Sven Heidfeld hatte keine einfache Saison: Der Bruder von Nick Heidfeld fuhr lediglich zwei Rennen in der Superfund Euro 3000 und fand anschließend kein Geld mehr, um weitere Rennen fahren zu dürfen. Also wurde Sven zum zuschauen verdammt und analysierte unter anderem auf Tele 5 die Formel 1 Rennen beziehungsweise auf dem DSF die Rennen der Superfund Euro 3000. Im motorsport-magazin.com-Exklusivinterview mit Daniel Grosvarlet sprach Sven über sein Jahr, den harten Weg bis in die Formel 1, seine Zukunft und Nick.
Du bist dieses Jahr nur zwei Rennen gefahren. Es hat wohl nicht so ganz hingehauen…
Sven Heidfeld: Es war eigentlich schon am Ende des vergangenen Jahres abzusehen, dass die Saison schwer werden wird, weil mein langjähriger Partner Schumann Reisen die dritte Saison in Folge nicht mehr alleine stemmen konnte. Deswegen war ich auf der Suche nach neuen Partnern, aber in der wirtschaftlichen Lage ist das sehr schwer. Ich habe auf die Schnelle niemanden gefunden und bin die zwei ersten Rennen umsonst gefahren, bei einem Team, das selbst kaum Sponsoren hatte. Mit meinen Leistungen war ich sehr zufrieden, denn ich lag zweimal in den Punkten, bevor ich ausgefallen bin. Danach war die Saison leider schon rum.
Dann hast du zuletzt einen Porsche-Supercup Test bestritten.
Sven Heidfeld: Ich habe am 21. November einen Porsche im sehr erfolgreichen Team Tolimit getestet. Ich war auch sehr zufrieden und bin ca. 100 Runden gefahren. Das einzige Problem war jedoch, dass man auf der Strecke nicht frei fahren konnte, d.h. es waren ca. 30 – 40 Autos auf der Strecke und zum Teil auch langsame. Ich konnte also den gesamten Tag keine freie Runde fahren. Das war eigentlich ein bisschen unprofessionell.
Wie kam es zu dem Test?
Sven Heidfeld: Das Team gehört dem Manager von Timo Glock und der Nick hatte da Kontakte hergestellt. So kam es zustande. Aber für nächstes Jahr steht noch alles in den Sternen, ob sich da etwas ergeben wird.
Und generell für nächstes Jahr: Wie sieht es aus?
Sven Heidfeld: Mein Wunschtraum wäre ein GP2-Cockpit. Man soll mit dem Träumen nicht aufhören, auch wenn es in einem Jahr schlecht läuft. Aber die GP2 kostet ca. 800.000 Euro und dafür fehlen noch fast 100 Prozent. Wir haben Kontakte zu großen Firmen, aber da kann man erst sichergehen, wenn das Geld auf dem Konto ist.
Wirst du denn auch 2005 von Schumann Reisen gesponsert?
Sven Heidfeld: Es gibt nach wie vor die Partnerschaft. Auch in diesem Jahr stand auf meinem Helm Schumann Reisen und wird wahrscheinlich auch weiterhin da stehen bleiben. Ich bin zwei Jahre unterstützt worden, was verdammt viel Geld gekostet hat. Ich bin ein Jahr in der Formel 3 gefahren und ein Jahr in der die Euro Formel 3000, aber da ist die Medienpräsenz leider nicht so hoch. Ich bin deshalb nicht traurig, wenn der Schumann nicht weiter zahlt oder das Budget kürzt, aber er ist nach wie vor mein Partner und unterstützt mich.
Was heißt das denn für junge Fahrer im Alter von 15, 16, 17 Jahren, um den Sprung nach oben zu schaffen?
Sven Heidfeld: Es wird immer wichtiger oder noch wichtiger, dass man starke Firmen hinter sich hat. Wenn man dann zwischen 14 und 16 die BMW Formel ADAC gewinnen kann und so gut ist, dass man dominiert und BMW von Anfang an hinter einem steht, dann sieht es schon mal ganz gut aus. Im Grunde genommen muss man drei bis vier Millionen investieren, bevor man es in die Formel 1 schaffen kann. Und heutzutage gibt es auch noch Testfahrer, die vier Millionen zahlen. Das Geld kann man nicht sparen oder aus der normalen Haushaltskasse ziehen. Da muss man schon schwer, schwer reich sein.
Glaubst du, dass die GP2 nächstes Jahr das Sprungbrett zur Formel 1 ist?
Sven Heidfeld: Es ist schwer zu sagen, ob sich die GP2 oder die neue Formel Superfund durchsetzen wird. Vom Preis her sind die ähnlich – also gigantisch teuer mit 600.000 bis 800.000 Euro. Das kostet also sehr viel Geld und es wird schwer sein überhaupt eine Rennserie zu stemmen.
Die Formel Superfund könnte ja unter Umständen mehr PS haben als die Formel 1, wenn die mit V8 Motoren fahren werden.
Sven Heidfeld: Also zunächst einmal muss ich Superfund einen Dank aussprechen. Die haben mich auch ein bisschen unterstützt und stellen jetzt eine tolle neue Rennserie auf die Beine. Sie sind zwar neu im Motorsport, aber das hat alles Hand und Fuß und hat auch Zukunft. Und für die wird es auch einen Nutzen haben, denn wenn man das so professionell anpackt, dann ist das schon eine tolle Sache.
Ein paar Worte über die Saison deines Bruders Nick…
Sven Heidfeld: Die Saison war zäh. Man hat ihn nicht viel im Bild gesehen und ich habe auf Internetseiten recherchieren müssen, um Rundenzeiten von ihm herauszufinden. Ich wünsche ihm sehr und drücke ihm die Daumen, wenn er nächstes Jahr bei Williams fährt und das Auto etwas taugt, dass er um die WM mitfahren wird. Aber was ich jetzt schon schade finde ist, dass viele Leute sagen werden: "Wir haben es ja gewusst".
Und wie sieht es mit deinen Kontakten zur Formel 1 aus?
Sven Heidfeld: Puhh. Schwierig, schwierig. Da ist sehr viel Geld im Spiel. Ich könnte jetzt mit Jordan verhandeln, aber die Summen sind nicht finanzierbar und da konzentriere ich mich lieber auf andere Rennserien, die zwar auch teuer sind, aber wo wir zu 100 Prozent meine Energie reinstecken können.
Wie lautet denn dein Urteil über die neuen Rennstrecken in Bahrain und China?
Sven Heidfeld: Ich kann mir ja nur ein Urteil über den Fernseher erlauben. Es ist schwierig zu sagen, weil alles von einem Designer kommt, aber es ist wie in der Wirtschaft. Der beste wird genommen. Aber man sollte vielleicht mal andere ranlassen und wie auf der Nordschleife oder auf dem Sachsenring Bergauf- und Bergabpassagen einfließen lassen.
Eine kleine Prognose zur Formel 1 Saison 2005?
Sven Heidfeld: Ich bin mir noch nicht so sicher wie die Jahre zuvor, dass Ferrari wegen den Reifen dominieren wird. Ich war ja in Jerez, wo viele Reifentests stattgefunden haben und von Michelin standen da elf Auflieger. Also da wird einem schon schwindlig, was da investiert wird. Man weiß es nicht. Ferrari wird auf jeden Fall um den Titel mitfahren, aber ich glaube, dass McLaren sehr stark sein wird, Toyota wird einen Sprung nach vorne machen mit den zwei Fahrern.
Das müssen die auch…
Sven Heidfeld: Ja, müssen sie auch, auf jeden Fall. Bei B·A·R ist die Frage, ob die wieder so gut sind. Sauber war bei den Tests sehr, sehr schnell. Die Reifen scheinen Felipe sehr entgegen zu kommen. Ich habe mit ihm gesprochen und die machen einen starken Eindruck. Ich glaube, dass der Felipe eher das Team nach vorne treiben wird und nicht der Villeneuve, wie es oft geschrieben wird.
Der Villeneuve hat es ja ziemlich schwer gehabt in den drei Rennen für Renault.
Sven Heidfeld: Ja, aber ich kann das auch von mir sagen. Wenn man acht Monate nicht mehr im Auto gesessen hat und dann einen Porsche fährt, da merkt man schon anfangs, dass die Knochen etwas eingerostet sind. Aber der Villeneuve war Weltmeister und auch wenn er ein überlegenes Auto hatte, wird man nicht als schlechter Fahrer Weltmeister. Deswegen ist er ein Top-Mann.
War denn die Umstellung von Formel Autos auf den Porsche schwierig?
Sven Heidfeld: Es ging. Der Porsche hat "leider" ABS und einen Bremskraftregler, d.h. wenn man leicht bremst, hängt man direkt im ABS und verliert Zeit, weil der Wagen dann stottert. Ohne Erfahrung ist es schwer immer kurz davor zu bleiben. Im Vergleich zu einem Formel Wagen ist der Porsche sehr schwer. Es ist wie ein LKW. Der hat zwar 400 PS, aber er ist schon langsam.
Wie schaut jetzt die Planung für die kommenden Wochen aus?
Sven Heidfeld: Wie das immer so im Motorsport lautet: Sich fit halten, auch im Winter oder als ich acht Monate nicht gefahren bin die Motivation nicht zu verlieren, weiter an sich zu glauben, Kontakte pflegen, Sponsoren treffen, Teams anrufen. Eigentlich harte Arbeit damit es weitergeht.
Ist es denn auch so, dass man zu einem Team hinfährt und sich vorstellt?
Sven Heidfeld: Auf jeden Fall. Es ist zwar nicht der schönste Job, wenn man ohne Geld ankommt und nicht irgendetwas versprechen kann, aber das zeichnet auch einen aus, wenn man in schlechten Zeiten weiter an sich glaubt. Ich bin mit vielen Fahrern gefahren, die von zu Hause aus viel Geld hatten und sich nie um Sponsoren kümmern mussten, aber dann die Motivation verloren haben. Man wird geprägt und arbeitet härter.
Ich denke mal, das schönste Weihnachtsgeschenk wäre ein Cockpit für nächstes Jahr?
Sven Heidfeld: Auf jeden Fall. Wenn einer vor drei Jahren zu mir gesagt hätte, dass ich Sportwagen fahren werde, dann hätte ich "nee" gesagt. Das mag sich zwar arrogant anhören, aber als Rennfahrer muss man ein Ziel vor Augen haben und an die Formel 1 glauben. Ich bin jetzt schon 26 und habe nicht viel Geld im Rücken. Damit muss man sich abfinden oder andere Rennserien betrachten, wie Porsche Cup oder andere Tourenwagenserien.
Wie etwa die DTM?
Sven Heidfeld: Die steht meilenweit über dem Porsche Cup. Die DTM ist eine tolle Serie geworden, aber ohne Geld ist es auch da schwierig, vor allem wenn man nur zwei Rennen gefahren ist. Da ist es dann schwierig, wenn man den Mercedes oder Opel Sportchef anruft und fragt "Hör mal wie wäre es mit einem Test" und der fragt natürlich "Wie war deine Saison". Und dann sagt man: "Ich war acht Monate nicht im Auto, aber ich bin schnell." Das ist dann schwierig.
Schwierig ist es auch dann, wenn man nicht die aktuellen Autos bekommt.
Sven Heidfeld: Ja, denn Fahrer wie der Mücke oder Winkelhock, die sehr talentiert sind, haben die letzten Reihen abonniert. Das ist dann schon sehr hart.
Gut, dann vielen Dank für das Interview. Wir wünschen dir viel Glück für das kommende Jahr und hoffen, dass du ein Renncockpit finden wirst.

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