Formel 1 / Hintergrund

Racepace vs. Quali-Performance - Spanien GP: Die Teamvorschau

Vor dem Spanien GP nimmt Motorsport-Magazin.com die Form der Top-Teams unter die Lupe. Auffällig: Kaum ein Rennstall ist in beiden Disziplinen gleichsam stark.
von Olaf Mehlhose

Motorsport-Magazin.com - Eine eindeutige Hackordnung hat sich bei den Teams noch nicht herauskristallisiert. Red Bull führt die Teamwertung zwar mit 109 Punkten vor Lotus (93) und Ferrari (77) an, einen wirklich überlegenen Eindruck machte das Weltmeisterteam bislang aber nicht. Zumal sich vor allem die Scuderia bislang ein bisschen unter Wert geschlagen hat. Mit guten, wenn auch nicht überragenden Qualifyings und einer sehr guten Racepace machten die Roten in den ersten drei Rennen den konstantesten Eindruck. Den größten Teil des Rückstandes handelte sich das Team von Fernando Alonso am Vier-Punkte-Wochenende in Bahrain ein.

An den ersten vier Grand-Prix-Wochenenden konnten wir nicht wirklich um die Pole-Position mitkämpfen, das ist im Moment eines unserer Hauptziele.
Nikolas Tombazis

Aber die Vorzeichen stehen nicht schlecht, dass das Traditionsteam aus Maranello beim Großen Preis von Spanien etwas von dem verlorenen Boden gutmachen kann. Insbesondere Alonso ist bei seinem Heimrennen immer ein Sieganwärter. Beispiel gefällig? Elfmal ging der Spanier auf dem Circuit de Catalunya an den Start, neunmal landete er in den Punkten. Dabei schaffte er sechsmal den Sprung auf das Podium. Der Höhepunkt: Sein bislang einziger Sieg im Jahr 2006. Und auch Felipe Massa überquerte in der katalonischen Hauptstadt schon einmal als Erster die Ziellinie. 2007 machte er es seinem jetzigen Teamkollegen nach.

Damit es in Barcelona wieder Grund zum Jubeln gibt, ist Ferrari in den vergangenen Wochen die vermeintliche Schwachstelle angegangen: die Performance im Qualifying. "An den ersten vier Grand-Prix-Wochenenden konnten wir nicht wirklich um die Pole Position mitkämpfen, das ist im Moment eines unserer Hauptziele", erklärte Chefdesigner Nikolas Tombazis.

Webber & Vettel: Freunde fürs leben werden sie wohl nicht mehr - Foto: Sutton

Das vorrangige Ziel von Red Bull dürfte es hingegen sein, die teaminternen Querelen endlich ad acta zu legen, um endlich wieder in Ruhe arbeiten zu können. Sportlich steht das Team eigentlich glänzend da, aber seit der Multi21-Affäre in Malaysia hält die Dauerfehde zwischen Sebastian Vettel und Mark Webber den Rennstall in Atem. Zahlreiche sogenannte Experten geben tagtäglich über die Medien ihre Meinung zu den Vorkommnissen beim Rennstall von Dietrich Mateschitz preis.

Hinzu kamen einige widersprüchliche Aussagen von Christian Horner und Dr. Helmut Marko, die sich nicht ganz einig schienen, in wessen Händen die Verantwortung für das operative Geschäft liegt. Das Kompetenzgerangel auf Führungsebene und der Fahrer-Zoff bedeuten aber noch lange nicht, dass Red Bull an den Rennwochenenden weniger konkurrenzfähig ist - im Gegenteil. In Bahrain trumpfte der Weltmeister der letzten drei Jahre mit den Plätzen eins und sieben auf. In Barcelona folgt nun die nächste Nagelprobe.

Barcelona-Triple für Räikkönen?

Ein Team war beim Rennen im Wüstenstaat aber noch einen Tick stärker als die Truppe aus Milton Keynes: Lotus. Kimi Räikkönen und Romain Grosjean sicherten sich die beiden Podiumsplätze hinter Rennsieger Vettel. Doch während sich Letzter über die Rückkehr in die Weltspitze freute, gab sich sein finnischer Teamkollege eher verkniffen. "Man ist nie wirklich glücklich, wenn man nicht gewinnt. Wir hätten im Qualifying vielleicht ein paar Positionen weiter vorne landen können, was es uns leichter gemacht hätte", mäkelte der 33-Jährige. "Hoffen wir mal, dass ich in Spanien glücklicher bin."

Eine Überraschung wäre ein Sieg des Iceman jedenfalls nicht: Zwei Mal durfte er in Spanien bereits Sieges-Champagner kosten - öfter als jeder andere aktive Fahrer. Und Räikkönens fahrerische Klasse ist offenbar nicht der einzige Trumpf der Truppe aus Enstone - für den Entwicklungswettkampf mit den anderen Top-Teams scheint Lotus ebenfalls gerüstet. "Ich bin sehr zufrieden damit, wie die Entwicklung des Autos voran geht, und ich bin mir sicher, das für uns noch Einiges drin ist", sagte Teamchef Eric Boullier.

Das Ziel ist, unsere Performance am Sonntagnachmittag zu steigern, damit diese genauso gut ist wie an den Samstagen der vergangenen beiden Rennwochenenden.
Ross Brawn

Ob für Mercedes mehr drin ist als die eine oder andere Pole Position, wird erst der weitere Saisonverlauf zeigen. In den Qualifyings eroberten sowohl Lewis Hamilton als auch Nico Rosberg jeweils einen ersten Startplatz - in Sachen Racepace ist das Team aus Brackley hingegen noch nicht auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Platz vier in der Teamwertung und zwei Podien von Hamilton sind zwar mehr, als viele dem Silber-Rennstall vor der saison zugetraut hatten, aber wenn Rosberg wie in Bahrain von P1 startet und als Neunter in Ziel kommt, ist das für alle Beteiligten enttäuschend.

Aus diesem Grund hat Teamchef Ross Brawn in der rennfreien Zeit nach eigenem Bekunden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Leistung im Rennen der im Zeittraining anzugleichen. "Das Ziel ist, unsere Performance am Sonntagnachmittag zu steigern, damit diese genauso gut ist wie an den Samstagen der vergangenen beiden Rennwochenenden", sagte er. Ob Mercedes dabei Erfolg hatte, wird sich in Barcelona zeigen.

Knackpunkt Performance: Kommt der McLaren-Aufschwung in Barcelona? - Foto: Sutton

McLaren würde solche Probleme ohnehin als Jammern auf hohem Niveau bezeichnen. Die als Mitfavorit gestartete Truppe aus Woking fährt den eigenen Ansprüchen bislang meilenweit hinterher. Die Entscheidung, auf eine Runderneuerung statt auf punktuelle Verbesserungen zu setzen, ging bislang nach hinten los. In den vier Saisonrennen ergatterten Jenson Button und Sergio Perez gemeinsam gerade einmal 23 Punkte.

Die beiden Piloten wurden aber nicht müde zu betonen, dass sich das wahre Leistungsvermögen erst beim Europa-Auftakt zeigen werde. "Knackpunkt ist das Rennen in Spanien. Dort ist es wichtig, bei der Musik zu sein", sagte Perez. "McLaren ist ein Gewinner-Team und weiß, was man tun muss, um nach vorne zu kommen." Für Martin Whitmarsh und Co. bleibt nur die Hoffnung, dass der Mexikaner recht behält, sollten die Updates nicht den gewünschten Erfolg bringen, wird es schwierig, die Saison noch zu retten.


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