Maximilian Paul (GRT-Lamborghini) und Kelvin van der Linde (Schubert-BMW) müssen den Sonntag beim DTM-Rennwochenende auf dem Norisring auslassen. Nach dem schweren Unfall am Samstag sind beide Fahrer nicht in der Lage, das heutige Qualifying und Rennen zu bestreiten. Das haben ihre beiden Teams GRT und Schubert Motorsport bestätigt.

Lambo-Fahrer Paul, der mit hoher Geschwindigkeit abgeflogen war und van der Lindes BMW an der Fahrertür getroffen hatte, wurde in der Nacht bereits operiert. Der gebürtige Dresdner erlitt einen Bruch des Unterschenkels.

DTM-Unfall am Norisring: Horror-Crash im Video (04:42 Min.)

Maximilian Paul nach Unfall operiert

"Den Umständen entsprechend geht es ihm gut, er ist wegen einer Verletzung im unteren Fußbereich operiert worden", sagte GRT-Teamchef Gottfried Grasser am Sonntagmorgen bei ProSieben. "Die OP ist gut verlaufen, das ist das Wichtigste." Wann Paul wieder ins Geschehen eingreifen kann, war noch nicht klar. Grasser: "Der linke Fuß ist der Bremsfuß und die Jungs müssen mit 130 bar Druck bremsen. Die Genesung muss anständig sein, damit alles verheilt."

Grasser vermutete, dass eine Ölspur auf der Strecke dazu geführt haben könnte, dass Paul die Kontrolle über seinen Lamborghini zur Anfahrt auf die erste Kurve verlor, zunächst links in die Mauer einschlug und dann van der Linde abräumte. "Es gab einen McLaren-Unfall, wo Glock viel Öl verloren hat. Er hat das Auto wohl auf der Ölspur verloren", sagte Grasser. "Auf den Daten haben wir festgestellt, dass technisch alles auszuschließen ist."

Dieser Annahme widersprach jedoch Volker Strycek, Projektleiter des McLaren-Teams Dörr Motorsport: "Was man uns unterstellt, ist völlig sinnlos. Wir haben 0,7 Liter Öl als Spray-Nebel verloren." Auch Glock konnte sich nicht vorstellen, dass sein Ölverlust ein Faktor beim Unfall zwischen Paul und van der Linde gewesen sein soll.

Kelvin van der Linde kommt mit Prellungen davon

Während bei Paul schon kurz nach dem schweren Unfall klar war, dass er nicht mehr weitermachen kann, war die Angelegenheit bei van der Linde zunächst nicht so eindeutig. Der BMW-Werksfahrer unterzog sich nach einem ersten Check im Medical Center weiteren Untersuchungen im Krankenhaus, um auf Nummer sicher zu gehen.

Am Samstagabend wurde schließlich entschieden, dass van der Linde aussetzen und stattdessen nach Hause reisen wird. Teamchef Torsten Schubert am Sonntagmorgen: "Kelvin hat ein paar Prellungen, es ist aber nichts gebrochen. Wir gehen davon aus, dass er in 14 Tagen am Lausitzring wieder fahren kann. Die Prellungen waren so stark, dass hier ein vernünftiges Fahren nicht möglich gewesen wäre."

Van der Linde über Norisring-Crash: "Das war heftig"

Schubert hatte für den Fall der Fälle bereits einen zweiten BMW M4 GT3 Evo organsiert, der eigentlich für das nächste Rennwochenende des ADAC GT Masters auf dem Nürburgring vorbereitet war. Aber, so Schubert: "Wenn es Kelvion besser gegangen wäre, hätten wir es versucht. Das Auto war schon auf dem Weg, dann haben wir aber abgebrochen." Der am Norisring verunfallte BMW soll für den nächsten Einsatz in der DTM wieder gerichtet werden.

Van der Linde teilte per Video-Nachricht mit: "Das war heftig. Ich bin froh, dass nix Schlimmes passiert ist. Es tut schon einiges weh - besonders, wenn man 30 Jahre als ist... Ich freue mich, dass es weitergeht und ich diese Geschichte einfach so erzählen kann. Auto fahren ist für mich heute erst mal nicht das Richtige."

Sonntags-Qualifying: Thiim schon wieder auf Pole

Ohne Paul und van der Linde nahmen nur 19 Fahrer das in zwei Gruppen aufgeteilte Qualifying am Sonntagmorgen auf. Nicki Thiim (Comtoyou-Aston-Martin) gelang das seltene Kunststück, nach der Pole und dem Sieg am Samstag erneut den ersten Podestplatz zu erobern. Der Däne setzte sich in seiner Gruppe 1 mit der Bestzeit von 48.583 Sekunden durch.

"Ein heiliger Sonntag", jubelte Thiim. "Es macht einfach Riesen-Spaßm, hier auf dem Stadtkurs zu fahren. Jetzt werde ich aber das dicke Kind in der Schule sein mit den 20 Kilo." Eine Anspielung auf das Erfolgsgewichtgewicht, dass er im heutigen Rennen wegen des Sieges am Vortag mit an Bord herumschleppen muss.

Damit gewann Thiim das "Fernduell" gegen Finn Wiebelhaus (HRT-Ford), der in Gruppe 2 die schnellste Rundenzeit in 48.694 Sekunden erzielte. Der DTM-Rookie stand nach dem Qualifying allerdings unter Beobachtung der Rennleitung wegen eines möglichen Blockierens und muss um seinen zweiten Startplatz bangen.

Auf den Startplätzen drei und vier folgten Arjun Maini (Zweitschnellster in Gruppe 1) im zweiten Ford Mustang GT3 Evo und Ben Dörr (Dörr-McLaren, Zweitschnellster in Gruppe 2). Lucas Auer und Jules Gounon sorgten für eine reine dritte Mercedes-AMG-Startreihe. Mirko Bortolotti im einzigen GRT-Lamborghini und Thierry Vermeulen (Emil-Frey-Ferrari) komplettierten die Top-8 der Startaufstellung.

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