Nach Monaco ist mittlerweile etwas Zeit vergangenen. Was lief bei Lotus nicht nach Plan?
James Allison: Am schwierigsten ist wohl zu beurteilen, ob Romain ähnliche Probleme bekommen hätte wie Kimi, wenn er nicht so früh ausgeschieden wäre. Am Donnerstag und Samstag hat noch nichts darauf hingewiesen, aber wenn er ähnliche Schwierigkeiten mit dem Reifenverschleiß bekommen hätte, wäre es für ihn auch kein leichtes Rennen geworden.
Kimi hat die erste Session verpasst, weil die Lenkung gewechselt werden musste. Muss sich das Team in diesem Bereich Sorgen machen?
James Allison: In Monaco wird ein spezielles Setup gefordert, das einige Teile beinhaltet, die den großen Lenkeinschlag erst möglich machen. Zusätzlich haben wir bei Kimi ein noch stärkeres Setup ausprobiert. Das kann man nicht im Vorfeld testen, also mussten wir dieses Setup im ersten Training erkunden, aber es hat sich schnell herausgestellt, dass es nicht funktionieren würde. Die Änderungen haben Zeit benötigt und wir haben direkt im Training damit anfangen müssen, aber Kimi kennt die Strecke ja sehr gut. Auch Romains Leistungsfähigkeit war gut erkennbar, auch wenn er noch nicht oft mit der Formel 1 in Monaco gefahren ist. Kimi hatte dagegen Probleme mit dem Auto und den Reifen, daran hätte sich wohl auch nichts geändert, wenn er alle Training gefahren wäre. Unser Basis-Lenkungs-Setup hat Kimi schon auf das Podium gebracht, aber wir arbeiten weiter dran, es an seine Wünsche anzupassen.
War die Strecken- und Reifentemperatur im Rennen ein Faktor?
James Allison: Das ist schwierig zu sagen. Die Streckentemperatur lag im Rennen die meiste Zeit knapp über 30 Grad, was nicht unüblich ist. Wir sind in diesem Jahr schon auf verschiedenen Strecken bei ähnlichen Temperaturen gefahren und hatte keine Probleme damit, die Reifen im richtigen Betriebsfenster zu halten. Das ungewöhnlichste an Monaco ist wohl der rutschige Asphalt - der sich mehr auswirkt als auf anderen Strecken - und unser E20 hat bisher am besten auf Strecken mit rauem Asphalt funktioniert.
Kimi schien mehr Probleme mit dem Reifenverschleiß zu haben, als andere Piloten. Zuvor hat der E20 in dieser Disziplin aber immer sehr gut ausgesehen...
James Allison: Das war schon eine Überraschung. Alle Teams scheinen in diesem Jahr ein kleines Auf und Ab mit den Reifen zu haben, wir waren davon aber bisher nicht betroffen, in Monaco haben wir die Probleme zum ersten Mal bekommen. Wenn wir aber immer fünf gute Rennen und dann ein schlechtes haben, sollten wir für den Rest der Saison gut aufgestellt sein.
Von einem Straßenkurs geht es direkt zum nächsten - was können wir in Montreal erwarten?
James Allison: Montreal ist ein totaler Kontrast zu Monaco, aber trotzdem gehört es eher zu den rutschigeren Strecken im Rennkalender. Wir können also herausfinden, in wie weit das unsere Performance in Monaco beeinflusst hat und ob wir die Probleme unter diesen Umständen in den Griff bekommen.
Wie sehr wird sich das Auto unterscheiden?
James Allison: Wir werden einen schmaleren Heckflügel und einen entsprechend angepassten Frontflügel verwenden. Wichtig wird sein, dass wir die Bremsen richtig einstellen und genug kühlen, um die Torturen in Montreal zu überstehen. Glücklicherweise war das Auto bisher sehr gut auf der Bremse und es gibt in diesem Bereich bisher keine Probleme zu berichten.
Wie wichtig sind die Bremsen in Kanada und was kann man dafür tun?
James Allison: Es gibt sehr viele schnelle Geraden mit folgenden langsamen Kurven, die Bremsen werden pro Runde also mehrfach sehr extrem belastet. In Sachen Reifenverschleiß ist Kanada die härteste Strecke im ganzen Jahr. Der Bremsverschleiß ist von der Bremstemperatur abhängig, da muss also sehr viel Arbeit getan werden um sicherzustellen, dass die Aerodynamik die Bremsklötze und Bremsscheiben ordentlich kühlt.

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