Die neue Boxengasse lockt mit einer grünen Idylle, Foto: Sutton
Die neue Boxengasse lockt mit einer grünen Idylle, Foto: Sutton

Silverstone, das war immer so ein traditioneller Fixpunkt in der Formel 1, die klassische Heimat des Rennsports, viel Tradition, keine großen Veränderungen. Da hatte man sich darauf eingestellt über die Jahre, ein schönes, gemütliches Bed and Breakfest in der Nähe der Rennstrecke gefunden, mit vom Hausherrn Ed eigenhändig zubereitetem, gutem englischen Frühstück – und ganz wichtig: Auf der richtigen Seite der Strecke, sodass man sich das riesige Verkehrschaos über die Hauptzufahrt sparen, "hintenrum" zur Arbeit kommen konnte...

In diesem Jahr die leichte Panik: Alles anders, neues Fahrerlager, neue Boxen, neues Pressezentrum, alles am anderen Ende der Strecke, ein neuer Presseparkplatz, neue Zufahrt – was ist jetzt mit dem schönen Schleichweg? Kleine Erleichterung beim ersten Versuch: Es gibt ihn noch, die Einfahrt ist noch offen. Allerdings ist er bei weitem nicht mehr so effizient, weil man jetzt innen um die halbe Strecke fahren muss – auf Straßen und Wegen, die man sich mit den britischen Fans teilt – und die beanspruchen auch gern mal in Gruppen die komplette Straßenbreite, fast wie die Italiener in Monza.

Nur ein kleiner Trost: Dabei fällt auf – es gibt auch im Umkreis der Formel 1 Kontinentaleuropäer, die sich mit dem englischen Linksverkehr noch ungeschickter anstellen als Frau selbst: Ein mitgenommenes Stück Zaun beim Vordermann lässt grüßen...

Regen und Gras: ein Paradies für Frösche?, Foto: Sutton
Regen und Gras: ein Paradies für Frösche?, Foto: Sutton

Vom neuen Parkplatz aus geht es mit dem Shuttlebus weiter – die guten zwei Kilometer bis zum neuen Fahrerlager... Und die ersten Kollegen im Bus fragen schon: Waren das jetzt all die Verbesserungen für an die 40 Millionen Euro? Immerhin, das neue Boxengebäude sieht schon eindrucksvoll aus, von außen zumindest. Innen dann aber der Schreck – das neue Pressezentrum: Zwar ein bisschen größer als das alte, aber dafür ohne alle Fenster, ein Bunker, ohne jeden Blick auf irgendwas, geschweige denn auf Strecke und Boxengasse...

Apropos Boxengasse: Über die mokieren sich Fahrer und Mechaniker gemeinsam - denn sie ist extrem schmal, dafür hat man dann auf dem Weg zur Boxenmauer einen mindestens fünf Meter breiten Rasenstreifen angelegt: "Was soll das, wir sollen hier vernünftig arbeiten, kein Picknick machen", lästern die Mechaniker. Die Zuschauer, die für teures Geld Tickets auf der Haupttribüne gekauft haben, um vor allem auch die Arbeit in der Boxengasse zu verfolgen, bekommen ein anderes Problem: Von vielen Plätzen aus können sie sie gar nicht einsehen – sie liegt zu tief...

Pech gehabt hat auch die GP2 und die anderen Rahmenserien: Die sind jetzt dort, wo früher das Formel-1-Fahrerlager war, zwei Kilometer weg vom Zentrum des Geschehens. Was es auch für den bestwilligsten Berichterstatter schwierig macht, dort regelmäßig mal vorbeizuschauen. Aber dafür haben sie vielleicht wenigstens genügend Strom. Der fehlt nämlich im neuen Formel-1-Fahrerlager zum Teil, nur 20 Prozent der veranschlagten Kapazität sind vorhanden. So brummen hinter den Motorhomes munter die Generatoren...