Rene Rast tritt 2026 nicht mehr in der DTM an. Diese Nachricht schockte am Freitag des finalen Rennwochenendes der Saison 2025 in Hockenheim das DTM-Fahrerlager. Doch was führte zu diesem Schritt? Rast stellte sich im Anschluss an die Bekanntgabe den Fragen von ausgewählten Medienvertretern, zu denen auch Motorsport-Magazin.com gehörte.

Rene Rast steigt aus! Keine DTM 2026 - kommt er zurück? (09:08 Min.)

Rene Rast über...

...die Gründe für seinen DTM-Abschied:

Das fällt mir nicht leicht, weil die DTM für mich immer Heimat war. Schon als Nachwuchsfahrer war es mein Traum, DTM-Pilot zu werden. Aber es fühlt sich jetzt richtig an. Ich war die letzten Jahre extrem viel unterwegs, bin Doppelprogramme gefahren. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man einen Schritt zurücktreten muss. Ich möchte mehr Zeit mit meiner Familie verbringen, mir selbst mehr Freiraum geben und auch neue Dinge ausprobieren. Das heißt nicht, dass ich mit dem Motorsport aufhöre - ich werde auch 2026 Rennen fahren. Welche Programme genau, wird bald bekannt gegeben. Aber die DTM fällt nächstes Jahr weg.

Rast: Die DTM hat sich verändert

...warum er sich für die DTM anstelle der WEC entschieden hat:

Rene Rast: Nun ja, die DTM ist heute Kundensport, die WEC mit dem Hypercar-Programm ist Werksport. Und als Fahrer zieht es dich natürlich dahin, wo der Werksport ist. Außerdem hat sich die DTM verändert - das wissen alle. Sie ist nicht mehr dieselbe wie früher. Für mich persönlich ist der Reiz im Sportwagen- und WEC-Umfeld momentan einfach größer. Ich habe in der DTM viel erreicht - aber in der WEC noch nicht. Ich habe noch kein Le Mans gewonnen, noch keinen WEC-Titel. Klar, ein vierter DTM-Titel wäre schön, aber ein Le-Mans-Sieg ist etwas, das ich mir nicht entgehen lassen möchte.

...über die verpasste Chance, Bernd Schneiders fünf Rekord-Titel anzugreifen:

Rene Rast: Natürlich weiß ich, dass Bernd Schneider fünf Titel hat. Aber jeder Titel fühlt sich am Ende an wie ein Haken auf einer Liste. Der zweite, dritte Titel - am nächsten Tag geht es einfach weiter. Mehr Erfüllung bringt das nicht. Selbst wenn ich am Sonntag meinen vierten Titel hole, wird sich mein Leben nicht grundlegend ändern. Ein Le-Mans-Sieg dagegen wäre ein Ziel, das ich noch nicht erreicht habe. Bernd Schneider ist ein großartiger Fahrer, seine fünf Titel dürfen gerne bei ihm bleiben. Vielleicht komme ich in einigen Jahren zurück - wer weiß?

Rene Rast auf dem Red Bull Ring
Rast wird nächstes Jahr nicht mehr in der DTM zu sehen sein, Foto: IMAGO / IBEX.agency

Rast stellt klar: Kein Abschied für immer

...die Chancen auf eine DTM-Rückkehr in Zukunft:

Rene Rast: Mir war wichtig zu betonen: Das ist kein Abschied für immer. Die Tür bleibt offen. Vielleicht merke ich nächstes Jahr, dass mir ein Doppelprogramm doch fehlt - dann ist die DTM wieder eine Option. Für 2026 ist ein Comeback aber eher unwahrscheinlich. Danach kann alles passieren. Ehrlich gesagt freue ich mich auch darauf, mal zwei Wochen am Stück zu Hause zu sein. Dinge mitzuerleben, die ich bisher verpasst habe - wie wenn mein Sohn Fahrradfahren lernt. Mein Ältester ist inzwischen neun, und vieles davon habe ich gar nicht richtig mitbekommen. Das will ich beim zweiten Kind nicht wiederholen.

...die Reaktion seiner Familie zum DTM-Abschied:

Rene Rast: Sie waren traurig. Mein Großer hat fast geweint, meine Frau auch. Sie mögen es, die DTM im Fernsehen zu verfolgen. Die WEC ist da anders: Sechs-Stunden-Rennen, weniger direkte Zweikämpfe, keine Aufholjagden von Platz 18 auf Platz 5 in ein paar Runden. Das hat ihnen immer gefallen. Ich dachte eigentlich, dass sie sich freuen würden, wenn ich weniger unterwegs bin - aber so einfach war es nicht.

Nordschleife und Spa? Rast hält sich Türen offen

...sein Motorsport-Programm 2026:

Rene Rast: Alles ist offen. Ich bin da flexibel - Nordschleife oder Spa sind Optionen, wenn es passt. Aber klar ist: Nächstes Jahr gibt es für mich erstmal nur ein Programm. Kein Doppelprogramm. Ich möchte herausfinden, wie sich das anfühlt.

...die Frage, ob ein Le-Mans-Prototyp mehr Spaß macht als ein DTM-Auto:

Rene Rast: Ein Hypercar ist ein reinrassiges Rennauto, natürlich bewegt man es auf einem ganz anderen Level. Aber die DTM macht trotzdem großen Spaß - gerade die Zweikämpfe, das Durchkämpfen durchs Feld. Ich will der DTM nichts Negatives nachsagen. Es war für mich eine persönliche Entscheidung, die Priorität auf die WEC zu legen. Beide Autos machen Spaß, keine Frage.

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Rast wird sich 2026 auf die WEC konzentrieren, Foto: BMW M Motorsport

Rast offenbart: Das wird ihm an der DTM fehlen

...die Dinge, die ihm am meisten in der DTM fehlen werden:

Rene Rast: Vor allem die Menschen. 80 Prozent meines privaten und sportlichen Umfelds sind in der DTM. Wenn das wegbricht, fehlt natürlich viel Kommunikation, viele Freundschaften. Aber ich komme sicher wieder vorbei - auch als Zuschauer. Was mir auch fehlen wird, ist das Detail-Arbeiten: In der DTM kämpfst du um jedes Hundertstel, analysierst jede Kurve. In der WEC geht das so nicht, weil du dir das Auto mit anderen Fahrern teilst.

...die Sorge, etwas aus dem deutschen Motorsport-Fokus zu geraten:

Rene Rast: Ja, aber das ist nicht schlimm. Ich hatte tolle Jahre in der DTM, war lange Zeit ganz oben, habe viel Aufmerksamkeit genossen. Aber irgendwann ist es auch Zeit für die nächste Generation. Jeder Fahrer hat seine Zeit, meine in der DTM war lang und sehr erfolgreich. Jetzt können andere die Chance nutzen.

...seine DTM-Titelchancen 2025:

Rene Rast: Es ist noch alles möglich. Selten gab es neun Fahrer, die noch um den Titel kämpfen können. Klar, es sieht schwierig aus, aber wenn es regnet und es chaotisch wird, kann viel passieren. Ich habe 2017 bewiesen, dass man auch mit Rückstand noch Meister werden kann. Solange es rechnerisch möglich ist, glaube ich daran.