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DTM

DTM-Drama um Kelvin van der Linde: Motor aus in Highspeed-Kurve

Kelvin van der Linde kostet ein technisches Problem den Sieg beim DTM-Sonntagsrennen auf dem Lausitzring. Der Abt-Pilot hatte sogar Glück im Unglück.
von Robert Seiwert & Arno Wester

Motorsport-Magazin.com - Hochgeschwindigkeits-Drama um Kelvin van der Linde beim Sonntagsrennen der DTM auf dem Lausitzring: Ausgerechnet in der ultraschnellen und überhöhten Turn-1-Ovalkurve schaltete sich plötzlich der Motor seines von Abt Sportsline eingesetzten Audi R8 LMS GT3 ab - zu einem Zeitpunkt, als der Südafrikaner das Rennen anführte und auf Kurs zu seinem zweiten Saisonsieg lag.

Wie durch ein kleines Wunder hielt sich der Schaden bei van der Linde sogar noch in Grenzen in einer Kurve, in der die GT3-Autos bis zu 240 km/h erreichen. Geistesgegenwärtig führte er im noch rollenden Fahrzeug einen Reset durch, verlor effektiv 'nur' zwei Plätze und überquerte die Ziellinie zehn Runden später auf dem dritten Platz.

Verrückt: Ein vergleichbares Problem ereilte den 25-Jährigen bereits vor zwei Wochen bei seinem Einsatz für das frühere DTM-Team WRT bei der GT World Challenge in Misano. Auf Platz zehn liegend hatte er in der letzten Runde die ECU resetten müssen und das Rennen nur auf dem 23. Rang beendet. Ein ähnliches Schicksal hätte van der Linde wohl auch in der Lausitz geblüht, hätte er nicht auf seine Vor-Erfahrung bauen können.

"Mitten in der Ovalkurve hatte ich ohne Vorwarnung abrupt keine Leistung mehr", schilderte der ältere der van-der-Linde-Brüder im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Der Motor ging einfach aus. Eigentlich hatte ich Glück im Unglück. Ich habe die Zündung abgestellt und fünf Sekunden gewartet. Dann habe ich resettet und zum Glück ist das Auto noch gerollt."

Es hätte im völligen Debakel ändern können

Es wäre ein Debakel und noch gefährlicher gewesen, wenn van der Linde der Motor etwa in einer langsamen Kurve ausgegangen wäre. Das hätte den DTM-Neueinsteiger wohl bis ans Ende des Feldes durchgereicht. Und: Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn ein Verfolger beim Versagen der Elektronik direkt hinter ihm gefahren wäre...

"Ich habe gemischte Gefühle", trauerte van der Linde dem verpassten zweiten DTM-Sieg nach dem Erfolg beim Saisonauftakt in Monza hinterher. "Ich bin aber happy, dass ich trotzdem Punkte geholt habe. Ich habe das Rennen kontrolliert und dann kam dieser technische Fehler. Ich konnte aber weiterfahren und das Momentum nutzen."

Der dritte Platz sowie Rang vier am Samstag lohnten sich für den Moment: Van der Linde reist als Führender in der Meisterschaft zum nächsten Rennwochenende nach Zolder in zwei Wochen. Er führt die Tabelle mit 69 Punkten vor Doppel-Podest-Fahrer Liam Lawson (65 Punkte) und Samstags-Sieger sowie Sonntags-Polesetter Philip Ellis (48 Punkte an) an.

Van der Linde: Denke jetzt nicht an DTM-Titel

"An den Titel denke ich noch nicht wirklich", sagte van der Linde nach dem vierten Saisonrennen. "Da kann noch alles passieren. Es kommen viele Strecken, die uns liegen sollten, aber auch welche, auf denen es schwieriger wird. Es ist jetzt alles noch sehr früh."

Das Sonntagsrennen hatte der erfahrene GT3-Pilot vom vierten Startplatz aufgenommen - jener Position, auf die er das Rennen am Vortag beendet hatte. Vorteil van der Linde: Durch den verpassten Podestplatz - der ging an Abt-Teamkollege Mike Rockenfeller - ersparte er sich am Sonntag das zusätzliche Erfolgsgewicht von immerhin 15 Kilogramm im Auto. Ein Schelm, wer denkt, dass van der Linde das verpasste Podium gar nicht so unrecht kam...

Beim Rennstart setzte er sich von P4 während der ersten Runde gegen den späteren Sieger Maximilian Götz durch und in der dritten Runde musste auch Pole-Setter Ellis Platz machen. Van der Linde profitierte wenig später von einem Problem beim Boxenstopp des bis dato Führenden Liam Lawson - der wie Teamkollege Alex Albon den Motor beim Reifenwechsel abwürgte - und übernahm die virtuelle Führung hinter einigen Autos, die auf eine späte Boxenstopp-Strategie setzten.

Der zweite Saisonsieg wäre van der Linde ohne das technische Problem wohl kaum nehmen zu wesen. "Das ist sehr komisch und das müssen wir analysieren", meinte er über den wiederholten Aussetzer an einem Audi R8 LMS GT3, der in unterschiedlichen Rennserien eingesetzt wird.

DTM-Wahnsinn am Lausitzring: Van der Linde stoppt in Ovalkurve!: (03:22 Min.)


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