Motorsport-Magazin.com Plus
DTM

DTM Spielberg: Liam Lawson siegt mit 25 Zusatz-Kilo im Ferrari

Liam Lawson gelingt als erstem Fahrer der DTM-Saison 2021 ein Doppelsieg. Für Pole-Setter Marco Wittmann gibt es in Spielberg kein Vorbeikommen am Ferrari.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Mit 25 Kilogramm Erfolgsballast an Bord: Liam Lawson (AF Corse Ferrari) hat das Sonntagsrennen der DTM in Spielberg gewonnen. Der 19-Jährige hatte bereits den Lauf am Samstag für sich entschieden und dadurch aufgrund des Reglements ein zusätzliches Gewicht von 25 Kilo in seinem von Red Bull unterstützten AF-Corse-Ferrari zugeladen. Das hinderte Lawson allerdings nicht daran, als erster Fahrer in der DTM-Saison 2021 beide Rennen an einem Wochenende zu gewinnen.

Pole-Setter Marco Wittmann (Walkenhorst-BMW) überquerte die Ziellinie mit einem Rückstand von 0,215 Sekunden als Zweiter. Maximilian Götz (HRT-Mercedes) komplettierte das Podest beim zehnten Saisonrennen, bei dem erstmals seit 2019 wieder Zuschauer das Fahrerlager besuchen durften.

Die Vorentscheidung über den Rennsieg fiel während der frühen Boxenstoppphase. Wittmann absolvierte in Führung liegend nach der fünften Runde seinen Pflicht-Reifenwechsel. Verfolger Lawson konterte direkt und steuerte in Runde sechs die Boxengasse an. Bei der Ausfahrt gelang es dem Red-Bull-Junior, Wittmann und seinen BMW mit ausreichend Abstand hinter sich zu lassen. In der Folge blieb Wittmann am Heck des Ferrari 488 kleben, fand aber keinen Weg vorbei.

Spannend wurde es in der Schlussphase, als sich Lawson und Wittmann anschickten, Nico Müllers Audi, der als Einziger noch mit seinen Startreifen unterwegs war, zu überrunden. Der amtierende DTM-Vizechampion leistete gegen Lawson und eine Runde später gegen Wittmann kurz Gegenwehr, bevor er das Führungsduo passieren ließ. "Los Nico, fahr verdammt noch mal aus dem Weg!", funkte Lawson kurz vor dem Überholmanöver an sein italienisches Team.

Lawson und Wittmann fuhren am Sonntag in ihrer eigenen Liga - ähnlich wie am Samstag, als Lawson und Götz dem Rest des Feldes entflohen waren. Diesmal fehlten dem Drittplatzierten Götz mehr als 15 Sekunden auf das Führungs-Duo, dafür sammelte der HRT-Mercedes-Pilot (von P4 gestartet) seinen nächsten Podestplatz und kann sich weiter gute Chancen auf die Meisterschaft ausrechnen.

Ein schwieriges Wochenende erlebte unterdessen DTM-Spitzenreiter Kelvin van der Linde (Abt-Audi). Im auf dem Red Bull Ring offenbar unterlegenen Audi betrieb er Schadensbegrenzung auf hohem Niveau und sammelte im Sonntagsrennen als Sechster erneut Punkte. Zur Renn-Halbzeit blinkte van der Linde sogar und ließ Mercedes-Pilot Daniel Juncadella kampflos ziehen, um das Material nicht zu sehr zu belasten und weitere Positionen einzubüßen.

Van der Linde profitierte auf dem Weg zu P6 von 5-Sekunden-Strafen, die sich die beiden Mercedes-Piloten Daniel Juncadella und Vincent Abril eingefangen hatten. Beide Fahrer wurden bestraft, weil sie beim fliegenden Rennstart zu viel Abstand gelassen hatten. Juncadella beendete das Rennen nach einer weiteren 5-Sekunden-Strafe letztendlich auf dem zwölften Platz, Abril wurde Achter.

"Wir waren der einzige Audi, der am Wochenende in den Punkten war", zog van der Linde Spielberg-Bilanz. "Ich bin sehr stolz auf das Team. Vor dem Wochenende hätten wir jeden Platz in den Top-10 unterschrieben, jetzt sind es P5 und P6 geworden. Das schwerste Wochenende haben wir jetzt hinter uns."

Philip Ellis (Winward-Mercedes), am Samstag auf dem Podest, verpasste diesmal als Vierter den Sprung in die Top-3 knapp. Lokalmatador Lucas Auer (Winward-Mercedes) erzielte Platz fünf, womit insgesamt drei Mercedes unter die besten Fünf des Klassements fuhren. Mit Arjun Maini (GetSpeed), Abril (HRT) und Maxi Buhk (Mücke) fuhren sogar sechs von sieben Mercedes in die Top-9. Timo Glock im ROWE-BMW holte als Zehnter den letzten Punkt.

Frust bei Wittmann trotz Podium

"Das Rennen war seht gut, heute war es viel härter", sagte Lawson bei Sat.1 "Der BMW hatte heute mehr Pace als ich, aber er hatte mehr Probleme mit der Bremse. Ich bin dankbar, dass unser Auto so gut auf der Bremse ist. Beim Boxenstopp haben die Jungs einen tollen Job gemacht. Zuletzt gab es da ein paar Mal Probleme, aber als es zählte, waren sie auf dem Punkt."

Wittmann holte verärgert etwas weiter aus: "Wenn man auf Pole steht und sieht, welche Pace wir hatten vom Start weg, dann willst du zum Sieg fahren. Aber es gab zwei Themen im Rennen. Zum einen die Boxenstopps, wo die Konkurrenz gegen Ferrari und Mercedes keine Chance hat. Das hat uns heute die Track-Position gekostet. Wenn die BoP zwischen den Autos so gut ist, dann sollte man sich das auch bei den Boxenstopps anschauen. Dazu kommen die Track-Limits. Liam fuhr fünf bis sieben Mal drüber und bekommt dafür keine Strafe. Das bringt jedes Mal einen Vorsprung. Ich habe sie respektiert, während der Vordermann tun und lassen kann, was er will. Deshalb ist auch etwas Frust da."

Zustimmung in Sachen Boxenstopps erhielt Wittmann vom dreifachen DTM-Champion Rene Rast, der erstmals als Experte für Sat.1 im Einsatz war. "Ich kann Marco verstehen", sagte der Audi-Werksfahrer. "Ferrari und Mercedes haben knapp zwei Sekunden Vorteil beim Stopp. Das ist bekannt, es wird aber leider nichts gemacht. Das bringt dich immer in eine schlechte Position, wie wir heute gesehen haben."

Pechvogel des Wochenendes: Sheldon van der Linde

Ein Wochenende zum Vergessen erlebte Sheldon van der Linde. Der ROWE-Pilot sah in beiden Rennen nicht die Zielflagge. Am Samstag war er in aussichtsreicher Position liegend in Folge einer Kollision ausgefallen. Im Sonntagsrennen erlitt der Südafrikaner auf Platz drei liegend einen frühen Reifenschaden. Van der Linde nahm das Rennen noch einmal auf, stellte den M6 GT3 dann aber wenige Runden später ab.

"Ich hatte einen sehr guten Start und war Dritter", sagte der enttäuschte van der Linde bei Sat.1. "Irgendwann kam ein Reifenschaden, keine Ahnung, warum. Ich hatte keinen Kontakt mit Maxi Götz hinter mir. Ich weiß nicht, was gerade los ist. Der erste Reifenwechsel zählte ja nicht als Pflicht-Stopp und dann haben wir das Auto rausgenommen, weil es keinen Sinn macht, hier die Reifen kaputtzufahren."

Auch Mike Rockenfeller (Abt-Audi) dürfte froh sein, das Rennwochenende auf dem Red Bull Ring hinter sich zu lassen. Nach zuletzt starken Leistungen und drei Podestplätzen kam der Abt-Pilot am Samstag nicht über den 15. Platz hinaus und musste seinen Audi am Sonntag wegen eines Bremsproblems frühzeitig in der Box abstellen. Mit Dev Gore (Rosberg-Audi) verabschiedete sich ein zweiter R8 vorzeitig.

DTM Spielberg: So lief das Rennen am Sonntag

Die Startaufstellung: Marco Wittmann stellte seinen Walkenhorst-BMW zum zweiten Mal nach seinem Start/Ziel-Sieg in Zolder auf die Pole Position. Für den zweifachen DTM-Champion war es die 16. Pole. Samstags-Sieger Liam Lawson komplettierte mit seinem Red-Bull-Ferrari die erste Startreihe. Ein weiterer BMW von Sheldon van der Linde, Maximilian Götz im HRT-Mercedes sowie die beiden Mercedes-Piloten Philip Ellis und Lucas Auer (beide Winward) folgten auf den weiteren Positionen. Kelvin van der Linde war auf P7 erneut der bestplatzierte Audi-Pilot.

Das Wetter: Sonnenschein, 21 Grad und gute Laune im Fahrerlager, das die Zuschauer zum ersten Mal seit 2019 wieder betreten durften: Die Rahmenbedingungen in Spielberg hätten kaum besser sein können zum zehnten DTM-Lauf der Saison 2021. Die Streckentemperaturen lagen bei 41 Grad.

Der Start: Überraschend disziplinierte Startphase in Spielberg. Marco Wittmann hatte gegen Liam Lawson keinerlei Schwierigkeiten, die Pole Position durch die ersten Kurven zu tragen. Spannend wurde es hinter dem Führungs-Duo beim Kampf um den dritten Platz: Sheldon van der Linde behielt nach mehreren Positionswechseln mit Maximilian Götz die Oberhand. Vincent Abril setzte sich gegen Kelvin van der Linde durch, übernahm P7 und machte Jagd auf die Mercedes-Markenkollegen Philip Ellis und Lucas Auer.

Die Boxenstopps: Bei der ersten Gelegenheit nach Runde 5 bog eine Vielzahl an Fahrern in die Boxengasse ab, um sich gegen ein mögliches Safety Car abzusichern. Neben dem zu diesem Zeitpunkt Führenden Marco Wittmann absolvierten auch Philip Ellis, Vincent Abril, Timo Glock, Alex Albon, Esteban Muth, Maxi Buhk und Mike Rockenfeller ihre Pflicht-Boxenstopps.

Der zunächst Zweitplatzierte Liam Lawson versuchte in Runde 6 den Undercut und war erfolgreich: Mit ausreichend Abstand übernahm er die Führung von Wittmann. Auch Max Götz, Lucas Auer, Arjun Maini und Esmee Hawkey ließen frische Michelin-Reifen aufziehen, bevor Sophia Flörsch in Runde 7 folgte. Nico Müller (Rosberg-Audi) entschied sich als einziger Fahrer im Feld für einen späten Boxenstopp erst in der zweiten Rennhälfte.

Die Zwischenfälle: Sheldon van der Linde ist der Pechvogel des Wochenendes! Nach seinem Ausfall am Samstag, zog sich der ROWE-Pilot am Sonntag von P3 schon in der dritten Runde einen Reifenschaden zu. Der Südafrikaner konnte mit seinem M6 vorsichtig zurück an die Box schleichen und ein neues Rad aufziehen lassen. Ein in Reichweite liegender Podestplatz geriet allerdings in weite Ferne.

In Runde 8 musste Alex Albon kurz nach seinem Pflicht-Boxenstopp zu einem ungeplanten Reifenwechsel noch einmal in die Box kommen: Der AF-Corse-Pilot hatte sich einen Reifenschaden zugezogen - Rennen quasi gelaufen für den von P9 gestarteten Albon. In Runde 10 brummte die Rennleitung Daniel Juncadella eine 5-Sekunden-Strafe (falsche Grid-Position beim Start) während dessen Weg in die Punktegänge auf. Auch Mercedes-Markenkollege Vincent Abril bekam eine 5-Sekunden-Zeitstrafe aufgebrummt. Beide Autos hatten zu Beginn einen zu großen Abstand gelassen.

Kurioses Bild in Runde 13: Kelvin van der Linde setzte als Achtplatzierter den Blinker (!) und ließ Hintermann Daniel Juncadella kampflos vorbei. Offenbar wollte sich der DTM-Spitzenreiter nicht in materialschädliche Zweikämpfe mit dem Mercedes verwickeln lassen.

Die Ausfälle: Mike Rockenfeller musste seinen Abt-Audi nach einem gebrauchten Wochenende nach der 9. Runde an der Box abstellen. Sein Team meldete ein Bremsproblem sowie ein "langes Bremspedal" als Grund. In Runde 14 war das Rennen dann auch für Sheldon van der Linde vorbei, der ROWE-Pilot stellte seinen BMW nach einem früh im Rennen erlittenen Reifenschaden ab. Mit Dev Gore (Rosberg-Audi) sah ein drittes Auto die Zielflagge nicht.


Weitere Inhalte: