Die Formel 1 bietet 2011 deutlich mehr Spektakel als in der Vergangenheit. Auch wenn Jean Alesi den Kritikern, die Königsklasse sei somit zu unübersichtlich geworden, teilweise Recht gibt, versteht er die Aufregung nicht. "Zunächst muss man sich daran erinnern, dass die Teams und die Federation sich mit der klaren Idee auf den Wechsel geeinigt haben, dass es den Sport ändern würde - mehr Reifenabbau und mehr Boxenstopps und dadurch mehr Action sollte es im Rennen geben", fasste der Franzose zusammen. Außerdem sei die Umstellung für die Piloten gar nicht so schlimm, wie es oft dargestellt werden würde.

"Als Fahrer macht es keinen großen Unterschied, denke ich. Man ist ständig in Kontakt mit dem Ingenieur und dem Team, also weiß man immer, wem man folgt, wann man stoppen muss und wie sehr man pushen soll", beruhigte der Ex-Ferrari-Star die Kritiker. "Als Zuschauer frage ich mich nach einer Weile aber, ob es etwas verwirrend wird. Ohne Insider-Wissen kann es schwierig zu erkennen sein, wer auf welchem Reifen ist und welche Strategie gefahren wird", gab Alesi allerdings zu. "Ich nehme aber an, für einige macht es das Rennen sogar noch spannender", sagte der Franzose.

Qualifying-Strategie sollte sich nicht ändern

Interessant sei dieses Jahr auch die Qualifying-Strategie. Diese aber komplett neu zu überdenken und auf einen bessern Startplatz zu verzichten, um Reifen zu sparen, hielt Alesi auf Dauer nicht für sinnvoll. "Wenn man sich das Endergebnis ansieht, dann waren nur vier Autos in der gleichen Runde - die Red Bulls und die McLaren, alle anderen Autos wurden überrundet", so der 202-fache Grand-Prix-Teilnehmer. "Ich glaube, das Rennergebnis wird von mehr als nur einem Faktor, wie etwa dem Reifenabbau, diktiert. Meine persönliche Ansicht ist, dass es viel besser ist, sich gut zu qualifizieren und gut zu starten, statt die Reifen zu schonen", so Alesi.

Ein Gegenbeispiel beim Rennen in Barcelona gab es aber dennoch. Nick Heidfelds Aufholjagd beeindruckte auch den 46-Jährigen. Der Deutsche musste nach einem Feuer am Samstag Vormittag auf die Qualifikation verzichten und vom letzten Platz aus ins Rennen starten. "Nick hat einen fantastischen Job gemacht - es war stark, von ganz hinten noch auf Platz acht zu fahren, also Lob für ihn. Auch das Team machte einen guten Job, blieb nach dem Zwischenfall im Qualifying cool und konzentrierte sich auf die anstehende Aufgabe, was sehr wichtig ist", meinte Alesi, der anfügte: "Nick hat wirklich geglänzt."

Heidfelds Team Lotus Renault machte der Mann, der seinen ersten und einzigen Grand Prix-Sieg 1995 in Kanada feierte, obendrein zugleich als Geheimfavoriten für das nächste Rennen auf den engen Straßen Monte Carlos aus. "Der Monaco-Straßenkurs wird den besonderen Charakteristika des R31 perfekt liegen und ich glaube, LRGP wird dort echt stark sein - ich würde sogar noch weiter gehen als nur zu sagen, dass man eine gute Leistung abliefern wird", so Alesi, der auf ein Podium spekulierte. "Die zwei Podestbesuche bei den ersten beiden Rennen waren kein Zufall. Ich freue mich wirklich auf das Rennen", meinte der Franzose.