Motorsport-Magazin.com Plus
DTM

DTM Lausitzring: Rookie Ellis siegt nach Riesen-Aufholjagd

Mercedes-Rookie Philip Ellis feiert auf dem Lausitzring seinen ersten DTM-Sieg. Vier Mercedes fallen aus. Auch die beiden Damen sehen die Zielflagge nicht.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Von 9 auf 1: Philip Ellis hat nach einer meisterlichen Aufholjagd das Samstagsrennen der DTM auf dem Lausitzring gewonnen. Der DTM-Rookie aus dem Mercedes-Team Winward eroberte bei hochsommerlichen Temperaturen seinen ersten Sieg in der Traditionsserie vor Ferrari-Pilot und Monza-Sieger Liam Lawson (AF Corse) sowie dem früheren DTM-Champion Mike Rockenfeller (Abt-Audi).

Ellis hatte das Rennen von der neunten Position aufgenommen und kämpfte sich konsequent nach vorne. Der Mercedes-Pilot drehte vor allem nach einer von Esmee Hawkey (T3-Lamborghini) ausgelösten Safety-Car-Phase auf und verbesserte sich kurz nach dem Re-Start von der fünften bis auf die dritte Position. Wenig später überholte der 28-Jährige den bis dato führenden Pole-Setter Sheldon van der Linde (ROWE-BMW) in der überhöhten Turn-1-Kurve und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen.

Premieren-Sieger Ellis: "Ich wusste, dass ich beim Re-Start sehr aggressiv sein und nach innen kommen musste. Dass alles so aufging, hätte ich selbst nicht erwartet. Das Auto war eine wirkliche Rakete!"

DTM 2021 Lausitzring: Samstagsrennen als Zusammenfassung: (03:48 Min.)

Sheldon van der Linde führte das Rennen zunächst souverän an, bis er in der zweiten Hälfte an Pace einbüßte, bis auf den dritten Platz durchgereicht wurde und obendrein eine 5-Sekunden-Zeitstrafe wegen eines Vergehens beim Pflicht-Boxenstopp kassierte. "Ich weiß nichts im Moment", sagte Sheldon nach Platz neun kurz nach dem Rennen zu Sat.1. "Das tut ein bisschen weh. Alles hat geklappt bis zum Ende, aber leider haben wir eine Strafe bekommen."

AF-Corse-Youngster Lawson hielt sich unterdessen von Startplatz fünf schadlos und machte seinen zweiten Podestplatz in der DTM-Saison 2021 nach dem Auftakt-Sieg in Monza perfekt.

Verpasstes Brüder-Duell in der Lausitz

Ellis hielt beim Hitze-Rennen in der Lausitz die Fahne für Mercedes-AMG hoch, die im Verlauf der 55 Minuten plus drei Runden ganze vier Ausfälle bei sieben Autos im Feld verkraften mussten. Der von P2 gestartete Kelvin van der Linde verpasste nach seinem Monza-Sieg diesmal das Podest, holte zusammen mit Abt-Teamkollege Mike Rockenfeller (P3 nach Start von P3) aber gute Punkte für die Team-Wertung. Auf das erhoffte Brüder-Duell zwischen Kelvin und Sheldon van der Linde in Startreihe eins mussten die bis zu 10.000 zugelassenen Zuschauer entlang der Strecke verzichten.

Der Fünftplatzierte Alex Albon (AF Corse), Lucas Auer (Winward-Mercedes), der zweifache DTM-Champion Marco Wittmann (Walkenhorst-BMW), Esteban Muth aus dem Dresdner Lamborghini-Team T3 Motorsport, Sheldon van der Linde und Paffett-Ersatzmann Maxi Buhk (Mücke-Mercedes) komplettierten die Top-10 beim ersten von zwei Rennen auf dem Lausitzring, wo die DTM zum ersten Mal seit 2013 auf dem Streckenlayout mit der um 5,7 Grad überhöhten Ovalkurve startet.

Zwei Damen und vier Mercedes raus

Für die beiden Damen im Starterfeld, Sophia Flörsch und Esmee Hawkey, lief es nicht wie erhofft. In der zweiten Runde verlor die Britin aus dem Team T3 Motorsport in der überhöhten Kurve 1 ohne Außeneinwirkung die Kontrolle über ihren Lamborghini, drehte sich mehrfach und schlug mit hoher Geschwindigkeit in die Mauern ein. Hawkey gab schnell Entwarnung und ließ sich anschließend im Medical Center untersuchen. Der Unfall löste eine längere Safety-Car-Phase aus, bis das Auto abgeschleppt war.

Esmee Hawkey verunfallt mit ihrem T3-Lamborghini - Foto: Speedpictures

Wenige Minuten nach dem Hawkey-Crash erwischte es auch Sophia Flörsch, die nach dem Start einem Zwischenfall hatte ausweichen müssen. Die Abt-Pilotin stellte ihren Audi zunächst abseits der Strecke ab, konnte die Fahrt dann zwar noch einmal aufnehmen, musste das Auto aber schließlich wegen Motoren-Aussetzern in der Boxengasse parken.

Auch die vier Mercedes-Piloten Maximilian Götz (HRT-Mercedes), Daniel Juncadella (GruppeM-Mercedes), Vincent Abril (HRT-Mercedes) sowie der überraschend von Platz sechs gestartete Inder Arjun Maini (GetSpeed-Mercedes) sahen die Zielflagge wegen vorzeitiger Ausfälle nicht. Damit beendeten nur drei der insgesamt sieben Mercedes-AMG GT3 das Rennen, das wegen der längeren Safety-Car-Phase auf 55 Minuten plus drei Runden verlängert wurde.

DTM Lausitzring: So lief das Rennen am Samstag

Die Startaufstellung: Sheldon und Kelvin van der Linde sorgten für die erste reine Startreihe 1 in der Geschichte der DTM. Der BMW-Youngster setzte sich in seinem ROWE-M6 GT3 mit nur 0,027 Sekunden vor Bruder Kelvin im Abt-Audi durch. Mit Mike Rockenfeller auf P3 schaffte es ein weiterer R8 LMS aus dem Team der Kemptener in die ersten beiden Reihen. Esteban Muth (T3-Lamborghini), Liam Lawson (AF Corse Ferrari) und Arjun Maini (GetSpeed-Mercedes) sorgten für einen bunten Mix an der Spitze: alle fünf Marken auf den ersten sechs Startplätzen. Die beiden Damen Sophia Flörsch (Abt-Audi) und Esmee Hawkey (T3-Lamborghini) landeten auf den Plätzen 17 und 18.

Das Wetter: Hochsommerliche Temperaturen von knapp 29 Grad am Sonntag in der Lausitz bei 42 Grad Streckentemperatur - eine echte Bewährungsprobe für Mensch und Material auf dem 4,601 Kilometer langen Kurs. Und natürlich auch für die bis zu 10.000 zugelassenen Zuschauer auf den Tribünen, die zum ersten Mal in der DTM-Saison 2021 ein Rennen vor Ort besuchen dürfen.

Der Start: Pole-Setter Sheldon van der Linde erarbeitete sich auf den ersten Metern einen Vorsprung vor seinem zweitplatzierten Bruder Kelvin, dahinter folgte dessen Abt-Teamkollege Mike Rockenfeller. Dahinter ging es wild zu, als der Rest des Feldes teilweise zu dritt nebeneinander durch die überhöhte Turn-1-Kurve donnerte - ohne größere Zwischenfälle! Gewinner der Startphase war Timo Glock, der sich mit seinem ROWE-BMW vom achten bis auf den fünften Platz verbesserte.

Der Re-Start zur 8. Runde: Nach dem Ausfall von Esmee Hawkey bog das Safety Car nach der 7. Runde in die Boxengasse ab. Beim fliegenden Re-Start verteidigte Sheldon van der Linde die Pole ohne größere Schwierigkeiten, während dahinter Philip Ellis den Raketen-Modus zündete: Der DTM-Rookie aus dem Mercedes-Team Winward verbesserte sich vom fünften bis auf den zweiten Platz und überholte dabei Mike Rockenfeller, Esteban Muth und Kelvin van der Linde innerhalb von zwei Kurven.

Die Boxenstopps: Die ersten Reifenwechsel in der auf 263 Meter verlängerten Boxengasse absolvierten in Runde 10 der Führende Sheldon van der Linde, Liam Lawson, Marco Wittmann, Maximilian Götz und Dev Gore. Van der Lindes Verfolger Philip Ellis absolvierte seinen Pflicht-Boxenstopp einen Umlauf später, konnte den BMW des Südafrikaners nach der Boxenausfahrt aber nicht knacken. Auch Kelvin van der Linde, Vincent Abril und Arjun Maini steuerten in Runde 11 die Boxengasse an.

In Runde 12 absolvierten Mike Rockenfeller, Lucas Auer und Timo Glock ihre Wechsel auf einen frischen Satz Michelin-Reifen. Zu diesem Zeitpunkt fuhren nur noch Maximilian Buhk, Esteban Muth und Nico Müller auf ihren Startreifen.

Die Zwischenfälle: In der 2. Runde kollidierten die Mercedes-Markenkollegen Lucas Auer und Vincent Abril im hinteren Teil des Feldes. In den Vorfall war auch Sophia Flörsch involviert, die mit ihrem Abt-Audi über die Wiese ausweichen musste. Außerdem rumpelte DTM-Rookie Dev Gore mit seinem Rosberg-Audi unsanft durch die Wiese abseits der Rennstrecke.

Wegen der frühen und langen Safety-Car-Phase verlängerte die Rennleitung das Rennen mit einer Dauer von 55 Minuten um drei Runden. In Runde 21 kassierte Sheldon van der Linde, zu diesem Zeitpunkt Dritter, eine 5-Sekunden-Zeitstrafe wegen eines falschen Prozederes beim Pflicht-Boxenstopp.

Die Ausfälle: In Runde 4 verlor Esmee Hawkey in der überhöhten Turn-1-Kurve die Kontrolle über ihren Lamborghini Huracan, drehte sich mehrfach und schlug mit hoher Geschwindigkeit in die Streckenbegrenzung ein. Die Britin gab direkt Entwarnung ("Ich bin okay"), doch ihr Fahrzeug erlitt einen heftigen Schaden. Die Rennleitung schickte das Safety Car auf die Strecke.

Wenige Minuten später war auch für die zweite Dame im Fahrerfeld, Sophia Flörsch, Feierabend. Die Abt-Pilotin musste ihren Audi R8 LMS GT3 am Streckenrand parken. Zwar konnte die Münchnerin die Fahrt kurzzeitig noch einmal in langsamer Fahrt aufnehmen, wurde vom Team wegen Motor-Aussetzern aber an die Boxengasse beordert.

Maximilian Götz musste das Rennen in der elften Runde vorzeitig beenden und seinen HRT-Mercedes am Streckenrand abstellen. Zwei Runden später erwischte es mit Daniel Juncadella (GruppeM) einen weiteren Stern-Fahrer mit DTM-Vergangenheit. Mercedes Nummer drei - Vincent Abril (HRT) - musste seinen AMG-GT3 in Runde 21 in der Boxengasse parken. Und auch Arjun Maini (GetSpeed-Mercedes) sah die Zielflagge nicht.

DTM Lausitzring: Fast Facts zu Rennen 1

  • Erster DTM-Sieg für Philip Ellis und Mercedes-Winward
  • Liam Lawson erobert zweiten Podestplatz nach Monza-Sieg
  • 33. DTM-Podium für Abt-Veteran Mike Rockenfeller
  • Mercedes, Ferrari, Audi: 3 Marken auf dem Podest
  • 4 Mercedes fallen aus: Maini, Abril, Juncadella, Götz
  • Esmee Hawkey und Sophia Flörsch sehen Zielflagge nicht

Weitere Inhalte: