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Nach dem gelb-blauen Farbtupfer beim Chaosrennen von Monaco gab es beim Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring ein weiteres rotes Festspiel und folgerichtig den vierten Doppelsieg der Scuderia Ferrari im siebten Saisonrennen.
Dabei hätte nichts und niemand Michael Schumacher und Rubens Barrichello schlagen können – auch der mutige Takuma Sato, der es gegen Barrichello wenigstens versuchte und nicht einfach nur tatenlos hinter dem Brasilianer herfuhr, konnte den totalen roten Erfolg in der Eifel nicht verhindern.
Diese Entwicklung war jedoch schon vor dem Rennen absehbar. Michael Schumacher war im Qualifying auf Nummer sicher gegangen und mit einem relativ leichten Auto auf seine zweite Qualifyingrunde gegangen, weswegen er – unter gütiger Mithilfe von Kimi Räikkönen, der das restliche Feld etwas "aufhielt" – genügend Vorsprung vor seinem ersten Stopp herausfahren konnte.
Wie gut der Ferrari ist, zeigt zudem der zweite Rang von Rubens Barrichello, der im Gegensatz zu Michael Schumacher und den meisten Konkurrenten nicht auf eine Dreistoppstrategie, sondern nur auf zwei Boxenhalte setzte.
Der stärkste Faktor im Ferrari-Paket dürfte dabei momentan der Bridgestone-Reifen sein. Entsprechend sehe ich die japanischen Pneus im Moment nicht nur gleichauf mit ihren französischen Gegenspielern, sondern sogar etwas im Vorteil.
Die Freude des Siegers fiel trotz dieses überlegenen Sieges aufgrund des kürzlich verstorbenen Fiat-Chefs Umberto Agnelli verständlicherweise sehr gedämpft aus.
Das Kräfteverhältnis hinter den Roten ist unterdessen eindeutig festgezurrt: B·A·R ist wie prognostiziert die zweite Kraft vor Renault, Williams, Sauber und McLaren.
Trotzdem gibt es noch einen Hoffnungsschimmer dafür, dass sich in dieser Saison noch so etwas wie Spannung entwickeln kann. Der Grund hierfür trägt einen Namen: Das modifizierte Punktesystem. So hat Rubens Barrichello am Nürburgring nur zwei Punkte auf Michael Schumacher verloren, weshalb dem Brasilianer insgesamt "nur" vierzehn WM-Zähler auf den Deutschen fehlen.
Nun geht es für den F1-Tross gleich mit den nächsten beiden back-to-back-Rennen innerhalb einer Woche weiter, dem Nordamerika-Double-Header in Montreal und Indianapolis. In Kanada dürfte das Feld dabei enger zusammenrücken, weswegen ich Ferrari dort nicht ganz so haushoch überlegen sehe wie hier am Nürburgring. Entsprechend sollte es dort größere Chancen für B·A·R und Williams geben.
Im Nudeltopf von Indianapolis ist Michael Schumacher in den letzten Jahren nahezu unschlagbar gewesen, weswegen er in den USA als klarer Favorit in das Rennwochenende gehen sollte.
Der siebte WM-Titel für Michael Schumacher wird letztlich aufgrund unvorhergesehener Ereignisse, der vielleicht hin und wieder verbesserten Rivalen und des Punktesystems auf sich warten lassen, aber der WM-Spitzenreiter wird ihn sich nicht nehmen lassen. Dafür ist Michael Schumacher zu dominant und dezimieren sich die Gegner viel zu oft selbst.
Besonders peinlich ist hierbei natürlich die Vorstellung von McLaren Mercedes, die beim 70-jährigen Silberpfeiljubiläum nicht nur an den abgekratzten Lack bei der Geburtsstunde der Silberpfeile erinnerten, sondern mit insgesamt drei Motorschäden vor allem noch mehr am eigenen Image kratzten.
Die Startkollision der beiden Williams-Piloten Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya muss derweil als Startunfall zu den Akten gelegt werden. Der Kolumbianer hat sicherlich nicht mit Absicht Ralf Schumacher aus dem Rennen gerissen. Allerdings fiel Montoya im weiteren Verlauf des Rennens nicht mehr auf. Natürlich hat er einige gute Manöver gezeigt, doch ist ein einziger WM-Punkt beim BMW-Heimspiel viel zu wenig.
Entsprechend viel Arbeit wartet in den nächsten Wochen auf den in der Vorwoche des Europa GP frisch ernannten neuen Technischen Direktor Sam Michael. Diese Umstrukturierung des Williams Teams ist dabei zunächst einmal ein äußeres Zeichen.
Denn Fakt ist, dass Patrick Head 30% von Williams gehören und sein Einfluss somit auch nicht weniger werden wird. Er wurde also weder entmachtet noch hat er mit dem Tagesgeschäft nichts mehr zu tun. Stattdessen möchte man mit dieser Umstrukturierung Sam Michael stärken.
Der 33-jährige Australier, den ich schon oft als den Ross Brawn des Williams Team bezeichnet habe, ist ein fähiger Kopf der neuen Generation, welcher das Team mittelfristig auf jeden Fall nach vorne bringen kann. Und da Patrick Head in seiner neuen Position nicht weniger wichtig ist, kann diese Lösung nur als sehr gut bezeichnet werden.
Die Franzosen von Renault leiden ihrerseits noch immer unter der fehlenden Motorpower und sind deswegen nur die Nummer drei hinter British American Racing, wo Jenson Button ohne Takuma Satos Ausfall eine Niederlage gegen den starken Japaner hätte einstecken müssen. Wenn alle Faktoren zusammenspielen, dann könnte Sato bei seinem Heimrennen im japanischen Suzuka zur Überform auflaufen und vielleicht den ersten Sieg eines Japaners in der Formel 1 Historie realisieren.
Somit sollte B·A·R auch in zwei Wochen beim Kanada Grand Prix als erster Ferrari-Verfolger anzusehen sein. In dieser Woche wird nun in Monza und Silverstone getestet was das Zeug hält, aber alle Michael Schumacher Fans dürfen weiter beruhigt schlafen: Rot wird auch weiterhin die dominante Farbe in der Formel 1 Saison 2004 bleiben.

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