Der Singapur GP wird für die Titelkandidaten eine Art Blick in die nahe Zukunft. Wer auf dem Stadtkurs im Stadtstaat gut unterwegs ist, wird dies wohl auch bei den letzten vier Rennen des Jahres sein. "Es ist ein spannendes Rennen", bestätigt Jenson Button. "Wir werden hier sehen, wer für den Rest der Saison konkurrenzfähig ist."

Der amtierende Champion ist vorsichtig optimistisch. Sein Team habe in den vergangenen Wochen fantastische Entwicklungsarbeit geleistet. "Vielleicht haben wir mehr entwickelt als vorher in dieser Saison", sagt er. In Japan soll der nächste Entwicklungsschritt kommen. "Wir sollten jetzt bei jedem Rennen gut aussehen."

Keine Zuverlässigkeitsprobleme

Eine Garantie dafür gibt es nicht. "Es sieht alles positiv aus, aber man weiß es nie, bevor man nicht mit den Ferrari und Red Bull auf der Strecke ist", betont Button. Die Strecke in Singapur sollte auf dem Papier Red Bull entgegenkommen. Allerdings sieht Button Unterschiede zum Hungaroring, wo Red Bull der Konkurrenz auf und davon fuhr.

Beide Strecken benötigen High-Downforce, beide Strecken sind sehr wellig, allerdings an unterschiedlichen Stellen. So ist der Hungaroring in den Kurven mit Bodenwellen übersäht, in Singapur sind es die Geraden. "Ungarn besitzt mittelschnelle Kurven, was für unser Auto nicht so gut ist wie für das Blaue", sagt Button mit Blick auf Red Bull. "Hier gibt es mehr langsame Kurven, man braucht mehr mechanischen Grip, die Traktion und das Verhalten auf den Kerbs sind wichtig - nicht der Topspeed."

Bei der Motorenlage macht sich Button keine Sorgen. "Wir hatten keine Zuverlässigkeitsprobleme", sagt er. "Ich bin in einer sehr guten Position, das gilt auch für Lewis." Während Fernando Alonso bereits alle sein acht erlaubten Ferrari-Triebwerke benutzt hat, haben Button und Hamilton noch je ein frisches Aggregat auf Lager.

Immer ankommen

Jenson Button baut auf die Zuverlässigkeit seines Autos, Foto: Bridgestone
Jenson Button baut auf die Zuverlässigkeit seines Autos, Foto: Bridgestone

Entscheidend wird ohnehin die Konstanz. "Bei den letzten Rennen haben vier der fünf Titelkandidaten wenigstens einmal nicht gepunktet", weiß Button. "Der einzige Fahrer, der immer gepunktet hat, führt jetzt die WM an." Das ist Mark Webber. "Es ist wichtig, ins Ziel zu kommen und zu punkten."

Button kennt diese Situation aus dem Titelkampf des Vorjahres. "Letztes Jahr war es schwierig, weil ich vorher noch nie in dieser Situation gewesen bin und weil wir nicht so konkurrenzfähig waren wie andere Teams." Also brannte er sich eine Strategie ins Hirn: "Hier ein paar Punkte, dort ein paar Punkte - aber sobald man damit anfängt, ist man zu vorsichtig", erinnert er sich. Das sei eine sehr schwierige Situation. "Dieses Jahr muss ich kämpfen, muss ich aggressiver sein, weil ich hinten liege."

Das kommt ihm eher entgegen. Vorsicht muss Webber walten lassen. "Einerseits ist es gut, weil man die Erfahrung hat, andererseits kann es auch schlecht sein, weil man denkt: ich habe ein gutes Auto, die Erfahrung von 10 Jahren, aber dies könnte meine letzte Titelchance sein, ich bekomme vielleicht kein Auto mehr, das so gut ist. Das ist eine harte Position."