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DTM Hockenheim: Abt-Mechaniker nach Boxengassen-Unfall operiert

Beim Sonntagsrennen der DTM in Hockenheim verletzt sich ein Abt-Mechaniker beim Boxenstopp an der Hand. ITR-Manager reagiert auf harte Kritik.
von Robert Seiwert & Arno Wester

Motorsport-Magazin.com - Beim DTM-Sonntagsrennen in Hockenheim kam es beim Pflicht-Boxenstopp von Mike Rockenfeller zu einem Zwischenfall bei Abt Sportsline. Beim Räderwechsel wurde ein Mechaniker des Teams durch ein rotierendes Hinterrad an der linken Hand verletzt. Er wurde zur weiteren Untersuchung ins Krankenhaus gebracht, teilte das Team in einer ersten Reaktion mit.

Laut Teamangaben am Sonntagabend erlitt einer der Mechaniker konkret Verletzungen an zwei Fingern der linken Hand. Er wurde ins Krankenhaus nach Ludwigshafen gebracht und dort operiert. "Wir alle hoffen, dass er ganz schnell wieder fit und am besten schon am Norisring wieder dabei ist - wenn auch mit einem Gips an seiner linken Hand", sagte Abt-Teamchef Thomas Biermaier.

"Ein ganz rabenschwarzer Tag für uns", meinte Biermaier kurz nach dem Rennende bei Sat.1. "Das Schlimmste ist, wir haben einen verletzten Mechaniker. Da interessieren mich die Strafen nicht, nur die Gesundheit des Mechanikers."

Das Saisonfinale in einer Woche auf dem Nürnberger Stadtkurs (08.-10. Oktober) muss der Mechaniker auslassen, wie Abt am frühen Montagmorgen in einem Update meldete. Die Operation sei gut verlaufen. Das Team-Mitglied brauche nun etwas Zeit, um beurteilen zu können, wie der Heilungsprozess verläuft.

Rockenfeller: Ich bin am Boden zerstört

Damit sprach Biermaier die beiden 5-Sekunden-Zeitstrafen für Kelvin van der Linde an, der dadurch auf den zehnten Platz zurückfiel und auch die Führung in der Meisterschaft verlor. Das Rennergebnis interessierte nach dem Boxenstopp-Unfall niemanden in der Abt-Box. Rockenfeller wurde gesehen, wie er weinte und die Hände über dem Kopf zusammenschlug.

"Einen Mechaniker beim Boxenstopp zu gefährden oder sogar zu verletzten, ist das Letzte, was man sich als Rennfahrer wünscht", wurde Rockenfeller später in einer Abt-Pressemitteilung zitiert. "Leider ist das heute passiert und es tut mir wahnsinnig leid. Ich bin nach dem Rennen sofort ins Krankenhaus gefahren und werde Manuel morgen nach einer hoffentlich erfolgreichen Operation besuchen. Ich bin wirklich am Boden zerstört, denn so etwas ist mir noch nie passiert."

Van der Linde: Alle extrem traurig wegen Manuel

Der Vorfall ereignete sich in der 21. Rennrunde, als Rockenfeller spät die Boxengasse für seinen Pflicht-Boxenstopp ansteuerte. Dabei drehten sich nach dem Wechsel noch die Räder des aufgebockten Audi R8 an der Hinterachse, bevor das Auto wieder auf den Asphalt abgelassen wurde.

Der Reifen-Mechaniker hinten links hatte zu diesem Zeitpunkt noch eine Hand samt Handschuh im Bereich des Radkastens. Auf den TV-Bildern war zu sehen, wie er sich danach den Arm hielt.

Rockenfellers Teamkollege van der Linde in einer ersten Reaktion: "Das Rennen ist ein Punkt, aber wir sind alle extrem traurig wegen Manuel. Er ist im Krankenhaus und wir warten auf weitere Infos. Das ist sehr schmerzhaft für uns alle, er ist ein extrem wichtiger Teil unseres Teams."

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Abt-Teamchef: Dürfen nie aufhören, Sicherheit zu verbessern

Später teilte Teamchef Biermaier in einem von Abt verschickten Statement bezüglich der sogenannten Performance-Boxenstopps in der DTM ohne vorgeschriebene Mindest-Standzeit mit: "Das Team ABT Sportsline ist bekannt für schnelle, aber auch sichere Boxenstopps. Wir haben in 21 Jahren DTM nur zweimal Unfälle mit Verletzungen gehabt. Natürlich sollte es am besten gar keine Unfälle geben, aber Boxenstopps birgen immer ein gewisses Risiko."

Biermaier weiter: "Heute ist am wichtigsten, dass Manuel schnell wieder gesund wird. Performance-Boxenstopps sind Teil der DTM-DNA und sollten es unserer Meinung nach auch bleiben. Aber wir dürfen nie aufhören, die Sicherheit zu verbessern. Deshalb muss sichergestellt werden, dass für 2022 ein Boxenstopp-Reglement entwickelt wird, das schnelle und vor allem sichere Boxenstopps gewährleistet."

Abt-Teammitglied: Harte Kritik nach Unfall - ITR reagiert

Nach dem Vorfall sagte ein Abt-Teammitglied, das namentlich nicht genannt werden wollte, zu Motorsport-Magazin.com: "Das hat die ITR nun von ihren gewollten Performance-Boxenstopps, die die benachteiligten Teams zu immer schnelleren Stopps veranlassen und herausfordern. Deshalb ist es jetzt sogar zu einem schlimmen Unfall eines unserer Teammitglieder gekommen, dessen Verletzungen in einem Krankenhaus untersucht und behandelt werden. Die ITR sollte schnellstens darüber nachdenken, diesen völlig unnötigen 'Wettbewerb' in der Boxengasse endlich zu beenden."

DTM-Manager Frederic Elsner auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com: "Wir bedauern natürlich sehr, was dem Mechaniker des Teams Abt Sportsline bei dem Pflichtboxenstopp widerfahren ist. An dieser Stelle einen Zusammenhang zum Thema Performance Boxenstopp herzustellen, ist unserer Meinung nach nicht richtig. Danke auch an Teamchef Thomas Biermaier, der sich bereits dazu entsprechend geäußert hat. Wir werden uns die Bilder natürlich genau anschauen und analysieren, wünschen dem Mechaniker jedoch zunächst, und das ist das Wichtigste, nur das Beste."

Nachträgliche Strafe für Rockenfeller

Rockenfeller stand nach dem Vorfall unter Beobachtung der Rennleitung und erhielt nachträglich eine 30-Sekunden-Ersatzstrafe. Während des Rennens setzte es bereits mehrere 5-Sekunden-Zeitstrafen für Vergehen beim Boxenstopp. So wurden Marco Wittmann (Walkenhorst-BMW), Timo Glock (ROWE-BMW) sowie Arjun Maini (GetSpeed-Mercedes) bestraft, weil ihre Teams gegen Artikel 30.3 des Sportlichen Reglements verstoßen hatten. Demnach wurden Reifen von Mechanikern nach dem Wechsel mit nur einer statt wie vorgeschrieben mit zwei Händen zurückgetragen.


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