Piloten nicht wirklich angetan. Für Felipe Massa und vor allem Jacques Villeneuve heißt es nun also am Ring Wiedergutmachung zu betreiben. Einfach wird das allerdings nicht. Denn mit British American Racing kehrt ein weiterer Punkteanwärter, der zuletzt eine ansteigende Formkurve gezeigt hatte, ins aktive Geschehen zurück.

Jordan: Eine gelbe Rehabilitation?

Der Monaco GP war für das Jordan Team ein Schlag ins Gesicht. Malte man sich vor dem Rennwochenende aufgrund der üblicherweise recht hohen Ausfallquote noch Hoffnungen auf eine Punkteankunft aus, stand man am Ende als Verlierer im Hinterbänklerduell gegen Minardi da. In der Eifel muss also sehr viel mehr kommen.

B·A·R: Ein weißes Comeback

Aus Sicht von Jenson Button und Takuma Sato wird es Zeit, endlich wieder ins Renngeschehen eingreifen zu dürfen. Denn nach der Disqualifikation von Imola, haben die Weißen noch immer keinen einzigen WM-Zähler auf dem Konto. Und dies obwohl Jenson Button fest davon überzeugt ist, dass man in Barcelona und Monaco Siegchancen besessen hätte. Wie es auf dem Nürburgring aussehen wird, wollte man hingegen nicht verraten. Dank einiger neuer Entwicklungen möchte man aber auf alle Fälle vorne mitmischen. Keine unrealistische Zielsetzung.

Minardi: Ein schwarzes Wunder?

Nachdem Minardi aufgrund der wenigen Ausfälle sogar in Monaco keine Chance auf WM-Punkte hatte, erscheint es alles andere als realistisch, dass die Stoddart-Truppe dieses Versäumnis am Nürburgring nachholen kann. Dafür hat man sich aber ein anderes Ziel gesetzt: Patrick Friesacher und Christijan Albers sollen erneut die beiden Jordan-Piloten in die Schranken weisen und die vorletzte Startreihe ins Auge fassen. Sollte der PS05 den EJ15 auch auf einer richtigen Rennstrecke schlagen können, dürfen wir den Kampf der Hinterherfahrer als eröffnet ansehen.