Als Krake führt man eigentlich ein einfaches Leben. Man schwimmt den ganzen Tag im Meer und frisst Muscheln. Doch wenn man Paul heißt und ein weltweit bekanntes Fußball-Orakel ist, dann wird das Leben schon komplizierter. Die letzten Wochen verfolgten die Medien weltweit die neuesten Botschaften von Paul: Fernsehsender aus England, Australien oder Amerika sowie Sportzeitungen rund um den Globus - sie alle verehren die Krake mit dem zweiten Gesicht.

Eigentlich sollte Paul im Meer schwimmen, Foto: Sutton
Eigentlich sollte Paul im Meer schwimmen, Foto: Sutton

Doch nicht nur Paul hat zwei Gesichter, sondern auch der Ruhm. Einerseits kann sich Paul kaum vor Fans retten - bei Twitter ist er in den Trendcharts der weltweiten Suchbegriffe auf Platz eins geschossen - andererseits findet man auf Facebook nicht nur Fanseiten, sondern auch Seiten, in denen sich Paul-Hasser zusammengeschlossen haben, um dem Leben der Krake ein Ende zu setzen. Vor allem seit Paul das Ausscheiden der deutschen Mannschaft im Halbfinale gegen Spanien vorausgesagt hat, muss er um sein Leben fürchten.

Spaniens Ministerpräsident Rodriguez Zapatero wollte Paul sogar ein Leibwächter-Team schicken als er hörte, dass nicht wenige Deutsche den Oktopus nur liebend gern auf dem Griller sehen würden. Sechs deutsche Männer bilden da die Ausnahme - sie entschlossen sich Paul das Leben retten und planten in einer Nacht und Nebel-Aktion den "Kraken-Raub" aus dem Großaquarium im Oberhausener Sealife-Aquarium. Sebastian V. stand Schmiere, während die restlichen Fünf sich zum Auqrium von Paul aufmachten. "Bis jetzt sieht es gut aus, aber es liegt noch ein großer Brocken vor uns", funkte Sebastian V. über das Walkie Talkie an seine Kumpels.

Angsthasen unter sich

Je näher sie dem zu Hause von Paul kamen, desto mulmiger wurde Timo G. zu mute. "Wir gingen ziemlich blind rein", musste er sich eingestehen. Doch Timo biss die Zähne zusammen, denn schließlich ging es um das Leben von Paul. Nico R. konnte Timo gut verstehen, denn er wusste, dass sollten irgendwelche Wachen auftauchen, dann "können wir die sicher nicht schlagen." Angesichts der beiden Angsthasen, denen der Angstschweiß schon auf der Stirn stand, übernahm Michael S. das Kommando.

Da man den Lageplan des Auqariums im Fluchtauto vergessen hatte, musste man sich ohne Hilfe durch das Großaquarium schlagen. Michael S. schlug vor, links den langen Gang entlang zu gehen. Ein Fehler wie sich schnell herausstellte: "Was im Normalfall vernünftig ist, war im Nachhinein betrachtet aber vielleicht doch falsch", musste er sich eingestehen. Als man dann doch den rechten Gang einschlug, gelangte man innerhalb von wenigen Minuten zu Paul. Doch dann merkten die Vier, dass sie nicht nur den Lageplan im Fluchtauto vergessen hatten, sondern auch das Fangnetz.

Da kein Netz zur Verfügung stand, mussten sie ihren Rettungsversuch abblasen. Im gleichen Moment ertönte plötzlich der Alarm. Sofort machten sich die Vier in Richtung Ausgang auf, wo Nico H. mit angelassenen Motor bereits wartete. Sebastian V. rutschte auf den Vordersitz, die anderen Vier quetschten sich auf den Rücksitz. Als wären die Sechs nicht angespannt genug gewesen, steckten sie noch im Verkehr fest. Besonders ein Sonntagsfahrer schien ihnen den Weg versperren zu wollen.

"Er ging nicht aus dem Weg", klagte Nico H. Nach einer gefühlten halben Ewigkeit kamen sie am Ziel an. Den perfekten Fluchtort hatten die Sechs bereits im Vorfeld gefunden und zwar bei ihrem Verbündeten Sebastien B. in der Schweiz, wo es kein Auslieferungsabkommen gibt. Dort hätte auch Paul - sicher vor Fans und Medien - seinen Lebensabend verbringen sollen. "Das ist enttäuschend, aber es ist nicht das Ende der Welt", versuchte Adrian S. den geplatzten Rettungsversuch leicht zu nehmen.