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DTM

DTM: Liam Lawson siegt mit Red-Bull-Ferrari in Spielberg

Liam Lawson feiert seinen zweiten Sieg in der DTM beim Quasi-Heimrennen auf dem Red Bull Ring. Zwei Mercedes komplettieren das Podest am Samstag.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Liam Lawson hat sich auf dem Red Bull Ring nach einem zuletzt punktelosen Rennwochenende eindrucksvoll in der DTM zurückgemeldet. Der Neuseeländer fuhr am Samstag nach seiner ersten Pole Position zum zweiten Sieg in der Traditionsserie und wahrt die Chancen im Meisterschaftskampf.

Auch die Titelrivalen waren in Spielberg bestens aufgelegt: Maximilian Götz fuhr hinter dem Red-Bull-Ferrari als Zweiter auf das Podium - zum vierten Mal im neunten Saisonlauf. "Es war schön, nach den letzten paar harten Wochen das Ruder herumzureißen", sagte Lawson. "Unser Fokus lag darauf, im ersten Stint zu pushen und nach Möglichkeit wegzuziehen. Nach dem Boxenstopp war Maxi viel näher als ich gedacht hatte. In den letzten paar Runden war der Abstand weniger als eine Sekunde."

Dem Meisterschaftsführenden Kelvin van der Linde gelang eine Aufholjagd vom achten bis auf den fünften Platz. "Das war das Maximum heute", sagte van der Linde. "Wenn man mir heute Morgen gesagt hätte, dass ich Fünfter werde, hätte ich das sofort unterschrieben. Wir richten den Fokus auf morgen. Das wird wichtig, die anderen Jungs sind extrem stark und wir müssen angreifen."

DTM Spielberg: Lawson führt Red-Bull-Ferrari zum Heimsieg: (04:00 Min.)

An Philip Ellis, der nach seinem Sieg auf dem Lausitzring zum dritten Mal aufs Podest fuhr, gab es kein Vorbeikommen für den Südafrikaner. In der Schlussphase zog auch Nürburgring-Sieger Alex Albon an van der Linde vorbei und sicherte sich den vierten Platz.

Hinter Überraschungs-Mann Arjun Maini (Startplatz drei!) überquerte Marco Wittmann als bestplatzierter BMW die Ziellinie auf dem siebten Platz. Maini nach seinem besten Ergebnis im GetSpeed-Mercedes: "Nachdem das Team über Nacht aus Sicherheitsgründen den Motor gewechselt hat, ist das ein perfektes Ergebnis und ich bin den Jungs sehr dankbar." Lucas Auer komplettierte die Top-8 bei seinem Heimrennen, bei dem erstmals seit 2019 wieder Zuschauer das Fahrerlager besuchen durften.

Götz eine Sekunde hinter Lawson

In einem weit weniger aufregenden Rennen als zuletzt am Nürburgring legte Lawson den Grundstein für den zweiten Sieg nach Monza bereits im Qualifying. Der Red-Bull-Junior flog am Samstagvormittag zum ersten Startplatz und hatte von dort im Rennen keine Probleme, die Position zu verwalten. Auch nach seinem Boxenstopp in Reaktion auf Götz' Reifenwechsel blieb der 19-Jährige vorne.

Götz fuhr mit seinem HRT-Mercedes jederzeit in Schlagdistanz, zu einem Angriff auf den führenden Ferrari kam es jedoch nicht. Am Ende fehlte dem AMG-Ass nur eine Sekunde. "Ich glaube, das war ein geiles Rennen", sagte DTM-Rückkehrer Götz. "Ich war am Ende knapp dran, aber zum Vorbeifahren hat es nicht gereicht." Allerdings vermutete Götz, Lawson habe seinen Vorsprung verwaltet, doch dem widersprach Lawson vehement: "Ich wünschte, ich hätte es kontrolliert. Für mich war es nur Vollgas die ganze Zeit."

Dahinter klaffte eine größere Lücke zu Ellis, der beim Zieleinlauf mehr als zwölf Sekunden Rückstand zu Sieger Lawson aufwies. "Wir hatten nicht die Pace, um mit den beiden Jungs an der Spitze mitzuhalten. Im zweiten Stint ging es darum, zu überleben. Das war eines der härtesten Rennen der Saison", sagte Ellis, der sich zwischenzeitlich Sorgen machen musste, weil kurzzeitig an seinem Mercedes qualmte.

Sheldon van der Linde vorzeitig raus

Sheldon van der Linde sah die Zielflagge nach einem aussichtsreichen Start von Platz vier nicht. In der 10. Runde musste er seinen ROWE-BMW vorzeitig im Kiesbett parken. Teamchef Hans-Peter Naundorf bei Sat.1: "Das war eine sehr unsaubere Fahrweise von einigen Kollegen auf der Strecke. Sheldon wurde mehrfach ins Auto gefahren. Dabei ist die Lenkung oder Aufhängung gebrochen."

Für Dev Gore, der das letzte Rennwochenende auf dem Nürburgring verpasst hatte, verlief die Rückkehr in den Rosberg-Audi nicht wie erhofft. Der US-Amerikaner fiel in der 17. Runde des Rennens vorzeitig aus und muss weiter auf seine ersten Punkte in der DTM warten. Auch Rosberg-Teamkollege Nico Müller musste seinen Audi R8 vorzeitig abstellen.

Rosberg-Teamchef Kimmo Liimatainen: "Nico und Esteban Muth hatten sich im Zweikampf um die Führung berührt, was für Probleme an Nicos Auto gesorgt hat. Weil wir keinen größeren Schaden oder gar Folgeunfall riskieren wollten, hat Nico sein Rennen vorzeitig beendet. Bei Dev war es ähnlich: Auch er hatte einen Kontakt mit einem Rivalen und danach Probleme. Und auch er hat aus Sicherheitsgründen an der Box aufgegeben. Aber ganz unabhängig vom Rennpech bin ich mit der Balance of Performance an diesem Wochenende überhaupt nicht zufrieden. Wir haben hier auf dem Red Bull Ring mit besonders stumpfen Waffen gekämpft."

DTM-Tabelle 2021: Konkurrenz holt zu van der Linde auf

Nach neun von 16 geplanten Saisonrennen führt weiter Kelvin van der Linde die Gesamtwertung an. Der dreifache Rennsieger belegt den ersten Platz mit 139 Punkten. Sein ärgster Verfolger, Maximilian Götz, machte mit dem Podesterfolg Punkte gut und hat nun 116 Zähler auf dem Konto.

Rennsieger Liam Lawson verdrängte Marco Wittmann (100 Punkte) vom dritten Rang in der Tabelle und steht bei 108 Zählern. Alex Albon (AF Corse), Philip Ellis (Winward-Mercedes), Mike Rockenfeller (Abt-Audi) und Lucas Auer (Winward-Mercedes) folgen auf den Positionen fünf bis acht.

DTM Red Bull Ring: So lief das Rennen am Samstag

Die Startaufstellung: Liam Lawson flog mit dem Red-Bull-Ferrari zu seiner ersten Pole Position in der DTM. Der Neuseeländer hatte beeindruckende 0,271 Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten Maximilian Götz. Der HRT-Mercedes-Pilot erhielt wegen einer Behinderung von Philip Ellis eine Rückversetzung um drei Startplätze, die allerdings für die nächsten zwei Qualifyings zur Bewährung ausgesetzt ist. Arjun Maini (GetSpeed) führte seinen Mercedes überraschend auf den dritten Startplatz, Sheldon van der Linde komplettierte die zweite Reihe als bestplatzierter BMW-Pilot. Kelvin van der Linde erzielte als bester Audi den achten Platz nach nur wenigen und Reifen sparenden Runs. Direkt vor dem Abt-Piloten ordnete sich Titelanwärter Marco Wittmann ein.

Das Wetter: Knapp 20 Grad, Sonnenschein und ein Fahrerlager voller Zuschauer: Die DTM präsentierte sich am Samstag auf dem Red Bull Ring bei besten Bedingungen. Nachdem sich der morgendliche Nebel verzogen hatte, kletterten die Streckentemperaturen unter der prallen Sonne auf bis zu 40 Grad an.

Der Start: Liam Lawson verteidigte die Pole Position den Berg hoch vor Verfolger Maximilian Götz. Eng ging es dahinter zu, als Philip Ellis nach einem Topstart von P5, Arjun Maini auf P3 und Sheldon van der Linde zu Dritt durch die Kurven flogen - Kontaktsport inklusive! Die beiden Mercedes-Piloten blieben vor van der Linde im BMW, während Bruder Kelvin und Marco Wittmann an Alex Albon vorbeizogen und die Plätze sieben und sechs einnahmen. Der Ferrari kam im Zweikampf kurzzeitig von der Strecke ab.

Die Boxenstopps: Wie üblich bogen die ersten Fahrer schon früh zum Pflicht-Reifenwechsel in die Boxengasse ab. Aus den Punkterängen heraus ließen Philip Ellis, Marco Wittmann und Maxi Buhk neue Michelins aufziehen. In Runde 7 wurde es noch geschäftiger an den Boxenplätzen: Arjun Maini, Vincent Abril, Sheldon van der Linde, Lucas Auer und Maximilian Paul absolvierten ihre Pflicht-Boxenstopps.

Einen Umlauf später folgten der Zweitplatzierte Maximilian Götz, Daniel Juncadella, Esmee Hawkey und Dev Gore. Spitzenreiter Liam Lawson reagierte auf Götz' Strategie und ließ in Runde 9 frische Reifen aufziehen. Nach der Boxenausfahrt fuhr Lawson vor Götz, Ellis, Maini und Wittmann.

Bei Alex Albons Reifenwechsel in Runde 11 klemmte es ein wenig bei der Choreographie, während die beiden Audi von Kelvin van der Linde und Dev Gore im 12. Umlauf die Boxengasse ansteuerten. Zu diesem Zeitpunkt waren nur die drei Audi-Piloten Nico Müller, Mike Rockenfeller und Sophia Flörsch sowie Esteban Muth noch auf ihren Startreifen unterwegs.

Die Zwischenfälle: Dev Gore (Rosberg-Audi) erhielt bei seiner Rückkehr in die DTM eine Durchfahrtsstrafe in der zweiten Rennhälfte, weil er in der Boxengasse schneller als erlaubt gefahren war. Was schon in den Trainings aufgefallen war, setzte sich im Renn-Trim munter fort: Überschreitungen der Track Limits. Das halbe Starterfeld kassierte Verwarnungen, weil Fahrer dreimal die Streckenbegrenzungen ignoriert hatten. Buhk erhielt deshalb im letzten Rennviertel eine 5-Sekunden-Zeitstrafe.

Die Ausfälle: Sheldon van der Linde sorgte für den ersten Ausfall des Rennens. In der 10. Runde parkte der Südafrikaner seinen durch Kollisionen beschädigten ROWE-BMW im Kiesbett und musste vorzeitig aufgeben. In Runde 17 erwischte es DTM-Rückkehrer Dev Gore, der seinen Rosberg-Audi in der Box abstellen musste.


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