Die Formel 1 Welt befindet sich dieser Tage kurz vor dem Weihnachtsfest zwar in einer Art Winterloch ohne großartige Schlagzeilen oder Durchbrüche, wie sie die Herstellervereinigung GPWC, die drei Kirch-Gläubigerbanken sowie F1-Boss Bernie Ecclestone vor genau einem Jahr mit der Unterzeichnung des mittlerweile schon wieder aufgekündigten Memorandums feiern durften.

Dennoch scheint die friedliche Weihnachtszeit auch die Zeit der Banken und GPWC zu sein. So meldete sich am gestrigen Sonntag Ferrari-Chef Luca Montezemolo zu Wort und erklärte er dabei überraschend offen, dass er nicht davon ausgehe, dass es zu einem "Formel 1-Krieg" und einer Zweiteilung der Rennserie kommen werde.

Kein Deal mit den Banken. Besonderes Interesse daran die SLEC-Anteile von den Banken aufzukaufen besitzen die Hersteller laut Montezemolo allerdings nicht. "Solche Geschäfte machen wir nicht", stellte Montezemolo in der Welt am Sonntag klar. "Im übrigen kennen wir die Höhe der Vergütungen nicht, die zwischen Ecclestone und den Banken vereinbart wurden. Ich nehme an, dass es da um sehr viel Geld geht. Nein. Unser Geschäft läuft komplett anders. Wir fahren Rennen, bekommen eine angemessene Gage wie ein Fußballteam und überlassen das Management einer externen Firma, die nach einem transparenten, vorher fest vereinbarten Modus die Geschäfte abwickelt."

Die Banken suchen den Deal. Trotz der abwehrenden Haltung hofft der Vorsitzen der Bayrischen Landesbank, die zusammen mit JP Morgan und Lehman Bros. 75% der SLEC-Anteile hält, auf eine Zusammenarbeit und einen möglichen Verkauf an die Automobilhersteller.

Als Begründung gibt Gribkowsky hierbei die Bedrohung durch die angekündigte eigene Rennserie der Hersteller an. Schließlich sind mittlerweile auch bis zu ihm jene Worte von Luca Montezemolo durchgedrungen, welche der smarte Italiener schon vor langer Zeit aussprach: "Wenn es zur Zweiteilung kommt, könnten die Banken mit 75% von Nichts da stehen..."

Und dies möchte Gribkowsky mit einer Allianz verhindern. Entsprechend setzt er sich auch dafür ein, dass die Hersteller mehr Mitspracherecht bekommen. "Der Schritt nach China und Bahrain war zweifelsohne richtig", begrüßte er in einem heute erscheinenden Spiegel-Interview das Erweiterungsstreben Ecclestones. "Es wäre auch erstrebenswert nach Russland und Indien zu gehen. Im Vergleich zur Kaufkraft sind wir mit nur zwei Rennen in Nordamerika auch dort unterrepräsentiert."

Verkauf in drei bis fünf Jahren. Das Ziel der Banken sei deshalb "die langfristige Stabilität des Sports" sicherzustellen. Ein Anliegen, welches bekanntlich auch den Herstellern am Herzen liegt. "Irgendwann könnte dann die Entscheidung kommen wir zu gehen", deutete der Bankvorstand einen möglichen Verkauf der SLEC-Anteile an, welche die Banken ohnehin – um es mit den Worten Ecclestones zu sagen – "per Zufall als Absicherung für die Kirch-Anleihen" erhalten haben. Dieser Zeitpunkt soll "aus heutiger Sicht" aber erst in "drei bis fünf Jahren" und "nicht früher" gekommen sein. Mit dem Start der Herstellerserie im Jahr 2008 wäre dies also genau der richtige Zeitpunkt.

Ecclestone als Schlüsselfigur. Aber auch dann planen die Banken noch immer mit dem dann weit über 70-jährigen Ecclestone. "Wir wären schlecht beraten eine Schlüsselfigur wie Ecclestone auszuschließen", sagte Grobkowsky. "In den vergangenen drei Jahrzehnten hat er enge Verbindungen zur Industrie, den Sponsoren, den Streckenbetreibern und anderen Parteien aufgebaut und man muss sein Lebenswerk beachten."

"Aber es gibt einige Limits. Wir werden nicht mehr länger eine Rolle akzeptieren, in welcher wir die Risiken tragen, aber keinerlei Mitspracherecht besitzen", spielt Grobkowsky auf die alleinige Managementkontrolle Ecclestones an, welche das Banken-Trio derzeit gerichtlich ins Wanken zu bringen versucht. "Wir haben demonstriert, dass wir bereit dazu sind um unsere Position zu kämpfen."

Ecclestone kommentierte die Niederlage im Gerichtsstreit mit den Banken hingegen auf seine ihm typische Art: "Das bedeutet gar nichts."