Von Monaco geht es nach Montreal – erneut auf einen Stadtkurs, aber mit einer ganz anderen Charakteristik...
James Allison: Der Circuit Gilles Villeneuve ist ganz anders als Monaco. Die Strecke verlangt nach Motorleistung und hat relativ wenige Kurven. Diese wenigen Kurven sind verhältnismäßig langsam, werden gerade mal mit 200 km/h durchfahren. Am Wichtigsten ist aber, dass die Strecken die Bremsen am härtesten von allen Kursen belastet.

Welche Veränderungen gibt es am Auto?
James Allison: Montreal verlangt als erste Strecke in diesem Jahr nach mittlerem Abtrieb. Somit setzen wir zum ersten Mal unseren neuen Heckflügel ein, der ein neues DRS enthält, das den Abtriebsverlust beim Einsatz vergrößert. Zudem haben wir einen neuen Frontflügel, der dem Abtriebsniveau am Heck entspricht. Es gibt auch einige andere Verbesserungen am Auto, um sicherzustellen, dass der Luftfluss zur Bremskühlung bestens funktioniert.

Wie schwierig ist Kanada für die Bremsen und was können Sie dagegen unternehmen?
James Allison: Es gibt etliche schnelle Geraden, die in langsame Kurven münden, somit werden die Bremsen im Verlauf einer Runde extrem beansprucht. Kanada ist eine der härtesten Strecken des Jahres aus Bremsensicht. Die Abnutzung der Bremsen hängt vor allem von der Bremstemperatur ab. Wir müssen viel mit Werkzeugen wie CFD, dem Windkanal und einem Bremsenprüfstand arbeiten, um sicherzustellen, dass die Bremsscheiben und Beläge ausreichend gekühlt werden. Kompliziert ist, dass unsere Fahrer verschiedene Bremsmaterialien bevorzugen, was unsere Arbeitsbelastung erhöht, um sicher zu gehen, dass beide Fahrer die Bremsen im gesamten Rennen ohne Einschränkungen nutzen können.

Ist es fair zu sagen, dass Monaco nicht nach Plan verlaufen ist?
James Allison: Bereits vor Vitalys Unfall, bei dem er glücklicherweise unverletzt blieb, war es eher ein Wochenende zum Vergessen. Unsere Performance in den sehr langsamen Kurven in Monaco war unerwartet schlecht und wir arbeiten daran, zu verstehen, warum das so war. Wir haben im Qualifying auch nicht genug Leistung aus den superweichen Reifen herausgeholt. Als wir diese Reifen im Training gefahren sind, gab es einige rote Flaggen, somit gingen wir quasi blind ins Qualifying und die Fahrer hatten den Nachteil, dass sie sich auf den Option-Reifen im Q1 und Q2 herantasten mussten. Dadurch verloren wir rund 0,4-0,5 Sekunden der tatsächlichen Leistung der superweichen Mischung. Allerdings wären wir selbst dann nicht dort gewesen, wo wir uns erwartet hatten.

Können Sie den Spieß in Montreal herumdrehen?
James Allison: Hoffentlich wird unsere Vorbereitung auf das Qualifying in Montreal weniger stark unterbrochen. Aber selbst ohne die Flut an roten Flaggen ist Monaco ein schwieriger Ort, um eine saubere Runde hinzubekommen. In Montreal ist das in dieser Hinsicht viel einfacher. Außerdem erwarten wir, dass wir einige der Probleme, die uns in Monaco in den langsamen Kurven gestört haben, hier gelöst haben.

Wie fällt Ihre Zwischenbilanz bislang aus?
James Allison: Wir haben ziemlich gut begonnen und einige sehr gute Ergebnisse erzielt. Obwohl wir seitdem vernünftige Leistungen gezeigt haben, gefällt mir unser Trend nicht. Wir alle möchten das Auto weiter nach vorne bringen und wieder die beeindruckenden Ergebnisse vom Saisonbeginn erreichen. Deswegen haben wir einige Dinge in Enstone in der Entwicklung. Ohne Zweifel müssen unsere besseren Leistungen hier in Kanada beginnen.