Die Situation der Toro-Rosso-Fahrer ist alles andere als angenehm. Beide müssen um ihr nacktes Überleben fahren, Dr. Helmut Marko baut ganz bewusst einen enormen Druck auf.

Die Message an Buemi und Alguersuari war schon Anfang der Saison klar: Einer von euch wird sein Cockpit für Daniel Ricciardo räumen müssen. Lange Zeit schien der Hobby-DJ auf der Abschussliste zu stehen, doch ab Saisonmitte begann er, sich wie im Vorjahr zu steigern und plötzlich Sebastien Buemi unter Druck zu setzen. Häufig profitierte er davon, dass er zwar in Q1 ausschied, aber dafür einen Satz frische Reifen sparen konnte, um in die Punkte zu fahren.

Mark Webber blockiert den Fluss

Die Vertragsverlängerung von Mark Webber blockiert den Fluss aus dem Juniorteam, Foto: Sutton
Die Vertragsverlängerung von Mark Webber blockiert den Fluss aus dem Juniorteam, Foto: Sutton

Die beste Alternative wäre gewesen, einen der beiden Nachwuchsfahrer zu Red Bull an die Seite Vettels zu befördern, doch die Vertragsverlängerung von Mark Webber hat diese Tür verschlossen. Nun steht Marko vor einer Patt-Situation: Zwei Cockpits, drei etwa gleich schnelle Bewerber; Ricciardo wurde bei HRT geparkt, was jedoch keine dauerhafte Lösung sein kann.

Was bleibt, ist ein enormer Druck auf die beiden Toro-Rosso-Piloten. "Ich habe nichts gegen Mark Webber, aber das verschließt Türen und stoppt den Fluss aus dem Junior-Team", beschwerte sich Jaime Alguersuari nach der Vertragsverlängerung des Australiers zurecht.

Doch wir wären nicht bei Red Bull, wenn nicht der Druck bewusst noch weiter verstärkt würde. Mit Jean-Eric Vergne drückt ein weiterer schneller Nachwuchsfahrer aus dem Red-Bull-Kader in die Formel 1, weitere Talente steigen aus den unteren Serien auf. Wo soll das hinführen? In der Formel 1 ist nur begrenzt Platz vorhanden.

Durch Jean-Eric Vergne, hier in der renault World series, wird von Red Bull weiterer Druck aufgebaut, Foto: WS by Renault
Durch Jean-Eric Vergne, hier in der renault World series, wird von Red Bull weiterer Druck aufgebaut, Foto: WS by Renault

Was weiter passieren wird, ist natürlich unklar, sonst würde ja der Druck nachlassen. Es kann nicht einmal geklärt werden, auf welchem Niveau Buemi und Alguersuari eigentlich fahren. Nicht selten wurden sie als schwächste Fahrerpaarung des Starterfeldes bezeichnet - doch wer soll hier der Vergleichsmaßstab sein? Fakt ist, dass beide Piloten auf einem etwa gleichen Niveau fahren - nur welches das ist, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand sagen, weil der Vergleich zu einem erfahrenen Piloten fehlt.

Die Situation der Nachwuchsfahrer bei Red Bull zeigt: Zu viele Bewerber auf zu wenig Plätze bringen auch das beste Nachwuchsförderungsprogramm ins Wanken. Zumindest in der Formel 1 ist nicht genug Platz für so viele Kandidaten.

Festzuhalten bleibt, dass bislang nur ein einziger Fahrer aus der Red-Bull-Förderung in der F1 den Weg ganz nach oben geschafft hat: Sebastian Vettel. Alle anderen Red-Bull-Junioren wurden in der Formel 1 fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Alguersuari und Buemi könnte nun das gleiche Schicksal blühen. Im Sinne der Fahrer bleibt nur zu hoffen, dass die Entscheidung über die Cockpitvergabe 2012 schnell erfolgt, denn zu viel Druck wirkt sich kontraproduktiv aus, auch wenn Helmut Marko seinen Spaß daran zu haben scheint.